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Zwischenbilanz: Wie Sat.1 das "Promi Big Brother" vermasselt

Eigentlich war die Ausgangsbasis ideal: ein bewährtes Erfolgsrezept, Prominente und viel Medienspektakel. Doch "Promi Big Brother" kommt beim Publikum nicht an - weil Sat.1 fast alles falsch macht.

Von Carsten Heidböhmer

Welcher Fluch von welcher alten runzeligen Medienhexe lastet auf Sat.1, dass sie bis zum Ende ihrer Tage dazu verdammt sind, alles, aber auch wirklich alles, was sie in die Hände nehmen, mit Karacho und Köpper in die Scheiße zu reiten?" Mit diesen drastischen Worten beschrieb der Komiker und TV-Kritiker Oliver Kalkofe auf seiner Facebook-Seite den Auftakt von ""Promi Big Brother". Aus seiner Sicht macht Sat.1 hier alles falsch. Dabei ist die Sendung eine Mischung aus zwei etablierten Erfolgsformaten: Das "Dschungelcamp", seit Jahren der Quotenknüller bei RTL, und die RTL2-Show "Big Brother", die 2000 eine Fernsehrevolution anzettelte.

"Promi Big Brother" ist eigentlich die perfekte Schnittmenge aus diesen beiden Sendungen: Anstelle tätowierter und silikongefüllter Vollprolls ziehen hier die gleichen Typen in den Container - nur mit einem gewissen Promi-Grad. Wie beim "Dschungelcamp" kann man die Stars für zwei Wochen einpferchen, bis der Lagerkoller kommt - und schon hat man feinste Unterhaltung. Der große Vorteil für Sat.1: Weil man die Promis mitsamt dem Technik-Stab nicht für teures Geld ans andere Ende der Welt karren muss - wie bei der RTL-Show -, ist das Format relativ günstig.

Pocher und Cindy harmonieren nicht

Doch erstaunlicherweise kommt das todsichere Konzept nicht an: Nach einem anfänglichen Quotenhoch ist das Format beim Publikum brutal abgestürzt. Wollten die Auftaktsendung noch 3,21 Millionen Zuschauer sehen, ging es seither stetig bergab, am Mittwoch war der vorläufige Tiefpunkt mit nur noch 1,34 Millionen Menschen erreicht. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen fiel der Marktanteil von 22,3 Prozent auf 8,9 Prozent am Mittwoch. Auch wenn sich die Quote am Donnerstag leicht erholte und nun wieder leicht über dem Senderschnitt liegt: Die Werte bleiben enttäuschend. Vor allem wenn man das mediale Trommelfeuer bedenkt, mit dem die Boulevardpresse und andere Medien die Show begleiten. Fast täglich ist eine Meldung über "Promi Big Brother" auf der Titelseite der "Bild"-Zeitung. Und trotzdem schafft es die Sendung - anders als das "Dschungelcamp" - nicht zum Gesprächsthema.

Die Gründe für das Scheitern des Formats sind vielfältig. Zuallererst wären hier die Moderatoren zu nennen. Während das "Dschungelcamp" von dem perfekten Zusammenspiel von Sonja Zietlow und Dirk Bach lebte, für den mit Daniel Hartwich ein guter Ersatz gefunden werden konnte, harmoniert das Duo Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn überhaupt nicht. Hier werden zwischen den Moderatoren keine Bälle hin und her gespielt, keine Gags weiterentwickelt. Es wirkt noch nicht einmal so, als könnten sie eine gemeinsame Ebene finden. Während Cindy immer ein wenig zu nett sein will, sind Pochers Gags zu vorhersehbar und abgedroschen. Daran sieht man, wie wichtig gute Gagschreiber sind. Beim Dschungelcamp sorgen Sonja Zietlows Ehemann Jens Oliver Haas und Micky Beisenherz für die nötige Portion Boshaftigkeit. Vor allem aber bringen sie eine andere Ebene mit ein. Ihr Humor kann sich über die Show erheben, ist reflektiert und intelligent - das ist Neuland für Pocher und Cindy aus Marzahn.

Die gute Nachricht: Qualität entscheidet

Der Kardinalfehler liegt aber im Konzept von "Promi Big Brother". Der Reiz beim "Dschungelcamp" darin besteht, die teilnehmenden Luxusgeschöpfe aus ihrer natürlichen Umgebung in eine komplett fremdes Terrain zu verpflanzen und zu schauen, was passiert. Bei "Promi Big Brother" verhält es sich anders: Dass kaum noch gebuchte Ex-Berühmtheiten den lieben langen Tag in einem protzig-hässlichen Haus abhängen - das stellt man sich genauso vor. Warum muss man sich das dann noch angucken?

Und so liegt in dem Scheitern von "Promi Big Brother" auch eine gute Nachricht. Ob Fernsehunterhaltung funktioniert oder nicht - das hängt nicht mit der Anzahl der "Bild"-Schlagzeilen oder der Prominenz der Teilnehmer zusammen. Sondern der Qualität des Programms. Ist das Konzept stimmig, sind die Moderationstexte witzig und intelligent, dann schalten die Zuschauer auch ein. Nächsten Januar wieder - dann läuft die nächste Ausgabe des "Dschungelcamps".