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Faszinosum Po: Von hinten betrachtet

Mit Pippa Middletons Hochzeitsauftritt feierte die weltweite Verehrung des weiblichen Hinterteils ein Aufmerksamkeits-Comeback. Doch wurde nun ein anderer Po auf den Thron gehoben.

Von Sophie Albers

Die Auf- und Erregung war groß, als Brautjungfer Pippa Middleton im eng anliegenden Seidenkleid die Schleppe ihrer Schwester Catherine ins Westminster Abbey trug. Kameramänner und Fotografen wussten gar nicht, wo sie hinzoomen sollten. Wussten es dann aber natürlich doch: auf Pippas Hintern. Denn schon dem Philosophen Jean Paul Sartre war klar: "Das Vaterland, die Ehre, die Freiheit? Keine Rede davon! Das Universum dreht sich um ein Paar Pobacken, das ist alles!"

Also nehmen wir es wohl am besten philosophisch, dass in Großbritannien gerade nach den besten aller Promi-Pobacken gesucht wurde. Allerdings haben erstaunlicherweise nicht die von Pippa gewonnen, sondern ein Paar aus der ehemaligen britischen Kolonie Australien: Unter allen Hinterteilen sei der verlängerte Rücken von Kylie Minogue der schönste, will eine Firma für figurformende Unterwäsche herausgefunden haben. Pippa folgt immerhin dicht auf Platz zwei. Die runde Rückseite von Beyoncé wurde auf die hinteren Plätze verwiesen. Alles eine Frage der Sichtweise.

Po-esie und Po-litik

Kein Körperteil ist zu allen Zeiten, in allen Regionen der Welt, von beiden Geschlechtern so umfangreich bedacht worden wie der Hintern. Mal gibt es einen freundlichen Klaps auf den Po, dann einen heftigen Tritt in den Arsch. Von Arthur Rimbaud gab es Poetisches, Jennifer Lopez' kräftiger Steiß ist Teil ihrer Karriere. Es gibt afrikanische Stämme, da wird die Braut nach Hinterngröße ermittelt. Seit den 80ern halten Fitness-Anhänger das Gesäß mittels Bauch-Beine-Po lieber flach. Rubens, Toulouse Lautrec, Jeanloup Sieff haben den Hintern in der Kunst verewigt. Künstliche Hintern gibt es nicht mehr nur in Japan. Und David Beckhams Mitspielern bringt es angeblich Glück, dem Fußballstar vor dem Spiel an den wohlgeformten Hintern zu hauen.

Der Hintern ist erotisches Symbol, Ziel des Spotts, er provoziert. Und sogar in der Politik hat er seinen Platz: Mal wird er von den sogenannten Hinterbänklern breit gesessen, mal wird er von Aktivisten unterschiedlichster Art als Geste gegen das Establishment freigelegt.

Mona Lisas Geheimnis

Ganz neutral betrachtet ist der Pomuskel nach dem Kaumuskel der stärkste Skelettmuskel im menschlichen Körper. Er ermöglicht uns zu stehen und zu gehen, dank seiner Fettpolster können wir überhaupt länger sitzen. Weil er so nah dran ist an den primären Geschlechtsteilen, wirkt er erotisch. Weil er so nah dran ist am Anus, sorgt er für Scham. Das Gerücht, dass seine Ähnlichkeit mit der weiblichen Brust für erotische Fixierung sorge, bleibt wohl eins, denn auch heterosexuelle Frauen und homosexuelle Männer können sich ebenso intensiv an einem schönen Exemplar erfreuen.

Vielleicht ist ja das Geheimnis seines Erfolges, dass es sein Geheimnis bleibt. Marcel Duchamp hat das mal ganz wunderbar auf dem Punkt gebracht, als er unter eine Abbildung der Mona Lisa schrieb: "L.H.O.O.Q." - Sie hat einen schönen Arsch. Den gibt es schließlich nur in unserer Vorstellung.