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Alice Schwarzer Deutschlands Über-Feministin feiert 70. Geburtstag


Ihre Äußerungen sind umstritten und polemisch - doch Alice Schwarzers Verdienste um die Gleichberechtigung sind anerkannt. Heute wird Deutschlands bekannteste Frauenrechtlerin 70 Jahre alt.

Die bekannteste deutsche Frauenrechtlerin Alice Schwarzer ist am Montag 70 Jahre alt geworden. Die Journalistin und Autorin kämpft seit fast fünf Jahrzehnten für die Gleichberechtigung der Frauen. Sie ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, darunter 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz.

Schwarzer selbt sieht sich als eine wissensdurstige, lebenslustige Frau, die gern feiert, viele Freunde hat. So beschreibt sich die gebürtige Wuppertalerin in ihrer Autobiografie "Lebenslauf" (2011). Darin gibt sie erstmals auch Einblicke in ihr Privatleben. Sie hat Männer und Frauen geliebt, ist seit Jahren liiert mit einer namentlich nicht genannten Frau. Sie sei tolerant und auch verletzlich, sagt Schwarzer über Schwarzer in Interviews. Viele beschreiben sie als charmant, eloquent. Auch in Talkrunden oder Vorträgen überzeugt sie so manchen mit scharfem Verstand und scharfer Zunge.

Es gibt aber auch das andere, wenig schmeichelhafte Bild: Schwarzer als autoritäre Figur, besserwisserisch, machtbesessen - ein weiblicher Macho. Zu ihren Kritikern gehören die frühere "taz"-Chefredakteurin Bascha Mika oder auch die Journalistin Lisa Ortgies, die im Jahr 2008 kurz als "Emma"-Chefredakteurin amtierte, dann aber schnell wieder den Posten räumte. Viele junge Autorinnen wie Charlotte Roche oder Forscherinnen halten Schwarzers Themen für nicht mehr aktuell, manche meinen, es sei Zeit abzutreten. Historikerin Miriam Gebhardt schreibt in "Alice im Niemandsland" (2012), Schwarzer sei ideologisch unbeweglich und verbreite wie eine Matriarchin immer dieselben "Wahrheiten".

Schwarzer will weitermachen

Schwarzer entgegnet: "Mit meiner Realität haben diese Klischees wenig zu tun." Viele Themen, die sie führend vorangetrieben habe, "lagen und liegen international in der Luft", betont die "Emma"-Macherin. Der Einsatz für das Recht auf Abtreibung gehört dazu, auch der lange Kampf gegen Pornografie. "So manches Mal war "Emma" aber auch weltweit eine der ersten, die das Tabu brach", sagt Schwarzer. Das gelte für die Aufklärung über Genital-Verstümmelung und sexuellen Missbrauch schon in den 70er Jahren oder auch die Forderung nach einer Homoehe und einer Väterzeit ab den 80er Jahren. Und: "Mit der Aufklärung über die Gefahren des fundamentalistischen Islam ab 1979 standen wir über 20 Jahre in der westlichen Welt quasi allein da."

Geschadet haben ihrem Ansehen zwei Engagements für die "Bild". Bis Mai 2011 hatte sie aus dem Vergewaltigungsprozess gegen Wettermoderator Jörg Kachelmann berichtet, der mit einem Freispruch endete. Zuvor hatte sich die Feministin für eine Imagekampagne der "Bild" zur Verfügung gestellt, die sie zuvor stets als frauenverachtend attackiert hatte.

Aber auch mit 70 Jahren denkt Schwarzer nicht ans Aufhören. Widerstand und Engagement all die Jahre hätten sich gelohnt. Schwarzer bliebt aber umstritten. Den zweiten Teil ihrer Autobiografie will sie schreiben, "Emma" weiter steuern, Vorträge und Lesungen stehen an. Wie sagte sie jüngst? "Ich werde denken, schreiben und handeln, so lange ich lebe."

fle/DPA DPA

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