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Giftgasangriff in Syrien: US-Journalist wirft Obama Täuschung der Öffentlichkeit vor

US-Präsident Barack Obama soll die Öffentlichkeit nach dem tödlichen Giftgaseinsatz in Syrien Ende August getäuscht haben - diesen Vorwurf erhebt einer der bekanntesten Journalisten der USA.

Der Enthüllungsjournalist Seymour Hersh kritisiert US-Präsident Barack Obama für sein Verhalten nach dem tödlichen Giftgasangriff in Syrien Ende August. In der "London Review of Books" schreibt Hersh, Obama habe bewusst verschwiegen, dass auch die islamistische Rebellengruppe Al-Nusra-Front über Chemiewaffen verfüge. Mit dieser "Manipulation" von Geheimdiensterkenntnissen habe die Schuld für den Giftgasangriff eindeutig Syriens Machthaber Baschar al Assad zugeschoben werden sollen. Die US-Regierung wies die Vorwürfe zurück.

Bei den Giftgasangriffen vom 21. August kamen nach US-Angaben nahe Damaskus insgesamt 1400 Menschen ums Leben. "Wir wissen, dass das Assad-Regime verantwortlich ist", sagte Obama damals in einer Fernsehansprache. Auch andere westliche Geheimdienste zeigten sich überzeugt, dass der Befehl von der syrischen Führung ausging. Russland, ein traditioneller Verbündeter Assads, machte dagegen die Rebellen verantwortlich. Eine UN-Untersuchung bestätigte Mitte September den Einsatz des Nervengases Sarin durch Boden-Boden-Raketen, äußerte sich aber nicht zur Frage der Schuld.

Nach dem Einsatz drohten die USA und Frankreich mit einem Militärschlag, um Assad für den Einsatz der Chemiewaffen zu bestrafen. Daraufhin stimmte Assad einem von Russland ins Spiel gebrachten Plan zur Vernichtung seiner Chemiewaffen zu. Gemäß einer vom UN-Sicherheitsrat verabschiedeten Resolution muss das Arsenal bis Mitte 2014 vollständig vernichtet sein.

Rosinen picken gegen Assad

Hersh deckte einst das Massaker von My Lai im Vietnamkrieg und die US-Folter im irakischen Gefängnis Abu Ghraib auf. An der Quellenlage in seinem jüngsten Artikel gebe es allerdings erhebliche Zweifel, hieß es aus Regierungskreisen in Washington. Große US-Medien sollen die Veröffentlichung abgelehnt haben, daraufhin sei Hersh zur "London Review of Books" gegangen. Die britische Literaturzeitschrift veröffentlichte den Text am Sonntag auf ihrer Internetseite.

Laut Hersh lagen den US-Geheimdiensten Informationen vor, dass die Al-Nusra-Front in der Lage war, Sarin-Gas herzustellen. "Al-Nusra hätte nach dem Angriff ein Verdächtiger sein müssen, aber die Regierung hat sich aus den Geheimdienstinformationen die Rosinen herausgesucht, um einen Angriff gegen Assad zu rechtfertigen", schreibt Hersh. Er beruft sich unter anderem auf ein Geheimdienstdokument von Juni, in dem von chemischen Kampfstoffen in den Händen islamistischer Rebellen die Rede gewesen sein soll.

Das Büro von US-Geheimdienstdirektor James Clapper wies die Vorwürfe zurück. "Die Erkenntnisse zeigen eindeutig, dass nur das Assad-Regime für den Chemiewaffenangriff am 21. August verantwortlich gewesen sein kann", sagte Sprecher Shawn Turner. "Es gibt keine Beweise, um die anderslautenden Behauptungen von Herrn Hersh zu unterstützen." Die Unterstellung, dass Geheimdiensterkenntnisse bewusst verschwiegen worden seien, sei "einfach falsch".

ono/AFP / AFP