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Neue TV-Serie "The Royals": Eine Art Kardashian im Königspalast

Eine matriarchalische Königin, die ihre sexlüsterne Brut unter Kontrolle bringen will - so der Plot der neuen US-Serie "The Royals". Klingt wie intelligente Satire, driftet aber ins Lächerliche ab.

Von Andreas Renner, Los Angeles

Liz Hurley spielt in der Serie "The Royals" die Hauptrolle der Königin Helena

Liz Hurley spielt in der Serie "The Royals" die Hauptrolle der Königin Helena

So sprach die Königin von England: "Die Vagina meiner Tochter war diese Woche auf den Titelseiten von vier Klatschblättern zu sehen, mein ältester Sohn wurde getötet, mein Ehemann möchte die Monarchie abschaffen und sein Diener hätte um ein Haar meine Möse gesehen." Klingt nach einem ganz normalen Alltag im königlichen Palast zu England. So sieht es zumindest Mark Schwahn ("One Tree Hill"), der Schöpfer der neuen Serie "The Royals", die er für den Sender "E!" produzierte. Jenem Kanal, der aus einer bedingt talentierten Chaoten-Familie namens Kardashian ein Phänomen der modernen Popkultur machte.

Am Sonntag lief nun die erste Folge der seit Wochen stark beworbenen Serie "The Royals" im amerikanischen Fernsehen - mit Liz Hurley in der Hauptrolle als matriarchalische Königin Helena, die mit ihrer Geltungssucht dem eigentlichen König permanent die Show stiehlt und ihre partyfreudige und sexlüsterne Brut unter Kontrolle zu bringen versucht. Die Umgangssprache der fiktiven Königsfamilie, die in weiten Teilen aber tatsächlich an einzelne Mitglieder der Royals im Buckingham-Palast erinnert, würde der echten Queen wohl die Schamröte ins Gesicht treiben oder sie gleich geradewegs in die Ohnmacht schicken. Die Monarchin wäre wohl auch kaum "amused", wenn die Enkelin auf dem Thron lümmelnd genüsslich einen Joint raucht. In "The Royals" ist das ganz normale Palast-Moral.

"Wir wollen ja nicht die echten Royals kopieren, unsere Serie ist eine Komödie, eine Art Satire”, sagt Liz Hurley über die teils sehr überzogenen Verhaltensformen der TV-Monarchen. Das wäre eigentlich eine spannende Idee gewesen: eine Satire über die englische Königsfamilie, angehaucht mit einer guten Portion des schwarzen Humors, für den die Engländer bekannt sind. Doch diese Chance haben die Macher von "The Royals" verpasst. Stattdessen kreierten sie eine ziemlich dumpfe Seifenoper ohne Suchtfaktor.

Mischung aus "Gossip Girl" und "Denver Clan"

Obwohl man sich redlich bemühte, alle Faktoren zu integrieren, die schon bei den "Kardashians" funktionierten: Sex, Drama, Glamour, Intrigen, Drogen und Betrug. Man wollte offenbar eine Mischung aus "Gossip Girl" und "Denver Clan" schaffen. Das Leben der Reichen, Mächtigen und Schönen unter die Lupe und auf die Schippe nehmen. Das englische Königshaus als eine Art Mutterschiff aller Königshäuser bietet ja auch ohne Frage reichlich Ansätze für eine humorvolle Betrachtung dessen, was die Könige und Königinnen, die Prinzen und Prinzessinnen so alles treiben während ihres royalen Alltags. Teilweise greift "The Royals" das auch vielversprechend auf, driftet dann aber schnell ab auf wenig geistreiches "Kardashian"-Niveau. Schade eigentlich. Vielleicht wird die Sache ja spannender, wenn Joan Collins, bekannt als die ultimative Intrigen-Expertin aus der 80er-Kultserie "Denver Clan", in einer der nächsten Folgen als Mutter von Königin Helena eingeführt wird.

Die Macher der Serie scheinen sich jedenfalls keine zu großen Sorgen zu machen um die Akzeptanz beim Zuschauer. Selbstbewusst gab man grünes Licht für eine zweite Staffel noch bevor die erste Folge überhaupt ausgestrahlt wurde. Ob sich tatsächlich genügend Fans finden, die sich jeden Sonntag vom pseudo-monarchischen Stuss in "The Royals" berieseln lassen wollen, bleibt abzuwarten. Aber hey, auf die Kardashians gab anfangs auch kaum jemand einen Pfifferling.