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Nach Schuldspruch gegen ihren Mann: "Lynchjustiz": Bill Cosbys Ehefrau bezichtigt Opfer der Lüge und rechnet mit Rechtssystem ab

Nach einem langen Prozess wurde Bill Cosby vergangene Woche von einem Gericht des sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen. Seine Ehefrau Camille sieht dahinter Rassismus und erklärt sich in einem irren Statement.

Bill Cosby Camille Cosby

Camille und Bill Cosby sind seit 54 Jahren verheiratet. 

AFP

Es war eines der Hauptargumente von Bill Cosbys Team aus Staranwälten: Rassismus. Immer wieder versuchten sie, in den Anschuldigungen gegen den berühmten Schauspieler einen rassistischen Hintergrund zu erkennen und anzuprangern. Er würde in der Öffentlichkeit anders bewertet, weil er Afroamerikaner ist, so ihr Argument.

Nun wurde Cosby von einem Gericht in drei Anklagepunkten schuldig gesprochen. Die unabhängige Jury glaubte der Anklägerin Andrea Constand, die ausgesagt hatte, Cosby hätte sie 2004 mit Drogen betäubt und sexuell missbraucht. Dem Comedian drohen bis zu 30 Jahre Haft.

Bill Cosbys Frau wittert Rassismus

Eine Woche nach dem Schuldspruch äußerte sich jetzt die Ehefrau des Schauspielers in einem Statement. Was ihrem Mann widerfahren ist, sei "Lynchjustiz, keine echte Justiz", sagt die 74-Jährige. "Diese Tragödie muss rückgängig gemacht werden - nicht nur um Bill Cosbys wegen, sondern für dieses Land."

Was erst nach den verletzten Gefühlen einer Frau klingt, die nicht wahrhaben will, dass ihr Mann womöglich für den Rest seines Lebens ins Gefängnis muss, nimmt im Laufe des Statements eine gefährliche Richtung. Denn Camille Cosby instrumentalisiert den Rassismus gegen Afroamerikaner, den es in den USA noch immer gibt, um ihren Mann zu verteidigen. Cosby fordert Ermittlungen gegen den Staatsanwalt. Sie wisse von "vielen tragischen Fällen, in denen unser Justizsystem vollkommen und routinemäßig darin versagt, Afroamerikaner gegen falsche Anschuldigungen zu beschützen".

Camille Cosbys Statement ist problematisch

Pikant: Sie vergleicht ihren 80-jährigen Ehemann mit Emmett Till, einem schwarzen Jugendlichen, der 1955 entführt und ermordet wurde, nachdem eine weiße Frau ihn beschuldigt hatte, ihr nachgepfiffen zu haben. Erst Jahre später stellte sich heraus, dass die Frau gelogen hatte. "Seit wann sagen alle Anklägerinnen die Wahrheit?", fragt Cosby in ihrem Statement suggestiv. Der Vergleich mit Till ist auf vielen Ebenen absurd.

Über 60 Frauen werfen Bill Cosby vor, sie betäubt und teilweise sexuell missbraucht zu haben. Wenn die #MeToo-Debatte etwas gebracht hat, dann die Erkenntnis, wie wichtig es ist, Frauen endlich zu glauben. Die schiere Anzahl an mutmaßlichen Opfern spricht gegen den Schauspieler. Nur aufgrund der Verjährungsfrist konnten nicht alle Frauen gegen den Entertainer Anklage erheben. Einzig die Vorwürfe von Andrea Constand konnte das Gericht berücksichtigen. Doch auch die hält Cosbys Ehefrau für eine Lügnerin, die nur auf Geld aus sei. 

Cosby darf sein Anwesen nicht verlassen

Was Camille Cosby jedoch vergisst, wenn sie allen Beteiligten Rassismus vorwirft: Unter den Dutzenden Frauen, die ihrem Mann Sexualdelikte vorwerfen, finden sich auch zahlreiche Afroamerikanerinnen. Um sich ein Bild von Bill Cosbys Charakter zu machen, hat die Jury über Andrea Constand hinaus noch fünf weitere Frauen zu Wort kommen lassen, die seine Vorgehensweise bestätigten. 

Bis zur Verkündung des Strafmaßes darf der 80-Jährige sein Anwesen in Cheltenham, Pennsylvania, nicht verlassen. Cosby und seine Anwälte haben die Gelegenheit, gegen das Urteil in Revision zu gehen.