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Keine Salutschüsse, keine Parade: Tee und TV-Shows: Wie die Queen ihren 94. Geburtstag verbringt

Die Queen wird heute 94. Jahre alt. Wegen der aktuellen Lage wird der Tag der Monarchin anders aussehen, als sie es gewöhnt ist. An ein paar Dingen hält sie jedoch unerschütterlich fest.

Queen Elizabeth II.

Queen Elizabeth II. wird in diesem Jahr 94 Jahre alt

Picture Alliance

Königin Elisabeth II. von Großbritannien geht es dieser Tage ähnlich wie vielen von uns, die einen Geburtstag oder etwas anderes feiern möchten: Es wird nichts daraus, denn weder Freunde noch Familie dürften einer Einladung folgen, wegen der Social Distancing-Bestimmungen in der aktuellen Corona Krise.

Die Queen wird 94 - und kann nicht feiern

Also müssen andere Wege her, den Anlass zu gestalten. Nun ist es im Falle der Queen dieses Jahr zwar kein runder Geburtstag: Sie wird 94, das ist aber in sich schon eine Leistung, vor allem wenn man dabei noch so gesund und aktiv ist wie sie. Wie hätte ihr Geburtstag unter normalen Umständen ausgesehen? Eigentlich auch nicht besonders aufregend, denn wie immer hätte die große Feier erst im Juni stattgefunden, zu ihrem offiziellen Geburtstag in Form der berühmten Militärparade "Trooping the Colour" in London. Der feste Termin im königlichen Kalender ist immer der zweite Samstag im Juni, doch auch die Parade ist für Juni bereits abgesagt worden, vielleicht wird sie später in diesem Jahr nachgeholt.

Aber unter normalen Umständen hätte die Jubilarin sicherlich ihre engsten Familienmitglieder im Buckingham Palast oder auf Schloss Windsor zu einem festlichen Dinner eingeladen. Das wird sie dieses Jahr nicht tun, denn schon seit der Woche vor Ostern beschränkt sie sich vorsorglich auf den Umgang mit nur vier Menschen in ihrem Umfeld, mit ihrem Mann Prinz Philip und drei vertrauten Angestellten, die das königliche Paar versorgen.

Königin Elisabeth II. gehört zur Risikogruppe

Sonst darf als Vorsichtsmaßnahme kein Mensch direkten Kontakt mit ihnen haben, denn immerhin gehören beide mit ihren weit über 90 Jahren aus Altersgründen in die Risikogruppe derjenigen, die am meisten gefährdet sind, sich mit dem Virus anzustecken und die Krankheit nicht zu überleben. Selbst die TV-Ansprache, die die Königin Anfang April auf Schloss Windsor aufzeichnen ließ, damit sie zum richtigen Zeitpunkt zur Aufmunterung der Briten gesendet werden konnte, unterlag strengen Vorsichtsmaßnahmen: Es durfte nur ein Kameramann des britischen TV-Senders BBC direkt zu ihr in den Salon, und das nur in voller Schutzkleidung und Maske. Alle anderen Beteiligten mussten im Nebenraum bleiben, alles zum Schutz der betagten Monarchin.

Der Geburtstags-Tagesablauf auf Schloss Windsor

Doch wie wird die Königin nun ihren 94. Geburtstag verbringen? Sie wird sich wie immer gegen 8:30 Uhr wecken lassen, ein kleines Frühstück mit Darjeeling Tee, Toast und Cornflakes einnehmen und um 9 Uhr dem täglichen Ständchen ihres persönlichen Dudelsackspielers Pipe Major Richard Grisdale vom Royal Regiment of Scotland unter ihrem Fenster lauschen. Nach der Morgentoilette warten wie immer auf ihrem Schreibtisch die roten Lederboxen mit Regierungsdokumenten aus den Londoner Ministerien darauf, bearbeitet zu werden.

