Enthüllungen Die dunkle Seite des Märchenprinzen


Nette Gangster, nackte Mädchen - Voller wilder und dunkler Geheimnisse war Strahle- Präsident John F. Kennedy. Behauptet der amerikanische Reporter Seymour Hersh in einem Enthüllungsbuch

Es war oft nicht nur einfaches Kraulen angesagt, wenn John F. Kennedy zur Mittagsstunde am Swimmingpool des Weißen Hauses aus seinem Korsett schlüpfte um im Wasser den kriegsverletzten Rücken zu entspannen. Am Beckenrand warteten schon "Fiddle" und "Faddle", zwei attraktive, junge Assistentinnen. Das behauptet der amerikanische Reporter Seymour Hersh in seinem Buch "The Dark Side of Camelot", das diese Woche in New York erscheint. "Die Mädchen sprangen nackt mit ins Wasser", zitiert Hersh den ehemaligen Sicherheitsbeamten Larry Newman. Einmal mußten die Sicherheitsleute den unersättlichen Präsidenten mit seinem Bruder Bobby und ein paar Girls brüsk aus ihrer Pool- Party reißen: Ehefrau Jackie war verfrüht gelandet, schon auf dem Weg ins Weiße Haus.

Ein Sexbessener

John F. Kennedy ließ seine amourösen Abenteuer auch gern ablichten. Und nicht nur das. Ein Kunsthändler aus Washington erinnert sich, mehrere Fotos mit Nackten von einem Geheimdienstler bekommen zu haben, um sie ordentlich einzurahmen. Eines, aufgenommen im berühmten Lincoln-Zimmer des Weißen Hauses, zeigte einen Herrn und zwei Damen - mit nichts als einer Gesichtsmaske. "Das sei Kennedy, sagte man mir", so Galerist Sydney Mickelson. Mit Geschichten dieser Art versucht Autor Hersh zu belegen, daß der jüngste und attraktivste Präsident, den die USA hatten, noch sexbesessener war, als man ohnehin weiß. Und auch noch zwielichtiger: John F. Kennedys Vater Joseph, der seinen Reichtum in den 20er Jahren mit Alkoholschmuggel machte habe seinem Sohn mit über zwei Millionen Dollar die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten erkauft. Geldboten zu den entscheidenden Wahlmännern seien auch Johns Brüder Bobby und Edward gewesen.

War er ein Mafia-Freund?

In einem Kapitel seines Buches läßt Hersh die Sinatra- Tochter Tina schildern, wie ihr Vater von den Kennedys eingespannt worden sei, den Kontakt zum Chicagoer Gangsterboß Sam Giancana herzustellen. "Sie benutzten die Unterwelt, um ihren Goldjungen" als Präsidentschaftskandidaten "durchzukriegen - mit Hilfe von Frank Sinatra". Nach seiner Wahl habe dann die Kennedy- Geliebte Judith Exner, die zur gleichen Zeit Giancanas Freundin war, dem Gangsterboß 250000 Dollar in bar als "Dank für gute Dienste" überbracht. Später sollte Giancana im Auftrag des Präsidenten, so Hersh, Kubas Oberhaupt Fidel Castro umbringen, weil Kennedys Ego durch die mißglückte Schweinebucht- Invasion tief getroffen war. In einer Stellungnahme hat der Kennedy- Clan das 400-Seiten-Buch gleich als "reine Dichtung" bezeichnet. Edward Kennedys Pressesprecher: "Weitergehende Äußerungen zu dieser Art von Unterstellungen und bösartigem Klatsch sind nicht beabsichtigt."

Autor deckte das Massaker von My Lai auf

Als bloßen Sensationsreporter aber kann man Hersh, 60, nicht abtun. Immerhin hat er für seine Aufdeckung des Massakers von My Lai 1970 den Pulitzer- Preis erhalten und diesem Enthüllungsbuch, das die Nation erschütterte, mehrere zu anderen brisanten Themen folgen lassen. Der Stil seiner Recherchen hat ihm allerdings oft Kritik eingetragen. "Elefant im Porzellanladen", nennen ihn seine ehemaligen Kollegen von der "New York Times". "Erpresser", sagt Henry, Kissinger,ein Hersh-Opfer über ihn und seine Interviewtechnik. Daß er stets gnadenlos auf den großen Coup aus ist, bestätigt Hersh selbst: "Für die My-Lai- Story hätte ich selbstverständlich meine eigene Mutter verkauft." Um so mehr wird es Hersh schmerzen, daß er auf die sensationellsten Enthüllungen in seinem Buch "The Dark Side of Camelot" verzichten mußte.

Nicht alle Enthüllungen stimmen

Hersh bekam Dokumente zugespielt, in denen stand, daß Präsident John F. Kennedy der Schauspielerin Marilyn Monroe mehr als eine Million Dollar zählen wollte, damit sie über seine Affäre mit ihr schweige und auch nichts verrate über seine Beziehungen zu Sam Giancana und "anderen Unterwelt- Figuren". Hersh triumphierte schon: "Das wird die Gegenwartsgeschichte ändern." Doch wenige Wochen vor Fertigstellung des Buches stellte sich heraus, daß er Fälschungen aufgesessen war: Auf dem Kopf eines angeblichen Kennedy-Briefes von 1961 stand eine Postleitzahl. Postleitzahlen wurden in den USA jedoch erst ein Jahr später eingeführt.


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