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"Die Lincoln Verschwörung": Brisanter Gerichtsfilm mit einem Hauch 9/11

Hollywoods liberaler Quertreiber hat eine uramerikanische Geschichte hervorgekramt: Die Ermordung von Abraham Lincoln. Die ARD zeigt Robert Redfords achtes Regiewerk "Die Lincoln Verschwörung" am späten Samstagabend.

"Die Lincoln Verschwörung"

Der Wahrheit auf der Spur: James McAvoy verteidigtin dem Film "Die Lincoln Verschwörung" als Anwalt Frederick Aiken die angebliche Verschwörerin Mary Surratt.

Jedes amerikanische Kind kennt die Fakten: Abraham Lincoln, Kämpfer für Demokratie und gegen Sklaverei, wurde am 14. April 1865 von dem fanatischen Südstaatler John Wilkes Booth während eines Theaterbesuchs in Washington niedergeschossen. Kurz zuvor war der blutige Bürgerkrieg mit der Kapitulation des Südstaaten-Generals Robert E. Lee zu Ende gegangen. Der US-Kongress hatte die Sklaverei für abgeschafft erklärt. In Robert Redfords "Die Lincoln Verschwörung" wird das Attentat selbst allerdings ganz schnell abgehandelt.

Klar, dass der 75-Jährige kein action-geladenes Historiendrama mit blutigen Schlachten und Duellen liefert. Nach der Buchvorlage von James D. Solomon inszeniert er einen aufrüttelnden Gerichtsfilm mit brisanten politischen Tönen. In dem Plädoyer auf die amerikanische Verfassung geht es um die Nachwirkung einer nationalen Tragödie, um Militärtribunale, um die Abschaffung von Gesetzen und darum, wie nach Terrorangriffen Angst geschürt wird - vor 146 Jahren, gleich nach Lincolns Tod.

"Als ich merkte, dass es gar nicht um Lincoln ging, sondern um einen Prozess, den keiner richtig kennt, wurde ich aufmerksam", sagte Redford vor dem US-Kinostart im April der Zeitung "Salt Lake Tribune". "Die Lincoln Verschwörung" dreht sich nämlich um den historischen Prozess gegen die Südstaatlerin Mary Surratt (Robin Wright), die zusammen mit einer Handvoll Männern als Mitverschwörerin des Lincoln-Attentäters angeklagt wurde. Die Witwe betrieb in Washington eine Herberge, in der Booth und seine Kumpanen gleich mehrere Mordanschläge auf Politiker ausheckten.

Redford zieht Parallelen zum 11. September

War Surratt eine kaltblütige Verschwörerin oder eine ahnungslose Wirtin, die nur Unterschlupf bot? Kriegsminister Edwin M. Stanton (Kevin Kline), von ihrer Schuld fest überzeugt, stellte die Frau vor ein Militärtribunal, der übliche Jury-Prozess wurde ausgesetzt. Mit wenig Mimik glänzt Robin Wright ("State of Play - Stand der Dinge") in der Rolle der verhärmten, stoischen Frau, die vor Gericht um ihr Leben kämpft. Kaum jemand ist der Südstaatlerin gesonnen, nicht einmal ihr Anwalt glaubt an ihre Unschuld.

James McAvoy ("Abbitte") spielt den jungen Frederick Aiken, einen hoch dekorierten Kriegshelden der Nordstaaten, der die Frau nur widerwillig verteidigt. Aus dem wortlastigen, aber spannenden Justiz-Thriller wird ein emotionales Drama. Langsam schlägt sich der Anwalt auf die Seite von Surratt, als er merkt, dass in dem Schau-Tribunal Recht und Verfassung auf der Strecke bleiben.

Redford wollte es nach eigenen Bekunden vermeiden, Parallelen zwischen der öffentlichen Panik nach dem Lincoln-Attentat und nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 zu ziehen. Er sei schon oft als "zu linksgerichtet" eingestuft worden, sagte der Regisseur der "Salt Lake Tribune". In diesem Fall habe er sich einfach nur an die historischen Fakten gehalten. "Ich will es den Zuschauern und den Kritikern überlassen, diese Parallelen zu finden, ohne dass ich darauf herumreiten muss". Redford konnte es in dem Interview aber nicht lassen, den damaligen Kriegsminister Stanton mit Donald Rumsfeld, dem früheren Verteidigungsminister unter George W. Bush, zu vergleichen.

Politisches Drama bleibt Redfords Metier

In "Von Löwen und Lämmern" (2007), seinem vielleicht politischsten Film, rechnete Redford als Regisseur und Hauptdarsteller mit Machthunger, Kriegslust und Inkompetenz in Washington ab. Mit erhobenem Zeigefinger prangerte er unkritische Journalisten und träge Studenten an. In "Die Lincoln Verschwörung" hält sich der engagierte Demokrat dagegen zurück. In dem klassisch inszenierten Gerichtsdrama haben die historischen Fakten das Sagen. Eine Botschaft, die das amerikanische Publikum allerdings nicht hören wollte. Der für knapp 20 Millionen Dollar gedrehte Film spielte an den nordamerikanischen bislang nur etwa die Hälfte seiner Produktionskosten ein.

Redford bleibt dem politischen Drama trotzdem weiter treu. In diesem Monat sind die Dreharbeiten zu dem Thriller "The Company You Keep" angelaufen. Redford spielt einen Anwalt, der von seiner Vergangenheit als Anhänger der linksradikalen Gruppe "Weather Underground" eingeholt wird. Der Oscar-Preisträger, der selbst Regie führt, konnte mit Shia LaBeouf, Susan Sarandon, Julie Christie, Nick Nolte und Richard Jenkins wieder viele Stars für sich gewinnen.

Die ARD zeigt "Die Lincoln Verschwörung" am Samstag, 9. Juli, um 23.25 Uhr.

Barbara Munker, DPA / DPA