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Abhöraffäre in Großbritannien: Reporter sollen Promi-Handys angezapft haben

Großbritannien steuert auf den nächsten Skandal zu: Laut "The Guardian" sollen Reporter des Boulevardblattes "News of the World" im großen Stil Handys von Prominenten angezapft haben. Zu den Opfern gehören demnach auch Jude Law und Gwyneth Paltrow. Besonders brisant: Offenbar wusste Scotland Yard darüber Bescheid, ohne etwas unternommen zu haben.

Journalisten einer britischen Boulevardzeitung sollen im großen Stil Handys von Prominenten aus Politik und Showgeschäft angezapft haben, berichtet die Zeitung "The Guardian" am Donnerstag. Reporter der Sonntagszeitung "News of the World" haben sich demnach in Mailboxen von Mobiltelefonen eingehackt, um aus den Sprachnachrichten vertrauliche Informationen für ihre Geschichten zu ziehen. Möglicherweise gelangten die Reporter an die Informationen, weil die Prominenten die voreingestellten Geheimnummern zum Abhören der Mobilboxen nicht geändert hatten. Der Verlag soll die illegalen Aktionen mit viel Geld vertuscht haben und Scotland Yard trotz Hinweisen zum Ausmaß des Skandals untätig geblieben sein.

Die Journalisten sollen sich in die Mailboxen von bis zu 3000 Prominenten eingehackt haben. Und deren Liste liest sich illuster: vom Vize-Premierminister John Prescott über das Supermodel Elle MacPherson, vom heutigen Londoner Bürgermeister Boris Johnson zu Schauspielerin Gwyneth Paltrow, von Sänger George Michael bis zur mittlerweile gestorbenen Big-Brother-Berühmtheit Jade Goody. Der "Guardian" bezieht sich auf einen Informanten bei Scotland Yard. Ein Verlagssprecher wollte sich zunächst nicht äußern, Scotland Yard leitete eine interne Prüfung ein. Nach der Spesenaffäre von Politikern scheint das Königreich einen neuen Skandal zu haben.

Unangenehme Fragen muss sich nicht nur die Zeitung gefallen lassen: Besonders brisant ist nach Darstellung des "Guardian" die Rolle der Ermittler: Demnach wusste Scotland Yard vom Ausmaß der illegalen Methoden, habe aber dennoch nichts unternommen. Der Verlag "News Group Newspapers" des Medienmoguls Rupert Murdoch soll einigen Betroffenen zur Entschädigung insgesamt eine Million Pfund gezahlt haben, um die Fälle beizulegen und die Machenschaften geheim zu halten, wie der "Guardian" weiter berichtet.

Auch Camerons Sprecher gerät unter Druck

Und auch der Sprecher von Oppositionschef David Cameron, Andy Coulson, gerät unter Druck. Er war während der Hacker-Fälle im Jahr 2006 verantwortlicher Redakteur bei "News of the World". Er trat zurück, als im Januar 2007 ein Journalist der Zeitung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, weil er sich in die Handys dreier Mitarbeiter des Königshauses eingehackt hatte. Damals hatte der Verlag allerdings noch von einem Einzelfall gesprochen und den Journalisten als "Schwarzes Schaf" dargestellt.

Der frühere stellvertretende Premierminister Prescott zeigte sich fassungslos: "Ich finde es erschütternd, dass die Polizei von einer Liste von Leuten gewusst haben könnte, deren Telefone angezapft wurden. Ich soll einer davon sein. Dass ich über ein solches Verbrechen nicht informiert und gegen die Verantwortlichen nicht weiter vorgegangen wurde, wirft ein sehr schlechtes Licht auf die Polizei. Ich möchte darauf eine Antwort."

Thomas Pfaffe, DPA / DPA