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"House of Cards"-Star Robin Wright - die Spätzünderin

Robin Wright bekannt aus "House of Cards"
Robin Wright, 51, untertreibt gern: "Ich bin doch nur interessant wegen meiner Rollen"
© Valery Hache/AFP
Bei Robin Wright kam der Ruhm spät. Jetzt spielt die 51-Jährige nicht nur First Lady in "House of Cards", sondern auch Amazone in der Comic-Verfilmung "Wonder Woman".
Von Christine Kruttschnitt

Wenn es eine Anerkennung für Schauspieler ist, als Action-Puppe verewigt zu werden, so muss es als besondere Ehre gelten, wenn dies im hohen Alter von 51 Jahren geschieht. Robin Wright, die schon für allerlei Filmpreise nominiert war und einige, darunter den Golden Globe, auch gewonnen hat, findet es jedenfalls hochbefriedigend, nun als Plastik-Amazone im Spielzeugregal zu landen.

In der Comic-Verfilmung "Wonder Woman", die mit üppigem Frauen-Power-Merchandising am 15. Juni auch in die deutschen Kinos prescht, verkörpert sie eine grimmige Generalin, die ein Heer der legendären Kriegerinnen befehligt und sich in Schlachten mit ollen Griechen besonders hervortut. Auf den entsprechenden Körper ist Robin Wright echt stolz, musste sie ihn doch erst mühsam fabrizieren. "Jeden Tag Reittraining, Fitnesstraining, Kampfsport", sagt die nunmehr Stählerne und zeigt ihre Michelle-Obama-Arme. "Ich war immer die Älteste an den Geräten und habe mich ständig verletzt – aber macht nichts, ich bin in der besten Kondition meines Lebens."

Normalerweise schlägt Robin Wright keine Schädel mit der Axt ein

Action-Rollen sind tatsächlich die Ausnahme im Œuvre der Blondine, die dem breiten Publikum vor allem als eisige First Lady in der Netflix-Satire "House of Cards" ans Herz gewachsen ist. In deren fünfter Staffel, die seit 30. Mai auf Sky läuft – über ein Jahr nach dem Schocker-Finale im "Situation Room", wo das feine Präsidentenpärchen online einer Exekution beiwohnte –, bewegt sich Wright wieder auf vertrautem Terrain: Normalerweise schlägt sie keine Schädel mit der Axt ein, sondern schießt ganz zivil jene berühmten Blicke ab, die töten können. Ihre Claire Underwood, eine Viper in Bleistiftröcken und mindestens so skrupellos wie der Serien-Gatte (Kevin Spacey), sei "die stärkste Frauenfigur im Fernsehen", schrieb gerade ehrfürchtig ein US-Kritiker.

Dabei ist die Schauspielerin, die auf der Leinwand schon Tom Hanks, Daniel Craig, Kevin Costner und immer wieder auch ihren Exmann Sean Penn geküsst hat, im wahren Leben eher scheu. Sie neigt zum Diana-von-unten-Blick und erwartet in Interviews Fragen mit so gequälter Miene, als würde die Hand gegen sie erhoben. Erst in den vergangenen Jahren habe sie gelernt, ihre Klappe aufzumachen – zum Beispiel, als sie von der Gage ihres Kollegen Spacey erfuhr: Der bekam angeblich 500.000 Dollar pro Folge, sie 80.000 weniger. Da musste sie den Produzenten gegenüber ein wenig amazonig auftreten. Die hoben schleunigst ihr Gehalt an; auch weil die Eiskönigin Claire in Umfragen beliebter ist als der Präsident.

Auf dem Filmfestival in Cannes präsentierte sie einen Zehn-Minuten-Krimi, den sie als Regisseurin mit Kollegen von "House of Cards" gedreht hatte. Die Regie sei ihre wahre Liebe: "Ich habe 30 Jahre lang auf der anderen Seite der Kamera gestanden, das reicht. Ich will ab jetzt nur noch Regie machen." Dass sie die ganz große Hollywood-Karriere verpasst hat, weiß sie selbst: Brummer-Angebote wie "Batman" oder "Robin Hood Forever" schlug sie aus, weil sie immer entweder keine Lust hatte oder schwanger war. Und als Glamour-Magazine wie "Vanity Fair" sie zu Beginn ihrer Karriere auf ihre Titel heben wollten, lehnte sie ab: "Mir war himmelangst bei dem Gedanken, mich da vorführen zu lassen. Außerdem wollten die doch bloß wissen, was Sean für Unterwäsche trägt." Mit Penn – die beiden waren 14 Jahre verheiratet und mehr als 20 Jahre zusammen – zog sie aus der "Prominenz-Blase" Los Angeles ins nobel-verschlafene Marin County bei San Francisco; ihre Tochter Dylan, heute 26, und der 23-jährige Hopper gingen dort zur Schule. Beide Kinder versuchen sich in der Zunft ihrer Eltern; der Sohn ist gerade mit Brad Pitt im Netflix-Film "War Machine" zu sehen. Dylan jobbt als Model – eine Laufbahn, die als Teenager auch Robin eingeschlagen hatte und an die sie sich mit Grausen erinnert: "Wenn ich bei Pariser Agenturen vorsprach, hieß es bloß: Heb mal das T-Shirt, und dann hörte ich jemanden sagen, die Titten sind zu klein, danke und tschüs."

Sie ist eben eine Spätzünderin und erst in den letzten Jahren in das Leben reingewachsen

Über ihren Ex spricht Wright freundlich, aber spärlich – wie sie sich überhaupt ungern auslässt. "Ich will nichts über mich enthüllen, warum? Ich bin doch nur interessant wegen meiner Rollen." Außerdem ist sie nicht gerade gewandt in Eigen-PR. Über ihren damaligen Freund, den Schauspieler Ben Foster, säuselte sie in einem Interview: "Es schickt sich vielleicht nicht, das zu sagen, aber noch nie habe ich so viel gelacht, so viel gelesen und bessere Orgasmen gehabt als mit Ben." Nicht nur der Ex vernahm es mit Staunen. Sie sei eben eine Spätzünderin und erst in den letzten Jahren in das Leben reingewachsen, für das sie bestimmt war. "Ich habe nie studiert, war mit 24 schwanger. Andere kommen viel früher an, ich bin erst jetzt bereit."

Deshalb holt sie die Blockbuster nach, die sie einst verschmäht hat. Aus der Amazonen-Antike ist sie in die Zukunft geflogen und hat – ihre vielleicht letzte? – Rolle im Science-Fiction-Epos "Blade Runner 2049" abgedreht, das aber erst im Herbst ins Kino kommt; bis dahin darf sie nichts verraten. So wenig wie über das Los der Underwoods. Nur so viel: Die beiden treiben's wieder bunt. "Dabei werden wir von der Realität eingeholt, Trump hat uns über-trumpt" , scherzte Robin Wright in einer Talkshow. Jeden Morgen, wenn sie Nachrichten hört, sei sie fassungslos. "Und dabei möchte man annehmen, ich sei immun gegen Schocker aus dem Weißen Haus", sagt sie und lacht unbehaglich. Gut, dass da draußen ein Amazonenheer bereitsteht.

"House of Cards"-Star: Robin Wright - die Spätzünderin

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