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Internet-Satire: "Eisprung vom Zusehen": Was Männer hören, wenn Claudia Neumann kommentiert

Sobald Claudia Neumann kommentiert, knallen bei ein paar zumeist männlichen Zuschauern die Sicherungen durch. Ein Satire-Beitrag zeigt, was Männer hören, wenn die Frau am Mikrofon sitzt.

Claudia Neumann

Was Claudia Neumann sagt und was manche Männer verstehen sind verschiedene Dinge.

Dass es im Jahr 2018 noch immer ein Thema ist, wenn eine Frau Fußballspiele kommentiert, ist ein Skandal. Sobald Claudia Neumann bei einem Spiel dieser Fußball-WM am Mikro, rasten ein paar Herren der Schöpfung aus und bepöbeln die ZDF-Journalistin in den sozialen Medien. Das Satire-Format "Bohemian Browser Ballett", das für den öffentlich-rechtlichen Jugendkanal Funk Inhalte liefert, hat das Beste daraus gemacht und aus diesem traurigen Umstand ein paar komischen Funken geschlagen.

In einem Videobeitrag haben die Satiriker Claudia Neumanns tatsächlichen Kommentar aus Portugals drittem Vorrundenspiel gegen den Iran gegenübergestellt mit dem, was Männer verstehen, am Beispiel der Szene, die zum 1:0 führte. Tatsächlich wies Neumann in der Entstehung darauf hin, dass die Portugiesen nicht angegriffen werden. In der satirischen Version verstehen die Männer etwas ganz anderes.

Claudia Neumann und Ronaldo

Das fängt schon damit an, dass die Kommentatorin die Mannschaft gar nicht benennen kann. Hier spielt "die Ronaldo-Mannschaft" gegen "die mit den weißen Trikots". Doch nicht nur die Iraner scheint diese Frau nicht zu kennen, auch von den Portugiesen ist ihr außer Ronaldo kein Spieler geläufig. Umso mehr erzählt sie von CR7. Der "soll sich ja jetzt mit seiner Georgina verlobt haben", wie sie unter Berufung auf "Bunte" und "Gala" berichtet. 

Als Ricardo Quaresma zum 1:0 trifft, brüllt die Fake-Neumann "Touchdown" und lobt: "Richtig süß gemacht." Erst dann stellt sie fest, dass ja gar nicht Ronaldo getroffen hat. Als sie den beim Torjubel entdeckt, schwärmt sie: "Schauen Sie sich diese Körpersprache an, da kriegt man einen Eisprung allein vom Zusehen."

"Entschuldigen Sie, dass ich so emotional werde"

Die Video-Widerholung des Treffers hält die Claudia Neumann aus Männersicht für die Fortsetzung des Spiels: "Identische Situation", ruft sie, als Quaresmas Schuss in Zeitlupe läuft, "und dieses Mal lassen sie sich etwas mehr Zeit." Dann gerät sie außer sich: "2:0 aus der gleichen Position“. Noch eine Wiederholung: "3:0 - ja sind wir denn hier beim Springreiten!"

Natürlich dürfen auch biologistische Erklärungsmuster für den aus Chauvi-Sicht irrationalen und inkompetenten Kommentar nicht fehlen. "Entschuldigen Sie, dass ich so emotional werde, aber ich hab gerade meine Tage."

Dann gibt es noch einmal Toni Kroos' Last-Minute-Tor gegen Schweden in der Claudia-Neumann-Version: "Thorsten Kroos chippt den Puck in die Endzone", schreit die Kommentatorin in diesem Satire-Beitrag und verspricht: "Jetzt werden wir jedes Jahr Weltmeister."

Mit diesem Beitrag bringt "Bohemian Browser Ballett" perfekt auf den Punkt, worin das wahre Problem an Claudia Neumann besteht: Es liegt an den Männern, die ihr mutwillig Inkompetenz unterstellen, nur weil sie eine Frau ist. 

Tatsächlich hat Neumann jedoch das Spiel gegen den Iran fachkundig begleitet. Sie hat nicht nur unmittelbar vor der portugiesischen Führung wie oben erwähnt die Probleme in Irans Defensivverhalten angesprochen. Neumann hat zwei Mal auf die Außenrist-Qualitäten von Ricardo Quaresma hingewiesen. Der traf kurz darauf tatsächlich - per Außenrist. Mehr muss man über Claudia Neumanns Fähigkeiten als WM-Kommentatorin nicht wissen.

ZDF-Kommentatorin steht im dunklen Blazer und mit Fußball in den Händen in einem TV-Studio