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Sky-Programm-Chefin Elke Walthelm Die Pandemie als Katalysator: So hat Corona das Zuschauerverhalten verändert

Elke Walthelm
Elke Walthelm ist die Programm-Chefin von Sky Deutschland. 
© Sky
Der Lockdown hat den Bedarf an TV-Inhalten in die Höhe schnellen lassen. Doch wie entwickelt sich die Branche nach dem Abklingen der Pandemie? Sky-Programmchefin Elke Walthelm gab im Gespräch mit dem stern eine Ausblick in die Zukunft - und verriet kommende Trends und Formate.

Wenn es eine Branche gibt, die von der Corona-Pandemie profitiert hat, dann waren es Streaming-Plattformen wie Netflix, Amazon Prime oder Sky. Lockdown und Social Distancing haben die meisten Menschen über Monate in ihren eigenen vier Wänden gehalten, viele haben mehr Zeit vor dem Bildschirm verbracht als gewöhnlich.

Dadurch stieg der Bedarf an Inhalten – was sich bei den Plattformen bemerkbar machte. Bei Netflix etwa stieg die Zahl der zahlenden Kunden von weltweit unter 170 Millionen in der Vor-Corona-Zeit auf zuletzt mehr als 200 Millionen Abonnenten. 

Auch der Bezahlsender Sky hat profitiert. "Seit dem Lockdown haben wir eine vermehrte Nachfrage nach Abos und unseren Inhalten festgestellt", sagt Elke Walthelm, die Programm-Chefin von Sky Deutschland, im Gespräch mit dem stern. Zwar sei dem Sender zunächst der Live-Sport weggebrochen, doch man habe darauf schnell reagiert – indem man das Filmangebot für Sportkunden freigeschaltet habe.

Die Pandemie als Katalysator

Als Corona-Gewinnerin will sich die Programm-Chefin aber nicht sehen. Für sie ist die Pandemie weniger die Ursache für den aktuellen Boom, als ein Katalysator für einen Trend, den man schon lange beobachtet: das Bedürfnis nach qualitativ hochwertigen Inhalten steigt ebenso wie die Zahlungsbereitschaft.

Dass das große Interesse an Bezahlinhalten abebbt, sobald die Pandemie überwunden ist, glaubt Walthelm deshalb nicht: Ein Zurück zu Vor-Corona-Zeiten werde es nicht geben. Auch der Zuwachs an Wettbewerbern hat Sky offenbar nicht geschadet. Mit Apple-TV+ und Disney+ sind zwei internationale Schwergewichte in den Markt eingetreten. In Deutschland sind mit TV Now und Joyn+ attraktive Angebote entstanden. Und auch die öffentlich-rechtlichen Mediatheken haben aufgerüstet. Letztlich, so sieht es Walthelm, habe man davon aber profitieren können. "Wir sehen andere Plattformen weniger als Konkurrenz."

Deshalb unterstützt Sky auch die Nutzung von Konkurrenzangeboten – etwa in dem man deren Apps auf Sky Q prominent platziert. Denn die steigende Nutzung dieser Apps gehe nicht auf Kosten der Sky-Inhalte. Im Gegenteil: "Das befruchtet sich gegenseitig. Dazu ist es uns wichtig, Sky-Kunden über Sky Q so einfach wie möglich Zugang zu den Inhalten zu geben, die für den Kunden wichtig sind, egal ob Sky oder andere aggregierte Inhalte."

Sky hat neue Kanäle gestartet

Um im Wettbewerb weiter bestehen zu können, investiert man kontinuierlich in neue Inhalte. Die Gruppe will das Investment in eigene Produktionen bis 2024 verdoppeln. Allein in diesem Jahr kommen vier neue Channel dazu: Bereits gestartet sind Sky Crime und Sky Comedy, ab September wird das Angebot durch Sky Documentaries und Sky Nature ergänzt.

Daneben produziert der Bezahlsender mehr Sky Originals: "Wir werden intensiv unsere Investitionen in lokale Produktionen erhöhen", kündigt die Programm-Chefin an. Elke Walthelm hat sich mindestens sechs deutsche Produktionen pro Jahr bis 2023 vorgenommen – ein ambitioniertes Ziel. Erste Resultate kann man schon jetzt sehen: Gerade ist die Serie "Ich und die anderen" mit Tom Schilling gestartet. Auch Originals aus Großbritannien und Italien sind wichtiger Bestandteil des Angebots.

Im Oktober startet "Die Ibiza Affäre" mit Nicholas Ofczarek – eine Verfilmung jenes Skandals, der 2019 den österreichischen Vizekanzler Christian Strache zu Fall brachte. Für Ende des Jahres stellt Walthelm die erste eigene Comedy-Serie in Aussicht. In "Die Wespe" spielt Florian Lukas einen ehemaligen Dart-Profi. Dazu wird es neue Staffeln von "Babylon Berlin", "Das Boot" und "Der Pass" geben. 

Dokumentationen werden wichtiger

Für die Zukunft sieht sich die Programm-Chefin von Sky Deutschland gut aufgestellt. Neben mehr nationalen Produktionen hat sie folgende Trends identifiziert: True Crime, ein Genre, das der Sender mit der Marke Sky Crime bedient und dafür auch lokale Eigenproduktionen anbietet. Beispielsweise die TV-Adaption des beliebten Podcasts "Verbrechen von nebenan" oder der Dokumentation "Schwarzer Schatten" über den verurteilten Serienmörder Niels Högel.

Ein weiteres wichtiges Thema sind Dokumentationen. "Die Leute sagen nicht nur, sie wollen es sehen, sie gucken es wirklich, und das mehr denn je", sagt Walthelm. Wichtig ist und bleibt das Oberthema Nachhaltigkeit und Klimawandel, das Sky mit Eigenproduktionen wie der neuen Reihe "SaFahri – Eine Reise zu den Elementen" mit Fahri Yardim bedienen wird. 

Ein wichtiges Standbein bleiben internationale Produktionen. Sky soll die erste Abspielstation für hochgelobte US-Serien wie "Mare of Easttown" oder Kinofilme wie "Wonder Woman 1984" bleiben. Gerade hat Sky die Zusammenarbeit mit Paramount verkündet und sich ein gewaltiges Paket von mehr als 500 Filmen gesichert.

Ob das alles ausreicht, um den Menschen auch nach dem Abklingen der Pandemie vor den Bildschirmen zu halten? Das wird sich zeigen. Sky scheint jedenfalls gut gerüstet, um den Wettbewerb nicht nur gegen Netflix und Co. aufzunehmen - sondern auch gegen Biergarten und Restaurant. 


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