Frankreich Mit der Bardot gehen die Pferde durch


Die Franzosen sind hin und her gerissen zwischen ihrer Liebe zu Brigitte Bardot und ihrer Treue zu archaischen Essgewohnheiten: Pferdefleisch. Tieraktivistin BB will ihren Landsleuten den Verzehr abgewöhnen und hat eine blutige Kampagne angezettelt. Die bleibt nicht ohne Widerstand.
Von Astrid Mayer, Paris

Es sei, beteuern Liebhaber, eine alte Tradition vieler Völker - das Essen von Pferdefleisch. Bestes Beispiel: Das allseits beliebte Steak Tartare, das ursprünglich aus Pferdefleisch gemacht wurde. Nun sind die Genießer von Pferdefleisch, die sich in Frankreich in über 1000 Pferdemetzgereien eindecken können, mit massivem Widerstand von Filmlegende Brigitte Bardot konfrontiert, die dieser "barbarischen" Angewohnheit mit einer Werbekampagne entgegentritt.

Plakate und eine Website mit blutigen Fotos sollen vom Konsum abschrecken und erklärtermaßen den "Dealern" den Garaus machen, die nach Madame Bardots Meinung grausige Ware verkaufen, denn Pferde sind für sie "edle Tiere und die besten Freunde des Menschen". Die Pferdemesse, die gerade in Paris stattfand, und auf der Bardots Stiftung für Tierschutz auch einen Stand gemietet hatte, hat den ehemaligen Filmstar ausgebootet: Sie störe den Frieden zwischen den Ausstellern, weil sie einige von ihnen direkt angreife.

Ein Hund lieber als ein Kind

Nun wird heftig diskutiert: Ist das ehemalige Sex-Symbol, die Filmlegende Brigitte Bardot, eine verbitterte, alte Fanatikerin oder wird es tatsächlich Zeit, anderen, zivilisierteren Völkern nachzueifern und den guten Freund des Menschen aus den Fleischtöpfen weg zu lassen? Das geht nicht ohne Polemik gegen Bardot ab, die seit 1992 mit einem rechtsradikalen Gefolgsmann von Jean-Marie Le Pen verheiratet ist und auch schon wegen rassistischer Äußerungen verurteilt wurde.

Die Zeiten, in denen ihr Wohnsitz bei St.Tropez vom Hubschrauber aus mit Rosenblüten überschüttet wurde und sie den Auftraggeber Gunter Sachs auch noch heiratete, sind vorbei. "Ich habe meine Jugend und meine Schönheit den Männern gegeben. Jetzt gebe ich meine Lebenserfahrung und das Beste meiner Selbst den Tieren", sagt die engagierte Tierschützerin. Tiere hält sie für besser als Menschen. Sie ist sogar soweit gegangen zu äußern, es wäre ihr lieber, einen Hund zu gebären als ein Kind.

Die Bardot kämpft sich bis zum Präsidenten

Ende September war sie bei Staatspräsident Sarkozy und hat ein Importverbot für alle Produkte erreicht, in denen Robbenfell verarbeitet wurde. Was den Konsum von Pferdefleisch angeht, wird sie es wohl schwerer haben, trotz herzzerreißender Fotos mit reichlich Pferde-Blut. Ein Pferd ist nicht ganz so süß wie ein Robbenbaby. Und Pferdefleisch schmeckt lecker, ist sehr eisenhaltig und mager - eine Zeitlang ging der Konsum zurück, aber dank Rinderwahn und Angst vor Übergewicht hat es jetzt sogar seinen Weg in die Fleischregale der Supermärkte gefunden.

Man kann nicht behaupten, dass die Pferdemetzger bei ihrer Werbung in der Vergangenheit sonderlich feinfühlig vorgingen: "Sie haben bei den Pferdewetten verloren? Rächen Sie sich, essen Sie Pferdefleisch", war einer der Slogans, mit denen sie warben. Brigitte Bardot ist stolz, etlichen alten Gäulen auf ihrem Anwesen bei St.Tropez das Gnadenbrot zu gewähren, aber für mehr als drei oder vier reicht der Platz nun einmal nicht. In Deutschland landen ausgediente Rennpferde eher in Hundefutter oder - 500 etwa im Jahr - beim französischen Schlachter. In Frankreich werden sogar Pferde zur Schlachtung gezüchtet.

Die erste Pferdemetzgerei stand in Frankreich

Das rettet, so argumentieren die Züchter, alte Rassen, die sonst längst ausgestorben wären - früher wurden sie als Zugpferde eingesetzt, und heute weiden sie an den Steilhängen der französischen Bergregionen und verhindern so das Verwalden der Landschaft. Die älteste Pferdemetzgerei der Welt (in der Steinzeit), hat sich angeblich in Frankreich befunden, argumentieren Pferdefleisch-Liebhaber in derzeit eifrig genutzten Blogs zum Thema.

Brigitte Bardot weiß wohl, dass sie gegen so alt-ehrwürdige Traditionen schwere Geschütze auffahren muss. An Selbstbewusstsein mangelt es ihr nicht - schließlich hat ihr der damalige Staatspräsident De Gaulle 1968 bescheinigt, sie bringe Frankreich mehr Devisen als Renault. Jetzt hat ihr Nicolas Sarkozy eine "interministerielle Kommission zum Tierschutz" versprochen. Brigitte Bardot strebt noch Höheres an: Die Gründung einer Institution die sich "Hohe Autorität für die Lebensbedingungen von Tieren" nennen soll.

Nichts weniger als einen Neubeginn in der Beziehung zwischen Tier und Mensch wünscht sich Madame Bardot. Ihre Alternative zur Schlachtung ausgedienter Rennpferde: Sie verlangt von der französischen Wettgesellschaft PMU, dass sie aus den Wettgewinnen einen Rentenfond für sie einrichtet.


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