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Andrew Getty tot im Bad gefunden: Die Gettys - der traurigste Milliardärs-Clan der Welt

Kokain, Waffen und ein mysteriöser Tod mit 47. Die Tragödie von Andrew Getty ist nicht die erste in der Milliardärsfamilie. Hier die traurige Chronik einer unermesslich reichen Familie.

Von Lisa-Marie Eckardt

Von Andrew Getty gibt es kaum Fotos. Unklar ist, wann genau diese Aufnahme gemacht wurde.

Von Andrew Getty gibt es kaum Fotos. Unklar ist, wann genau diese Aufnahme gemacht wurde.

Sein Körper lag blutbeschmiert und halbnackt im Badezimmer. Andrew Getty wurde am Dienstag tot in seiner Villa in den Hollywood Hills in Los Angeles aufgefunden. Eine Nachbarschaft, in der die Reichen und Mächtigen wohnen. Die Tragödie des Milliardenerbens ist nicht die erste in der Familie Getty.

Andrew Gettys Familie steht für unvorstellbaren Reichtum - aber auch für unsägliches Leid. Er war der Enkel von Jean Paul Getty, dem einst reichsten Mann der Welt. Der mysteriöse Tod des 47-jährigen Getty-Oil-Erben öffnet ein weiteres Kapitel in der tragischen Geschichte der Familie, die trotz ihres riesigen Vermögens vom Unglück verfolgt scheint.

Der Fluch der Gettys

Am Anfang dieser Familiensaga steht Jean Paul Getty: Der Familienpatriarch war bekannt als verbitterter Menschenfeind und Geizhals, der vergeblich versuchte, sein Vermögen davor zu schützen, von den Erben geplündert zu werden.

Das Geld brachte auch seinen Kindern und Enkeln kein Glück: Eine Reihe von Gettys starb an einer Überdosis Drogen. Ein weiterer Enkel, John Paul Getty III, wurde Opfer einer Entführung, von der er sich niemals erholte. Weitere Mitglieder der zerrütteten Familie wurden - auch wegen ihres Geldes - in jahrzehntelange Rechtsstreits und Scheidungsprozesse verwickelt.

Drogen und Streit mit der Freundin

Mit dem mysteriösen Tod von Andrew Getty kommt eine neue Tragödie hinzu. Andrew Gettys Leiche habe eine Verletzung wie von einem heftigen Schlag aufgewiesen, hieß es kurz nach seinem Tod in den Medien. Unklar war aber, ob sie von einem Sturz herrührte. "Es scheint sich nicht um ein Verbrechen zu handeln", zitierte die "Los Angeles Times" einen Polizeisprecher. Laut dem Klatschportal tmz.com litt Getty unter Magenproblemen.

Entdeckt wurde die Leiche von der Ex-Freundin des Toten, Lanessa DeJonge. Die 32-Jährige habe den Notdienst gerufen, berichten US-Medien. Auf amerikanischen Websites ist zudem unter Berufung auf Ermittlerkreise zu lesen, dass die Polizei in der Vergangenheit insgesamt 31 Mal zu dem Haus gerufen wurde - meist wegen häuslicher Ruhestörung.

Lanessa und Andrew hätten hierbei regelmäßig unter dem Einfluss von Drogen gestanden. TMZ zufolge erwirkte Andrew Getty erst kürzlich eine einstweilige Verfügung gegen seine Ex-Freundin. Seine Begründung: Er leide unter ernsthaften Gesundheitsproblemen. und sein Arzt habe ihn gewarnt, durch heftigen Streit könnte sein Blutdruck extrem ansteigen und ihn in ernsthafte Gefahr bringen. Sie sage hingegen, sie habe ihn zu überreden versucht, zum Arzt zu gehen.

Inzwischen gehen Ermittler laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP davon aus, dass Andrew Getty eines natürliches Todes starb. Es könne aber Monate dauern, bis die exakte Todesursache festgestellt ist.

Die Tragödien der Getty-Kinder

Andrew war der zweitälteste Sohn von Gordon Getty. Dieser war zwar "nur" der vierte Sohn von Familienpatriarch Jean Paul Getty. Dennoch übernahm Gordon den Vier-Milliarden-Dollar-Nachlass, als sein Vater 1976 starb.

Und woher kommt das Familienvermögen? Jean Paul Getty wurde zum reichsten Mann der Welt, nachdem er 1953 im Nahen Osten auf Öl gestoßen war. Er heiratete fünf Mal und bekam sechs Kinder. Sein Sohn Tammy starb mit 12 Jahren an einem Gehirntumor. Sein ältester Sohn, George, starb an einer Überdosis Tabletten. Sein dritter Sohn, John Paul Junior, war ein drogenabhängiger Hippie. Als dessen Frau, die Schauspielerin Talitha Pol, an einer Überdosis Heroin starb, drehte Jean Paul Getty seinen Nachkommen den Geldhahn zu.

Eine folgenreiche Entscheidung, wie sich herausstellte, als John Paul Juniors Sohn, John Paul III, in Rom von der Mafia entführt wurde. Als die Entführer 17 Millionen Dollar Lösegeld forderten, weigerte sich der Großvater zunächst, zu zahlen. "Ich habe 14 Enkelkinder", sagte er zu einem Reporter. "Wenn ich Lösegeld zahle, werde ich 14 gekidnappte Enkelkinder haben." Erst als ihm ein Ohr seines Enkels mit der Post geschickt wurde, gab er nach - und die Geisel wurde freigelassen.

Das Entführungsopfer John Paul Getty III versuchte, sein Trauma mit Drogen zu verdrängen, bis er 1981 im Alter von 24 Jahren durch einen Drogencocktail aus Valium, Methadon und Alkohol einen Schlaganfall erlitt. Seitdem war er gelähmt und fast blind. 2011 starb er im Alter von 54 Jahren.

Kokain, Prostituierte und Waffen

Die Familie von Andrew Getty galt lange Zeit als das unscheinbare Gegenteil. Nachdem sein Vater Gordon das Erbe übernahm, verkaufte er Getty Oil Mitte der 80er Jahre an Texaco für 10 Milliarden Dollar. Er lebte zurückgezogen in San Francisco und ging seiner Leidenschaft nach: dem Komponieren von klassischer Musik. Doch 1999 kam auch er in die Schlagzeilen der Boulevardpresse, als plötzlich ans Licht kam, dass Gordon Getty ein Doppelleben mit einer zweiten Familie führte. Durch eine Klage seiner drei heimlichen Kinder wurde die Geschichte öffentlich. Andrews Mutter wusste seit zwei Jahren davon.

Andrew Getty, der sich mit wenig Erfolg als Regisseur versuchte, musste 2003 vor Gericht, als seine Film-Assistentin Ingrid Jacobs ihn verklagte. Er soll der "Daily Mail" zufolge Rechnungen nicht bezahlt haben - für einen Horrorfilm, der in dem Haus gedreht wurde, in dem er nun starb. Vor Gericht hieß es, Getty habe Kokain genommen, viel Geld für Prostituierte ausgegeben. Er trage eine Waffe und habe ein ganzes Arsenal an Waffen in seinem Haus.

"Wir alle lebten in Angst vor seinen dunklen und gewalttätigen Stimmungen", sagte Jacobs laut Bericht. Eine Regieassistentin beschrieb ihn als ein" verwöhntes reiches Kind, das weder sein eigenes Leben noch das seiner Mitmenschen wertschätzt".

Mit Andrew Gettys tragischem Tod zeigt sich erneut, wie das Geld der Familie Getty nicht nur Luxus brachte - sondern auch unendlich viel Leid.