Flavio Briatore heiratet Was vom Macho übrig bleibt


Er ist ein Playboy, wie er im Buche steht: Formel-1-Manager Flavio Briatore betreibt ein Luxus-Label, ist Nachtclubbesitzer und hat ein Faible für Topmodels. Doch ein Nierentumor änderte das Leben des Renault-Teamchefs - angeblich. Nun wird geheiratet. Die Braut? Ein 30 Jahre jüngeres Model.
Von Luisa Brandl

Flavio Briatore ist der Star in der Formel Eins. Als Teamchef von Renault feiert er Erfolge, vor allem aber verleiht er dem Rennzirkus Glamour. Dunkler Teint, lange silbergraue Locken, blau getönte Brille, lässige Pose - der 58-jährige Lebemann strahlt etwas aus, was vielen blassen Piloten heute fehlt. Seine Playboy-Inszenierungen füttern die Klatschspalten. Aber nun macht Briatore vermeintlich einen Schnitt, wenn er an diesem Samstag dem brünetten 30 Jahre jüngeren Showgirl Elisabetta Gregoraci das Ja-Wort gibt. Doch die pompöse Hochzeitsfeier in Rom verspricht ein Publicity-Event zu werden - ganz im Stil des Alt-Playboys, bei dem Privates immer auch Geschäft ist.

Kein Geringerer als Kardinal Paul Poupard wird das schillernde Paar in der Kirche "Santo Spirito in Sassia" wenige Schritte vom Vatikan trauen. Briatores Trauzeugen sind der Modeunternehmer Luciano Benetton und Grand-Prix-Impresario Bernie Ecclestone. 400 Gäste sind geladen, das Gotha der Formel Eins mit Michael Schumacher und Fernando Alonso, dazu Polit-Prominenz wie der spanische Ex-Regierungschef José Maria Aznar und der italienische Premier Silvio Berlusconi. Das Mega-Event soll zwei Tage dauern. Auftakt ist eine große Party für die Freunde des Paares in einem römischen Luxusrestaurant. Am Samstag gibt es nach der kirchlichen Trauung einen Brunch, bevor die Hochzeitsgesellschaft am Abend in dem Schloss "Castello di Tor Crescenza" weiterfeiern will.

Perfekte Symbiose in der Not

Mit internationalen Schönheiten wie dem britischen Topmodel Naomi Campbell und dem deutschen Fotomodell Heidi Klum machte Briatore früher immer wieder Furore. Der Frauenheld nährte über Jahre seinen Ruf, sich nicht einfangen zu lassen. Nun rätselt die italienische Regenbogenpresse seit Wochen, wie es die hübsche Elisabetta geschafft hat, den begehrten Multimillionär vor den Traualtar zu bekommen. Vor zwei Jahren wurde bei Briatore ein Nierentumor entdeckt. Sie sei ihm nicht von der Seite gewichen, heißt es, und die Krankheit habe ihn verändert. Auch das TV-Starlet war in Not geraten. Ein Sex-Skandal drohte ihre Karriere aufs Spiel zu setzten, bei Briatore fand sie Schutz. Die Sorgen hätten sie einander näher gebracht, konnte man lesen. Beide schöpften aus der Liaison Gewinn. Briatore brilliert nun mit der "Hochzeit des Jahres" und Elisabetta kann sich auf den Aufstieg in Berlusconis Sendern freuen.

Auch die frühere Beziehung zu Naomi Campbell halten Insider für keinen Zufall. Briatore hatte in den Achtzigern den sardischen Nachtclub "Billionaire" eröffnet und erschien plötzlich Händchen haltend mit dem schwarzen Topmodel. Briatore glänzte fortan als Womanizer der ersten Liga und Campbell setzte sich in Szene, indem sie durch die Formel Eins stöckelte und die Fotografen anzog. Dass sich die beiden oft in die Haare kriegten und Briatore einmal in Porto Cervo seine Begleiterin samt Louis-Vuitton-Kofferset von der Yacht werfen ließ, steigerte noch die Publicity. "Die Sportseiten habe ich oft dominiert, aber auf die Titelseiten hat mich erst meine Freundin gebracht", prahlte Briatore. Als er jedoch angeblich von ihr verlangte, sie solle schon zum Frühstückmachen in Stöckelschuhen antanzen, soll das der zerrütteten Beziehung den Rest gegeben haben.

