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Bärbel Schäfer-Interview: "Flucht nützt nichts"

Wie hat sie die Affäre um ihren Lebensgefährten Michel Friedman überstanden? Ein Gespräch mit der Moderatorin Bärbel Schäfer über schwere Stunden und klare Worte, Trauerarbeit und Entspannungsübungen.

Frau Schäfer, hat sich Ihr Leben nach dem turbulenten Sommer wieder entspannt?

Ja. Sehe ich etwa nicht danach aus?

Doch, durchaus. Sie gehen demnächst mit "Wellness TV" auf Sendung, und Ihr Lebensgefährte Michel Friedman sagte kürzlich, sie beide wären nach der Affäre um Kokain und Prostituierte nun "glücklicher denn je". Ende gut, alles gut?

Vor diesem ganzen Rummel hatten wir sicher leichtere Zeiten - aber nun haben wir glücklichere. So eine Katastrophe ist ein Scheidepunkt für jede Beziehung. Wenn man dann sagt, jetzt mal alle Karten auf den Tisch - wo wollen wir hin mit unserem gemeinsamen Leben? Und dann wirklich jeder Klartext redet, gibt das eine zusätzliche Nähe.

Und, wo soll es hingehen mit Ihrem gemeinsamen Leben?

Jetzt wollen Sie über Heiratspläne sprechen, was? Aber da halte ich mich bedeckt. Es ist alles noch frisch, es muss sich im Laufe der Monate zeigen, wie solche Wunden heilen.

Herr Friedman sagte auch, er habe im Juni vom Selbstmord bis zum Auswandern nach Brasilien alles erwogen - mussten Sie stark für zwei sein?

Davon habe ich nichts gehört. Außerdem: Flucht nützt nichts - man hätte den ganzen Ballast mitgeschleppt. Da räume ich lieber zu Hause auf.

Sie zeichneten gerade eine Sendung für Unicef auf, als Sie von der Affäre erfuhren. Wer war für Sie da?

Ich bin jemand, der sich in Krisen immer erst zurückzieht, um zu überlegen: Was willst du? Es gibt ein Netzwerk aus engen Freunden und meiner Familie, aber es nützte nichts, mir bei jemand anderem die Augen auszuheulen. Ich hatte Fragen und wollte Antworten. Und deshalb hat mir vor allem der Blick in die Augen geholfen, das direkte Gespräch mit Michel: Was ist passiert? Was ist wahr von all dem, was berichtet wurde?

Wie genau wollten Sie das wissen?

Sehr genau - auch wenn es für mich schmerzhaft war. Schließlich habe ich von alldem nichts gewusst. Was ist denn, wenn ich tatsächlich Zeichen, die es eventuell gegeben hat, übersehen habe? Wenn er sich geäußert hat und ich es überhört habe? Natürlich habe ich auch mich infrage gestellt.

Bei seiner öffentlichen Entschuldigung argumentierte Herr Friedman mit einer Lebenskrise...

...über die ich nicht reden möchte. Ich habe klare Antworten bekommen über Umfang und Zeitraum - nämlich einen kleinen, sehr begrenzten. Und dann habe ich mich relativ schnell entschieden, ihm noch eine Chance zu geben. Und mir sehr viel Zeit für ihn genommen.

Aber jede normale Frau fragt sich: Wie, bitte, kann sie ihm das verzeihen?

Ich hatte einfach den Blick der Liebe. Wenn man weiß, dass man zusammenbleiben will, übersteht man so eine Situation.

Und Sie sitzen jetzt nicht hier in Köln und fragen sich, was treibt der da in Frankfurt oder Berlin, wenn nur die Mailbox anspringt?

Nein, ich bin ziemlich gelassen. Ich habe mich entschieden zu vertrauen. Natürlich kennt jeder von uns Eifersucht, aber ich gucke nicht nervös auf die Uhr oder drehe mein Handy zehnmal um, weil der Anrufbeantworter angeht. Dafür bin ich nicht der Typ.