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Seit sie im Februar 1952 ihrem Vater Georg VI. auf den Thron gefolgt ist, gibt es für Elisabeth II. nur zwei Tage im Jahr, an denen sie sich Urlaub von ihren Red Boxes gönnt: Ostersonntag und den 1. Weihnachtsfeiertag. Auch am Geburtstag wird selbstverständlich gearbeitet. Dazu gilt es täglich, eine ganze Menge laufender Korrespondenz zu erledigen. Mittags gibt es diesmal keine Geburtstags-Salutschüsse für die Monarchin vom Tower of London und vom Hyde Park aus, auch die Ehrenbeflaggung auf allen öffentlichen Gebäuden im Land wurde auf ihren Wunsch für dieses Jahr ausgesetzt. Dafür wird Elisabeth II. wohl mit Prinz Philip ein kleines Mittagessen einnehmen. Einem Gläschen Wein zum Lunch ist sie normalerweise nicht abgeneigt, also können die beiden dort schon auf ihr Wohl anstoßen. Später steht bestimmt Gassi gehen mit ihren geliebten Corgis im Garten von Schloss Windsor auf dem Programm. Danach werden viele Glückwünsche aus Großbritannien und aller Welt per Post und Telefon auf sie warten. Mit ihren Kindern und Enkelkindern wird sie über die Videokonferenz-Software "Zoom" plaudern, als kleinen Ersatz für eine Familien-Geburtstagsfeier. Wie man mit dem Kommunikationsmittel umgeht, hatte die Königin sich in den letzten Wochen extra beibringen lassen.

Viel Kontakt mit George und Charlotte

Es ist bekannt, dass die Queen jetzt, zu Corona- Zeiten, gerade mit ihren Ur-Enkeln Prinz George und Prinz Charlotte, den älteren Kindern von William und Kate, viel Kontakt hält und auch Spaß daran hat, auf diese moderne Art mit ihnen zu kommunizieren. Diese beiden werden ihre "Gan-Gan" ganz sicher anrufen, um zu gratulieren. Ob ihr abtrünniger Enkel Prinz Harry sich aus Los Angeles meldet? Man kann es ihr nur wünschen. Ihren Ur-Enkel Archie, Harrys und Meghans bald einjährigen Sohn, hat sie nun seit Monaten nicht gesehen, und es steht völlig in den Sternen, wann das wieder der Fall sein könnte.

Der Herzog und die Herzogin von Sussex haben sich inzwischen in Kalifornien niedergelassen. Ob und wann sie wieder mit ihrem Sohn nach Großbritannien kommen können oder wollen, ist ungewiss.

Mit Prinz Philip auf dem Sofa

Ob die Königin und ihr Prinzgemahl sich dann am Abend wirklich die Mühe machen, sich in Abendkleid und Diadem beziehungsweise in einen Smoking zu kleiden, und zu zweit ein festliches Diner zu genießen? Wahrscheinlicher ist, dass sie einfach auf der Couch in ihrem privaten Wohnzimmer im Schloss vor dem Fernseher Platz nehmen, auf den Knien jeder ein Tablett mit einer leichten Abendmahlzeit, und sich die Lieblingsfernsehserie der Jubilarin, "East Enders" (eine Art britische "Lindenstraße") im Fernsehen anschauen, um danach früh zu Bett zu gehen.

Wird die Queen sehr damit hadern, dass sie heute ihren Geburtstag nicht wie ursprünglich geplant begehen kann? Wahrscheinlich nicht, sie ist, wenn es um ihre persönlichen Bedürfnisse geht, ein recht anspruchsloser Mensch, es wird in ihrer Erinnerung - trotz aller Einschränkungen - nicht der schlechteste all’ ihrer Geburtstage gewesen sein. Möge sie noch lange leben und für die Briten - und viele andere Menschen dazu - weiterhin ein so starkes Symbol des Zusammenhalts und der Hoffnung bleiben.

  • Catrin Bartenbach
    Catrin Bartenbach