Charlize Theron hat in einem Interview Details aus ihrer dramatischen Jugend geteilt. Die Grundzüge der Geschichte sind bekannt: 1991, als die spätere Oscar-Preisträgerin 15 Jahre alt war, erschoss ihre Mutter Gerda den alkoholkranken, gewalttätigen Vater Charles in Notwehr. In dem Gespräch mit der „New York Times“ schildert die gebürtige Südafrikanerin jetzt ausführlich, was in jener Nacht geschah. Schon jahrelang hätte sich die Stimmung in ihrem Haus so zugespitzt, bis die Situation eskalierte.
Charlize Theron hatte einen alkoholkranken Vater
Ihre Kindheit auf einer Farm nahe Benoni beschreibt die „Monster“-Darstellerin als widersprüchliche Erfahrung. Es habe dort Freiheit und Abenteuer gegeben, zugleich aber auch Elend: „Ich habe frühe Erinnerungen, schwer betrunkene Menschen zu sehen, und das machte mir Angst. Leute, die besoffen auf dem Boden herumkrochen.“ Der Vater sei ein nach außen funktionierender Alkoholiker gewesen, der sich im Haus eine eigene Bar eingerichtet hatte: „Es wurde zu dem Ort, an dem er lebte.“ Ihre Mutter habe das nicht hingenommen, woraus heftige Streits und danach wochenlanges Schweigen resultierte.
Gewalttätig, sagt Theron, sei ihr Vater ihr gegenüber nie geworden – verbale Ausbrüche, Drohungen und betrunkene Fahrten gehörten aber zum Alltag. Bereits zwei Jahre vor der Tat habe ihre Mutter von Scheidung gesprochen, in ihrem südafrikanischen Umfeld war das damals allerdings ein Tabu.
Die Horrornacht, die alles veränderte
Dann kommt die Schauspielerin auf den Tattag zu sprechen. An jenem Abend waren sie und ihre Mutter gemeinsam im Kino. Auf dem Rückweg hielten sie beim Bruder des Vaters, wo die beiden Männer bereits schwer betrunken waren. Ein Wutanfall von Charles, weil seine Tochter wortlos ins Haus zur Toilette rannte, habe die Stimmung kippen lassen. Zu Hause habe sie ihrer Mutter erstmals selbst geraten, sich zu trennen.
„Ich wusste einfach, dass etwas Schlimmes passieren würde“, erinnert sie sich an den Moment, als ihr Vater schließlich zurückkehrte. Er habe sich mit Schüssen durch die Stahltüren des Hauses Zutritt verschafft, angefeuert von seinem Bruder. „Wir wussten, dass es ernst war, und als er das erste Tor aufgebrochen hatte, lief meine Mutter zum Safe, um ihre Waffe zu holen. Sie kam in mein Schlafzimmer. Wir beide hielten die Tür mit unseren Körpern zu, weil es kein Schloss gab. Und er trat zurück und begann, durch die Tür zu schießen“, schildert Theron eindringlich.
„Ich bringe dich heute Nacht um“
Ihr Vater habe seiner Frau deutlich gemacht: „Ich bringe dich heute Nacht um“. Als er neue Munition holen wollte, sei Gerda Theron mit der Pistole den Flur gestürmt. Eine Kugel habe den Schwager an der Hand getroffen, „und dann folgte sie meinem Vater, der inzwischen den Safe öffnete, um weitere Waffen herauszuholen, und sie erschoss ihn“, so Theron. „Als ich den Schock überwunden hatte, wurde mir klar, dass sie mir das Leben gerettet hatte.“
Am Morgen danach schickte Gerda sie ganz normal zur Schule: „Wir hatten keine Therapeuten, also war in ihrem Kopf die beste Therapie: Wir müssen weitermachen.“ Bald hatte jeder von dem Vorfall gewusst, was Theron sehr beschämte. Jahrelang habe sie im Ausland deshalb vorgegeben, ihr Vater sei bei einem Autounfall gestorben, das Mitleid konnte sie aber nicht ertragen.
Abgeschlossen mit der Vergangenheit
Ein Einzelfall, betont Theron im Gespräch, sei ihre Familiengeschichte leider nicht. Niemand nehme die Situation von Frauen in Gewaltbeziehungen ernst genug; auch ihre Mutter habe damals niemand wirklich ernst genommen. „Ich denke, diese Dinge sollten angesprochen werden, weil es andere dann nicht alleine fühlen lässt“, betont sie. „Ich kannte keine Geschichte wie diese. Als uns das passierte, dachte ich, wir seien die Einzigen.“
„Ich werde von diesem Zeug nicht mehr verfolgt“, stellt Theron aber auch klar. Die Erfahrung definiert sie nicht, sie ist aber eine Erklärung für vieles in ihrem Leben. Sie will deshalb das Maximum daraus schöpfen: „Das Leben ist so wertvoll und das Leben ist so schön.“