HOME

Nach Geburt der Zwillinge von Monaco: Schafft die männliche Thronfolge ab!

Monaco freut sich über die Geburt der Zwillinge Gabriella und Jaques. Obwohl das Mädchen zuerst geboren wurde, ist der Junge Thronfolger. Eine antiquierte Regelung im sonst so liberalen Fürstentum.

Ein Kommentar von Julia Kepenek

Um 17:04 Uhr war es soweit: Gabriella Thérèse Marie erblickte im Centre Hospitalier Princesse Grace in Monaco das Licht der Welt. Sie ist die Erstgeborene von Fürst Albert II. und seiner Frau Charlène. In den meisten europäischen Monarchien - Schweden, Norwegen, Dänemark, Niederlande, Belgien - hätte sie damit automatisch Anpsruch auf den Thron. Nicht jedoch in Monaco. In einem der fortschrittlichsten Fürstenhäuser Europas gilt noch immer die männliche Erbfolgeregelung. Nur zwei Minuten nach Gabriellas Geburt wurden alle Hoffnungen zerschlagen, dass der Mittelmeerstaat 525 Jahre nach seiner Unabhängigkeit von Frankreich eines Tages von einer Fürstin regiert werden würde. Denn auf Gabriella folgte Jaques Honoré Rainier, männlich und damit laut Artikel zehn der monegassischen Verfassung rechtmäßiger Thronfolger.

Großbritannienen änderte die Thronfolge

Dass ausgrechnet Monaco - neben Spanien, Liechtenstein und Luxemburg - noch an der patrilinearen Monarchie festhält, ist überholt und nicht zeitgemäß. Selbst im Königreich Großbritannien wurde die Thronfolge 2011 zugunsten der Frauen geändert - nach 300 Jahren männlicher Dominanz. Die bisherigen britischen Königinnen gelangten nur auf den Thron, weil sie keine männlichen Geschwister hatten. In Spanien hingegen regiert König Felipe VI. - obwohl er zwei ältere Schwestern hat.

Dabei geht es im Fürstentum Monaco so unkonventionell zu wie in sonst kaum einer europäischen Monarchie. Dort heiratete mit Schauspielerin Grace Kelly bereits 1956 eine Bürgerliche in Adelskreise ein. Ihre Kinder führten die Tradition fort: Albert II. ehelichte die südafrikanische Schwimmerin Charlene Wittstock, Prinzessin Caroline nahm den italienischen Unternehmer Stefano Casiraghi zum Mann und Prinzessin Stéphanie liebte einen Leibwächter, einen Gärtner, einen Zirkusartisten. Mehr Volksnähe geht nicht.

Erst Kinder, dann die Hochzeit

Und nicht nur das: Alle drei Kinder von Prinzessin Stéphanie wurden unehelich geboren, auch Prinzessin Caroline stand zweimal hochschwanger vor dem Altar. Deren Tochter Charlotte Casiraghi brachte im Dezember 2013 ihr erstes Kind zur Welt - unehelich wohlgemerkt. Vater des kleinen Raphaël ist der französische Komiker Gad Elmaleh. 15 Jahre älter als Charlotte, geschieden und Vater eines 13-jährigen Sohnes. Auch Charlottes älterer Bruder Andrea wurde erst Vater und dann Ehemann. Seine Frau, die kolumbianische Milliardärstochter Tatiana Santo Domingo, erwartet dezeit das zweite gemeinsame Kind.

Selbst die Tatsache, dass Thronfolger Albert II. bereits zwei uneheliche Kinder hat und Prinzessin Carolines dritter Ehemann Ernst August von Hannover eine neue Beziehung hat, obwohl das Paar offiziell noch verheiratet ist, wird im katholischen Fürstentum akzeptiert. Die Änderung der Thronfolge wäre die logische Konsequenz für eine moderne Monarchie. Einen besseren Zeitpunkt als vor der Geburt der Zwillinge hätte es nicht geben können. Diese Chance ist vertan. Schade, Monaco.