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TV-Show "Promi Big Brother"-Finale: Aufgewärmte Spiele, Standardfloskeln und ein Weltrekord

Siegerfaust einer Sportreporterlegende: Werner Hansch hat das "Promi Big Brother"-Finale 2020 gewonnen
Siegerfaust einer Sportreporterlegende: Werner Hansch hat das "Promi Big Brother"-Finale 2020 gewonnen
© Andreas Rentz / Getty Images
Dieses "Promi Big Brother" Finale war eine unglaublich schnarchige Veranstaltung. Während man in der ersten Woche damit beschäftigt war, die "Promis" zu googeln, musste man nun alle Kräfte aufbringen, um wach zu bleiben - bis endlich der Sieger feststand.
Von Andrea Zschocher

Drei Wochen "Promi Big Brother" gehen zu Ende, oder, in Mischas Zeitrechnung, ein Monat. Vielleicht kam ihm das alles ja genauso zäh vor wie den ZuschauerInnen dieser Finalsendung. Vier Stunden können sehr lang sein, wenn in der Zeit nur bereits bekannte Spiele nochmal aufgewärmt und Ausschnitte der letzten Wochen aneinandergereiht werden.

Moderator Jochen Schropp bekam die meiste Redezeit dann auch dafür, die bereits gespielten Spiele noch mal zu erklären. Weil die ja beim ersten Mal aus Sicht des Moderatorenduos so witzig waren, war die Hoffnung offensichtlich groß, dass das auch ein zweites Mal die Leute unterhält. Nun, also, wir haben es über uns ergehen lassen. Der Weg zum Sieger von "Promi Big Brother" ist eben auch fürs Publikum ein langwieriger.

Potential für ein spannendes Finale war da

Dabei gab es doch eigentlich genug Zickenzoff und Streitigkeiten, um damit locker eine ganze Sendung zu füllen, bei der sich das Publikum unterhalten gefühlt hätte. Katy Bähm stichelte in der Live-Sendung gegen Simone Mecky-Ballack, da wäre definitiv noch Gesprächsbedarf gewesen. Dragqueen Katy versicherte Moderatorin Marlene Lufen zunächst, dass sie alle im Haus eigentlich ganz lieb hätte. Als Simone Mecky-Ballack sie dann abblitzen ließ, trat Katy nach. Während die 26-Jährige der 43-Jährigen ein "Heul doch" entgegenschmetterte, zeigte die 18-jährige Alessia Herren echte Größe und entschuldigte sich noch mal in großer Runde für das Missverständnis.

Lästerschwester Katy ist dazu nicht in der Lage. Stattdessen scheint ihr Weg Richtung Dschungelcamp zu gehen. Da werden falsche Schlangen ja immer gebraucht, um Leben in die Bude zu bringen.

Gaaaanz tolle Erfahrung

Richtig schade war, dass Marlene Lufen sich bei diesem beginnenden Streit sofort zurückzog und lieber den Aufruf zum Voten der verbliebenen Schlossbewohner nutzte. Wozu werden eigentlich all die Ex-KandidatInnen eingeladen, wenn sie dann nicht mehr als zwei, drei Sätzchen sagen dürfen?

Es hätte dieses Finale ganz sicher belebt, wenn die Promis mehr als die üblichen "ich bin an der Situation gewachsen" und "es war eine ganz tolle Erfahrung" Standardfloskeln in die Kamera hätten sagen dürfen. So scheint nur Katy ihre 15 Sekunden Ruhm genutzt zu haben, um nachträglich negativ im Gedächtnis zu bleiben.

Hätte, hätte, war halt nicht

Definitiv im Gedächtnis blieb in dieser Staffel auch Senay Gueler. Der Türsteher fehlte aber an diesem Abend, kam auch in den sehr ausufernden Rückblicken kaum vor. Ebenso wie Jenny Frankhauser und Elena Ameur. Das Fehlen der drei Teilnehmenden wurde allerdings nicht thematisiert. Weitere Sendeminuten hätten sich auf die Weise doch aber sehr viel interessanter gestalten lassen können. Warum waren die drei nicht da? War es für sie auch eine tolle Erfahrung? Würden sie so ein Format noch mal wählen, um die eigene Bekanntheit zu erhöhen? Alles Fragen, die man, hätte, hätte und so, diskutieren können. Stattdessen wurden die bereits erwähnten Spiele wieder hervorgekramt, die Requisiten waren halt noch da. Zu gewinnen gab es Redezeit, mit der der Sieger sich noch mal gesondert präsentieren konnte.

Mischa macht für Werner den Weg frei

Nachdem Ikke Hüftgold als Vierter und Cathy Kelly als Dritte das Haus verlassen mussten, durfte Mischa Maier gleich zwei Redezeiten für sich in Anspruch nehmen. Und tat, Überraschung, genau das nicht. Stattdessen erklärte er, er habe alles, was er brauche und die Menschen sollten bitte für Werner anrufen. Denn der, so Maier, benötigt den Sieg dringender als er.

Ob es an Mischas Worten lag oder Werner im Ranking sowieso vorn lag, ist natürlich nicht klar. Aber Werner Hansch ist der "Promi Big Brother"-Sieger 2020. Ganz nebenbei hat er auch noch einen Rekord gebrochen: Er ist der älteste Gewinner eines Reality-TV-Formates weltweit.

Hansch schien das egal, für ihn war wichtig, dass er seinen Lebensabend nun etwas beruhigter begehen kann. In seiner Rede dankte er allen ZuschauerInnen, die für ihn angerufen hatten. "Ihr seid die Paten für den Start in eine neue, befreitere Lebensphase", sagte der 82- Jährige. Er selbst hatte nie an seinen Sieg geglaubt. Mischa Maier und Ikke Hüftgold hatten Tränen in den Augen und freuten sich sehr über den Gewinn ihres Freundes.

Alles irgendwie langweilig

Alles ganz harmonisch also am Ende dieser Staffel von "Promi Big Brother". Es gab viel Drama und Streit, viele unbekannte Gesichter und viel nackte Haut. Menschen hatten sich mit sich selbst auseinandergesetzt, während Fernsehdeutschland ihnen dabei zusehen konnte. Ein bisschen passend ist es da schon, die Zweit-bis Viertplatzierten nicht als Verlierer sondern als 2., 3. und 4. Sieger zu feiern. Nur ist das natürlich auch ein bisschen langweilig. So, wie dieser ganze Abend eben.


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