Herr Friedman hat wegen illegalen Kokainbesitzes in zehn Fällen eine Geldstrafe von 17400 Euro zahlen müssen und gilt als vorbestraft.

Ich halte Drogenkonsum für einen Fehler. Ich habe noch nie Drogen genommen. Meine Droge ist das Leben.

Mitte November beginnt nun in Berlin der Prozess gegen die drei Beschuldigten des ukrainisch-polnischen Frauenhändlerrings.

Michel hat mit diesem Prozess nichts zu tun. Und zu Einzelheiten kann ich mich ohnehin nicht äußern.

Vor fünf Jahren starb Ihr Lebensgefährte, der Fotograf Kay Degenhard, bei einem Autounfall. Hat Sie diese Erfahrung abgehärtet - weil Sie wissen, dass es schlimmere Dinge gibt, als einen Freund zu haben, der Prostituierte empfängt und kokst?

Sagen wir mal so: Seitdem weiß ich, dass im Leben wirklich nichts sicher ist. Aber das muss man sich immer vor Augen halten: Das geht vielen Menschen so. Es ist für jeden das Allerschlimmste, jemanden zu verlieren, mit dem man die Zukunft geplant hat - von einer Sekunde auf die andere. Und nach dieser extremen Erfahrung war ich total fasziniert, dass ich mich noch einmal so verlieben konnte und jemandem begegnet bin, der so eine Herausforderung, der so spannend, so humorvoll und so sensibel ist wie Michel.

Wie haben Sie damals die Trauer um Kay Degenhard bewältigt?

Erst durch drei Wochen intensives Zurückziehen und dann durch ganz viel Arbeit - wir haben Specials im Ausland gedreht wie "Bärbel goes to Hollywood". Aber das war zu früh, die Trauer setzte ein halbes Jahr später wieder richtig intensiv ein; eigentlich ist sie bis heute nicht vorbei. Es gibt immer wieder Momente, Gerüche, Bewegungen, die einen erinnern. Es hilft nur der Blick nach vorn. Sich zu sagen, irgendwo gibt es auch wieder Licht. Bei mir ist die Grundhaltung, Gott sei Dank, positiv.

Woher rührt Ihr Optimismus?

Keine Ahnung, ich war schon immer so. Vielleicht habe ich das von zu Hause mitbekommen, von meiner Mom und ein paar Verwandten, die bei Familienfeiern immer lustige Reden geschwungen haben.

Sie haben sieben Jahre lang in Ihrer täglichen Talkshow am Nachmittag Themen wie "Dein Busen haut mich um" abgehandelt. Haben Sie sich nie gefragt: "Was mache ich hier, was reden die?"

Nein. Ich finde, das ist ein arroganter Blick von oben. Sicher war es richtig, damit aufzuhören, weil ich mich irgendwann fragte: Macht dir das eigentlich noch Spaß? Aber wenn ich jetzt Ausschnitte davon sehe, weiß ich auch: Das kannst du nicht verleugnen, das ist Teil deines beruflichen Lebens. Außerdem finde ich das ganz lustig: Das ist ja schon Kult mit diesen knallgrünen Jacketts und diesen skurrilen Haarschnitten.

Als Sie im Sommer mit der Samstagabend-Show "Ein roter Teppich für..." auf den Bildschirm zurückkehren wollten, ging das Theater um Ihr Privatleben los. Hatten Sie Angst um Ihr Comeback als Moderatorin?

Nein. Natürlich hätte ich mir nach über einem Jahr Abstinenz vom Bildschirm gewünscht, in Ruhe wieder aufzutauchen - und nicht so laut und chaotisch und überzogen. Aber solche Dinge kann man im Leben nicht planen. Und sowohl die ARD als auch der WDR haben super reagiert: Natürlich machen wir das mit dir!

Keine Sippenhaft?

Nein, warum auch?

