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Ausstellung in London: Eklat um Nacktfoto von junger Brooke Shields

Eine provokative Fotografie, auf der die damals zehnjährige Schauspielerin Brooke Shields nackt zu sehen ist, sorgt in England für eine heftige Kontroverse.

Sie ist zehn Jahre alt, wie eine Erwachsene geschminkt und nackt: Ein Aktfoto von US-Schauspielerin Brooke Shields als Kind hat einen Eklat provoziert. Eines der renommiertesten Museen der Welt, die Tate Modern in London, hat das Bild noch vor der Ausstellungseröffnung am Donnerstag entfernt. Der Grund: Die Polizei war eingeschritten. Diese befürchtete, dass es sich um Kinderpornografie handelt und die Besucher verstören könnte. Kritiker warfen der Tate vor, mit dem Wirbel um das umstrittene Bild einzig Besucher anlocken zu wollen.

Eigentlich sollte das kontroverse Foto mit dem Titel "Spiritual America" in einem Sonderraum zur Ausstellung "Pop Life: Art In A Material World" gezeigt werden. Auf der Tür sollte ein Warnhinweis stehen, dass das Werk möglicherweise "schwierig" sei. Doch der Raum wurde nun bis auf weiteres geschlossen, der Katalog vorerst zurückgezogen. Man wolle verhindern, dass das Museum "unabsichtlich" das Gesetz breche, erklärte ein Sprecher von Scotland Yard. Nach Medienangaben sollte die Staatsanwaltschaft prüfen, ob es sich um die unerlaubte Veröffentlichung obszöner Bilder handelt.

Nackt vor der Badewanne

Das Bild stammt von dem Künstler Richard Prince aus dem Jahr 1983. Es zeigt Shields mit zehn Jahren nackt vor einer Badewanne stehend und eingeölt. Ihr stark geschminktes Gesicht steht im Kontrast zu dem Kinderkörper. Prince hatte das Bild wiederum von einem anderen Foto abfotografiert. Dieses stammte von dem US-Fotografen Gary Gross, der das Bild in den 70er Jahren mit der Einwilligung von Shields Mutter schoss. Diese wollte ihre Tochter damit angeblich berühmt machen. Brooke Shields hatte später versucht, die Rechte an dem Bild zu bekommen. Jedoch vergeblich.

Shields, die heute 44 Jahre ist, wurde schon in jungen Jahren vor die Kamera gezerrt. Im Alter von zwölf Jahren spielte sie eine junge Prostituierten in dem Streifen "Pretty Baby". Bekannt wurde sie aber dann als erotischer Teenie-Star in "Die blaue Lagune".

Bild als Köder und Missbrauch

Kinderschützer kritisierten die Tate Modern dafür, das Bild "als Köder" zu benutzen. "Wenn man mit einem Bild von einem nackten Kind Besucher anziehen will, dann missbraucht man das Kind", sagte Michele Elliott von der Kinderschutzvereinigung Kidscape. Außerdem könnte die Ausstellung so Pädophile anziehen.

Die Tate Modern, eines der bekanntesten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst, hatte das Bild explizit angekündigt. Vor der Ausstellung habe man extra Rechtsberatung gesucht, hieß es in einer Mitteilung. Co-Kurator Jack Bankowsky hatte betont, er hoffe, dass die Diskussion um das Nacktbild nicht die Ausstellung überschatte - wohl wissend, dass die Debatte dadurch erst ins Rollen gebracht würde.

In der "Pop Life"-Ausstellung über Kunst und Kommerz sind aber auch ohne das Nacktbild von Brooke Shields provokante Werke zu sehen, so zum Beispiel Kunstwerke mit expliziten Sex-Szenen oder pornografischem Material. Ein Raum ist so Jeff Koons’ Werk "Made In Heaven" gewidmet. Dieses zeigt den US-Künstler mit dem Pornostar La Cicciolina.

Von Annette Reuther/DPA / DPA