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Varoufakis #Fingergate Darf Satire das oder muss das weg?


Jan Böhmermann hat mit der Behauptung, das Varoufakis-Mittelfinger-Video gefälscht zu haben, eine Debatte über Satire losgetreten. Ist der Moderator zu weit gegangen? Der stern hat nachgefragt.
Von Niels Kruse

Spätestens seit diesem Donnerstag dürften die meisten Deutschen Jan Böhmermann kennen. Den "Neo Magazin Royale"-Moderator, der in einem Video behauptet hatte, den berühmten Mittelfinger in das Video von Griechenlands Finanzminister montiert zu haben - was ihm viele Medien auch sofort glaubten. Bis sein Sender hochoffiziell verkündete, dass der Scherzkeks sich einen Scherz erlaubt hatte. Welche Überraschung.

Bei Twitter laufen seit ver Veröffentlichung des Videos am Mittwochabend unter dem Schlagwort varoufake die Kanäle heiß - und die Empörungskurve nimmt nicht ab. Unter anderem auch, weil vielen Menschen diese Form der Satire zu weit geht. Das ZDF teilte mit, man überlege Böhmermanns Show künftig mit dem "Warnhinweis 'Vorsicht Satire' zu versehen". So ganz ernst meinte der Sender diese Ankündigung vermutlich nicht, aber rechtlich gesehen wären die Macher damit zumindest auf der ganz sicheren Seite. "Satire darf in Deutschland sehr viel, aber sie muss als solche erkennbar sein", sagte der Kieler Medienrechtler Stephan Dirks dem stern. Einen speziellen Hinweis hält er allerdings für überflüssig, weil das "Neo Magazin Royale" eindeutig eine satirische Sendung sei, so Dirks.

Auch eine weitere, übliche Grenze für Satire sieht der Jurist nicht überschritten: die Verletzung des Persönlichkeitsrechts. "Schwierig wird es nur dann, wenn sich zum Beispiel eine Person durch eine nicht ernst gemeinte Behauptung diffamiert fühlt. Nur: Wo kein Kläger, da kein Richter". Darüber hinaus karikiere Böhmermann die Metaebene der Diskussion, so Dirks. Anders gesagt: Der Fernsehmann macht sich nicht über die (echte oder gefälschte) Geste von Varoufakis lustig, sondern darüber, wie über den Vorfall diskutiert wird. "Diese Art abstrakter Scherze mag für viele Menschen auf den ersten Blick vielleicht nicht als solche erkennbar sein, und doch sind sie durch die Meinungs- und Kunstfreiheit geschützt."

Dass Jan Böhmermann nur spaßeshalber die Manipulation des Videos zugegeben hat, heißt aber natürlich nicht, dass es nicht doch gefälscht sein könnte. Yanis Varoufakis jedenfalls bleibt bei seiner Äußerung, nie den Stinkefinger benutzt zu haben. Aus der Redaktion der Günther-Jauch-Produktionsfirma I & U heißt es allerdings, man habe den Mitschnitt drei Experten zur Prüfung vorgelegt, die alle zu dem Schluss gekommen seien, dass das Video echt sei. Die Diskussion wird wohl fröhlich weitergehen.


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