Weil das Leben ungerecht ist? Bei einem Jörg Immendorff beispielsweise werden Kokain und Prostituierte erst mal als Exzentrik eines Künstlers abgetan.

Für mich hat immer gegolten: Das Leben ist so gerecht, wie man es sich recht macht. Aber ich finde es schon schade, wenn jemand, der für Demokratie und Freiheit spricht, fertig gemacht wird. Bei Michel zählten seine beruflichen Leistungen überhaupt nicht mehr. Dabei hat er niemandem vorgeschrieben, wie er privat zu leben hat.

Ihr Lebensgefährte ist dieser Tage wieder in verschiedenen Talkshows zu sehen. Man hört, er wolle gern selbst wieder moderieren.

Danach müssen Sie ihn fragen. Ich kann nur sagen, dass diese Farbe in den politischen Reihen abends fehlt: den Politikern mit ihren Floskeln auf den Zahn zu fühlen und nicht locker zu lassen, bis doch mal etwas anderes kommt als die Standardantwort.

Sie laden bei "Wellness TV" Prominente ein, die Tipps zur Entspannung geben sollen. Wäre Herr Friedman ein Gast für Sie?

Ich finde es etwas abwegig, den eigenen Partner in die Sendung einzuladen. Ich weiß doch, wie er sich entspannt: Er liest gerne und schläft.

Und wie entspannen Sie sich?

Indem ich den Kalender beiseite lege, mir einen freien Tag gönne, ausschlafe, lese - man kann nicht immer nur mit Tempo 180 durchs Leben laufen. Aber Wellness ist für mich auch, wenn meine Mutter Sauerkraut mit Kassler macht oder einen schönen Gänsebraten zu Weihnachten. Und zur Vorbereitung für die Sendung habe ich mich das erste Mal in einem Fitnessstudio angemeldet. Und jetzt mache ich zu super Power-Musik irgendwelche Tae-Bo- und Kick-Bo-Kurse mit...

...was ist das denn?

Den Unterschied habe auch ich noch nicht ganz verstanden, aber zu Ihrer Erklärung: Das sind alles asiatische Boxsportarten. Eine Mischung eben aus Boxbewegungen - die sind ja für uns Mädels immer gut für die Oberarme und den Brustbereich -, Seilspringen und Bauch-Beine-Po-Übungen.

Zum Thema Wellness gehört Ayurveda. Haben Sie sich damit auch angefreundet?

Ich habe mal eine Kur gemacht und fand diese Synchron-Massagen sehr entspannend. Aber das war im Sommer und dieses heiße Öl? na ja, das war schon alles sehr, sehr warm. Aber man kommt ganz gereinigt und drei Kilo leichter wieder zurück in den Alltag.

Stimmt es, dass Sie einmal im Jahr in ein Kloster gehen?

Ja, auch Moderatoren müssen mal ihre Stimme schonen.

Was tun Sie da?

Den Mund halten. Das ist ein Haus der Stille. Man konzentriert sich einfach auf sich selbst - dann wird die innere Stimme sehr laut, und die äußeren Stimmen werden sehr leise. Wenn man beruflich viel redet, ist das mal ganz angenehm.

Gab es schon Anfragen von Verlagen, ob Sie - das ist ja gerade groß in Mode - Ihre Autobiografie schreiben wollen?

Gab es auch schon, aber: nein danke, kein Bedarf!

Verona Feldbusch hat ein Buch über die Entstehung ihres Sohnes San Diego verfasst. Wie wäre es mit "Der kleine Schäfer" oder "Der kleine Friedman"?

Oh Gott - jetzt noch die beliebte Kinder-Frage! Ich finde es gut, wie mittlerweile viele Kolleginnen Kind und Karriere unter einen Hut kriegen. Aber eins ist klar: So erfolgreich "Der kleine Feldbusch" auch sein mag - Köln-Nippes Schäfer würde ich mein Kind nicht nennen.

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