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Zum fünften Todestag Die Nacht, in der Osama bin Laden starb - die CIA twittert "live"

Osama bin Laden: Barack Obama verfolt seine Tötung aus dem "situation room" des Weißen Hauses
Barack Obama und hochrangige Offiziere und Beamte verfolgen die Tötung von Osama bin Laden aus dem "situation room" des Weißen Hauses
© Pete Souza/DPA
Fünf Jahre nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden twitterte die CIA ein minutengenaues Protokoll der Kommandoaktion. Doch was genau in den frühen Morgenstunden des 2. Mai 2011 geschah, bleibt umstritten.

Starr hält Barack Obama den Blick auf die Bildschirme vor ihm gerichtet, Hillary Clinton schlägt sich die Hand vor den Mund, die anwesenden Militärs und Beamten verfolgen mit Argusaugen das Geschehen. Was sich da gleichzeitig auf den Monitoren vor ihnen und tausende Kilometer entfernt in Pakistan abspielt: die Tötung von Osama Bin Laden, des Staatsfeinds Nummer eins.

Das Bild aus dem Situation-Room im Weißen Haus ist in die Geschichte eingegangen. Es hält den Moment fest, in dem Obama und Co beobachten, wie US-Navy-Seals das Versteck des Al-Kaida-Führers stürmen und den Terrorfürsten ausschalten. Eine Momentaufnahme aus dem amerikanischen Machtzentrum und gleichzeitig wohl der größte militärische Erfolg, den Obama in seiner ersten Amtszeit vorweisen kann.

Wenige Stunden später tritt der US-Präsident vor die Presse und verkündet der Welt die Nachricht: Bin Laden ist tot. 

"3.39 Uhr - Osama bin Laden ist tot": Das CIA-Protokoll

Nun jährt sich sein Tod zum fünften Mal. Die CIA erinnerte daran mit einem minutengenauen Protokoll der Kommandoaktion, das der Geheimdienst auf Twitter veröffentlichte. Unter dem Hashtag #UBLRaid dokumentierte die CIA die einzelnen Schritte des Einsatzes - "so, als ob er heute stattfinden würde", wie es in einer Vorankündigung heißt. 

"1.51 Uhr - Hubschrauber fliegen aus Afghanistan Richtung Abbottabad, Pakistan", lautete einer der ersten Tweets. 

"3.30 Uhr - 2 Helikopter landen auf Anwesen in Abbottabad, Pakistan. Einer stürzt ab, aber der Angriff wird ohne Verzögerungen oder Verletzte fortgesetzt." 

"3.39 Uhr - Osama Bin Laden im dritten Stockwerk entdeckt und getötet."

"3.39 Uhr - Das Einsatzkommando sichert auf dem Gelände große Mengen an Dokumenten."

"4.05 Uhr - Erster Helikopter verlässt das Gelände und kehrt nach Afghanistan zurück."

Wurde Osama bin Laden gefangen gehalten?

Soweit die offizielle Version. Doch was genau damals in den frühen Morgenstunden des 2. Mai geschah, ist bis heute umstritten. Zahlreiche Verschwörungstheorien ranken sich rund um den Tod von bin Laden. Einer der ernst zu nehmenden Gegenentwürfe stammt von dem US-Investigativjournalisten und Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh. Er hatte schon während des Vietnamkriegs Gräueltaten der US-Armee in My Lai aufgedeckt und war maßgeblich an der Enthüllung der Folterpraktiken im Abu-Ghraib-Gefängnis beteiligt.

Was ihn besonders an der offiziellen Version der US-Geheimdienste stutzig macht, ist dass bin Laden fünf Jahre lang unbemerkt in Abbottabad gelebt haben soll - einer Hochburg des pakistanischen Militärs. Seiner These zufolge, die er auch in seinem Buch "The Killing of Osama Bin Laden" schildert, sollen die pakistanischen Geheimdienste gewusst haben, wo sich der Terrorfürst befand. Mehr noch: Er soll in Abbottabad gefangenen gehalten worden sein. Seit 2006 soll bin Laden eine Geisel Pakistans gewesen sein. Ein Überläufer des pakistanischen Geheimdienstes habe schließlich den USA die Information verkauft - für 25 Millionen Dollar. 

Dokumente bloß gefälscht?

Die Dokumente, Computer und USB-Sticks, die im Haus von bin Laden gefunden worden sein soll, gibt es nach der Version von Hersh gar nicht. Die USA hätten deren Existenz vorgetäuscht, um die These zu untermauern, bin Laden habe sich versteckt.

Die USA streiten diese Darstellung ab. Der offiziellen Version zufolge sollen CIA-Agenten das Versteck bin Ladens lokalisiert haben, indem man seine Kuriere monatelang beschattet habe.  

Bewiesen ist bislang weder die Version Herschs noch die der CIA. Doch für das Minutenprotokoll auf Twitter müssen die US-Geheimdienstler nun einiges an Kritik einstecken. Die populäre "Daily Show" schrieb etwa dazu: "Wenn Ihr anfangt, die Operation in der Schweinebucht live zu twittern, sagt uns Bescheid.
Wenn nicht, hört einfach auf." Eine ganze Reihe von Twitternutzern nannte die Aktion der CIA peinlich und grotesk.

ivi

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