Vater oder Vollidiot?

Einmal lief Briatore die geschickte Vermischung von Affären und Business jedoch aus dem Ruder. Als Ex-Freundin Heidi Klum im Mai 2004 ihre Tochter Leni geboren hatte, bedrängte ihn die Presse mit Fragen nach der Vaterschaft. Briatore und Klum hatten sich während der Schwangerschaft getrennt. Er hat nie öffentlich eingestanden, Leni gezeugt zu haben, was ihn im Übrigen viel Geld gekostet hätte. Oder ist Briatore etwa gar nicht der Vater? Dann wäre der Formel-Eins-Promi ein Gehörnter. Nicht gerade schmeichelhaft für einen wie ihn, der sein Macho-Image sorgfältig pflegte.

Vom Landvermesser zur Formel-Eins-Spürnase

In seinem erlernten Beruf als Landvermesser hat es der Piemonteser aus dem Dorf Verzuolo nicht lange ausgehalten. Er schlug sich durch als Skilehrer, Versicherungsagent, geriet in der Baubranche an dubiose Geschäftspartner. Die Gerüchte, er habe Beziehungen zur Mafia gehabt, wollen nicht verstummen. Nachgewiesen werden konnte ihm freilich nichts. Später nützen ihm seine alten Kontakte, als er in Mailand in der Finanzwelt Fuß fasste. Auf Partys in der Metropole lernte er den Textilunternehmer Luciano Benetton kennen, der ihn in die USA schickte, um dort eine Ladenkette aufzuziehen. 600 Shops entstanden. "Das erste, was ich installiert habe, war die Kasse", soll Briatore gern herumposaunt haben. Zur Belohnung führte Benetton seinen fleißigen Helfer in die Formel Eins ein.

Doch Briatore geriet zunächst in die Mailänder Ermittlungen gegen einen Glücksspielring. Er wurde verdächtigt, organisierten Zockern betuchte Mitspieler zugeführt zu haben, die mit gezinkten Karten abgezogen wurden. Briatore wurde in zwei Verfahren in Mailand und Bergamo zu insgesamt viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Doch vor dem Richterspruch war er bereits in der Karibik untergetaucht. Zwei Jahre später ebnete eine Amnestie ihm den Weg zurück nach Italien.

Talentscout und Luxusboss

Benetton vertraute ihm die Leitung seines mäßig erfolgreichen Rennstalls an. Super-Manager Ecclestone nahm ihn unter seine Fittiche und schanzte ihm das Jungtalent Michael Schumacher zu. Fortan galt Briatore als Spürnase in der Formel Eins. Auch die Entdeckung des zweifachen Weltmeisters Alonso wird ihm zugeschrieben. Er ließ den Piloten erst für andere Teams fahren und holte ihn dann zu Renault. Aber das Karriereschmieden im Renngeschäft ist dem gewieften Selfmade-Man nicht genug. Außer dem Nobelschuppen "Billionaire" an der mondänen Costa Smeralda betreibt Briatore ein Luxus-Label "Billionaire Couture", dessen Jeans mit massiven Goldknöpfen 1000 Euro kosten. Mit Ex-Freundin und Geschäftspartnerin Naomi Campbell eröffnete er ein Luxus-Ressort in Malindi an der Küste von Kenia. 2007 kam ein 6-Sterne-Hotel mit Spielcasino, das "Billionaire Ressort", hinzu.

Zwischen seinen vielfältigen Aktivitäten versteht es Briatore meisterhaft Synergien herzustellen. Seine 43-Meter-Yacht "Force Blue" verchartert er samt Dienstpersonal an begüterte Kunden, wenn er sie nicht selbst nutzt - ebenso wie seinen kenianischen Strandpalast "Lion in the Sun". Um die Vermietung des traumhaften Anwesens anzukurbeln, beorderte er einmal die Renault-Piloten Alonso und Jarno Trulli samt Testfahrer zum Fitnesstraining nach Ostafrika. Und die Fotografen des Boulevards bestellte er gleich dazu.


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