Die Enttäuschung war groß: Nach 120 hart umkämpften Minuten musste sich die deutsche Fußballnationalmannschaft im EM-Finale der Frauen Gastgeber England geschlagen geben. Die Lionesses siegten mit 2:1 nach Verlängerung.
Noch während die Siegerinnen auf dem Rasen von Wembley ausgelassen feierten, kochte bei vielen deutsche Zuschauern der Frust hoch: Auf Twitter äußerten zahlreiche User Unmut über eine Entscheidung aus der 27. Spielminute: Die englische Verteidigerin Leah Williamson bekam nach einem Getümmel im Strafraum den Ball an die Hand.
Die Szene wurde per Videobeweis überprüft, einen Elfmeter gab es für Deutschland nicht. Eine vertretbare Entscheidung: Die Spielerin wurde aus kürzester Nähe angeschossen. Dennoch wurden schnell Vergleiche mit 1966 laut: Damals wurde den Engländern im WM-Finale gegen Deutschland ein nicht regulärer Treffer zuerkannt. Damals traf Geoff Hurst in der Verlängerung die Unterkante der Latte, von dort aus sprang der Ball auf die Linie, überquerte sie aber nicht mit vollem Umfang.
Bundestrainerin: "Nachkarren lohnt nicht"
Nach dem verlorenen EM-Finale der Frauen glaubten nun viele User Parallelen zu dieser Entscheidung zu erkennen und witterten Betrug. Auch die "Bild"-Zeitung titelte online: "Wieder Wembley-Betrug". Eine Diskussion, auf die auch ARD-Reporter Claus Lufen mit einstieg: Wer sprach die Szene in der Halbzeitpause an und brachte nach dem Abpfiff Wembley 1966 ins Spiel.
Im Gespräch mit Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg diskutierte er die Szene und spielte sie ihr vor. Die räumte zwar ein, dass dies eigentlich ein klarer Elfmeter sei, lehnte es aber ab, dies als Grund für die Niederlage zu sehen: "Es nutzt ja nichts, irgendwas nachzukarren", sagte die Teamchefin. Sie wolle aber nicht auf einer Situation herumreiten. Es habe eben nicht gereicht für den Titel.
Damit bewies Voss-Tecklenburg in der Stunde der bitteren Niederlage mehr Größe als viele Fans in den sozialen Medien.