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Dating-Show bei RTL: "Meine Angst war extrem groß": Rafi über sein Coming Out bei "Bachelor in Paradise"

Rafi Rachek gestand bei "Bachelor in Paradise", dass er auf Männer steht. Wie schwer ihm dieser Schritt gefallen ist und warum er ausgerechnet die Kuppelshow dafür gewählt hat, offenbarte der 29-Jährige in einem Interview.

Rafi Rachek als Kandidat bei "Bachelor in Paradise"

Rafi Rachek als Kandidat bei "Bachelor in Paradise"

TV Now

Es war die größte Überraschung in der vierten Folge "Bachelor in Paradise": Kandidat Rafi Rachek offenbarte den anderen Teilnehmern in der Nacht der Rosen, dass er nicht auf Frauen, sondern auf Männer steht. Unter Tränen hatte der 29-Jährige sein Coming-Out - in einer Dating-Show und vor Millionen Fernsehzuschauern.

Im Interview mit RTL-Moderatorin Frauke Ludowig verriet Rafi nun, wie schwer ihm dieser Schritt gefallen ist. "Meine Angst war extrem groß. Ich wusste, wenn ich diesen einen Satz sage, dann wird sich mein Leben verändern und ich weiß, was für Konsequenzen auf mich zukommen. Das war der emotionalste Moment meines Lebens."

Rafi hatte Angst, dass die Mädels ihn ohrfeigen

Er habe zum einen Bedenken vor den Reaktionen der anderen Singles gehabt: "Wie werden sie reagieren? Werden sie geschockt sein? Werden die Mädels mich eventuell ohrfeigen?" Zum anderen fürchtete er, von der Gesellschaft abgelehnt und ausgrenzt zu werden. "Diese Angst hat mich beinah kaputt gemacht", sagte Rafi.

Auch sich selbst wollte er lange Zeit nicht eingestehen, dass er schwul ist. Deshalb bewarb er sich im vergangenen Jahr für die "Bachelorette", schied aber vorzeitig freiwillig aus. "Ich war mit mir selbst nicht im Reinen. Ich habe immer gedacht, das ist eine Phase, du kannst dich verlieben. Auch wegen meines kulturellen Hintergrunds. Ich bin Kurde und Jeside. Ich hatte Angst, dass meine Familie mich verstoßen wird."

Ein Bruder von Rafi hat den Kontakt abgebrochen

Seine Eltern informierte er in einem persönlichen Gespräch vor der TV-Ausstrahlung. "Ich stand vor meinen Eltern und habe gesagt: 'Ich kann nicht der Sohn sein, den ihr euch wünscht. Es ist mir super schwer gefallen. Sie haben beide geweint, ich habe auch geweint. Das war ein krasser Schritt, ein krasser Moment." Seine Mutter glaube, er könne "geheilt" werden. "Das hat mich sehr verletzt", sagte Rafi. Die größte Angst hatte er vor der Reaktion seiner Brüder, "weil die sowas hassen". Einer seiner Brüder habe auch den Kontakt abgebrochen. "Er hat gesagt, das ist eine Kopfsache, das könnte man doch umschalten und ich sei pervers."

Rafi will anderen Männern Mut machen, sich zu outen

Trotz der Ablehnung seiner Familie sagte Rafi, er fühle sich das erste Mal in seinem Leben frei. "Das ist das schönste Gefühl der Welt, mit sich im Reinen zu sein." Gleichzeitig will er ein Vorbild für andere Männer sein. "Ich möchte für so viele Männer da draußen sprechen, die nicht den Mut oder die Möglichkeit haben, sich zu outen. Es gibt so viele Südländer, die sind verheiratet und haben Kinder und stehen in Wirklichkeit gar nicht auf Frauen. So ein Mann möchte ich niemals werden. Ich möchte auch keiner von denen sein, die sich irgendwann etwas antun, weil sie damit nicht klar kommen oder weil sie von der Gesellschaft verachtet werden."

Während seiner Teilnahme bei "Bachelor in Paradise" habe er viel Zeit gehabt nachzudenken und sich schließlich eingestanden, wie er wirklich fühlt. "Im normalen Alltag hätte ich nicht den Mut gehabt, mich zu outen. Das war eine Ausnahmesituation. Ich hab's da gespürt und gesagt: Okay, ich mache es jetzt."

jum