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Germany's next Topmodel: "Ich steck' dir Curry in den Hintern"

Schweiß, Schläge, Schimpfwörter. In der 14. Folge von "Germany's next Topmodel" ging es alles andere als zimperlich zu. Die Mädchen prügelten sich mit Juror Peyman Amin, plapperten private Details in der Presse aus und probten, wie es sich anfühlt, das Cover einer Zeitschrift zu zieren.

Von Mark Stöhr

Worte haben Macht. Darüber haben unsere Mädchen von nebenan noch gar nicht so richtig nachgedacht. Man darf nicht alle Gedanken, die man hat, ausplaudern, auch wenn sie in ein Schoko-Überraschungsei passen? Was kann verkehrt daran sein, wenn man sagt, dass man für die Karriere sogar seine Mutter verkaufen würde, sich in fünf Jahren an der Seite von Fatih Akin bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises sieht und lieber heute als morgen das kleine Schwarze gegen die schmuddlige Jogginghose eintauschen möchte? Die Models sind baff. Denken ist Gift für den Teint. Jetzt bloß schnell zurück auf den Laufsteg. Nur Peyman, der selbsternannte Immanuel Kant des Beautybusiness, hat seine helle Freude an der "Schocktherapie" und zeigt genüsslich seine Zähne wie einst der Beißer bei der Jagd nach James Bond.

Der Chefredakteur der Zeitschrift "Gala" stellte den verbliebenen fünf Kandidatinnen in der gestrigen Folge gefakete Fragen und machte aus den Antworten gefakete Schlagzeilen. "Peyman und Rolf sind so gemein" prangte über dem Konterfei von Carolin, "Hollywood ist nicht zu groß für mich" über dem von Wanda. Natürlich hatten sie das so nicht gesagt, nicht einmal gedacht, wie sie bleich vor Entsetzen versicherten. So blieb nach dieser Lektion in Medienkompetenz auf Vorschulniveau die bestürzende Erkenntnis: "Die Medien können voll alles umdrehen!" Man könnte auch sagen: Die einen haben es voll in der Birne, die anderen eher in den Beinen. Wie beim Covershooting für eine deutsche Zeitschrift. Da stakste Jennifer gewohnt steif vor die Kamera, Janina posierte lässig und Caroline setzte ihren "mir-kann-keine-etwas-vormachen-Blick" auf.

Janina prügelte wie eine Furie auf Peyman ein

Das traditionelle Peyman-Bashing, bei dem sich die Kandidatinnen an dem kahlköpfigen Juror für seine zurückliegenden Fiesheiten rächen können, sollte der Höhepunkt der gestrigen Episode sein - und entpuppte sich als ganz laue Luftnummer. Ein bisschen Keifen, ein bisschen Knuffen, das war's. Lediglich Janina zeigte Ansätze untergründiger Fantasie und gab bekannt, sie wolle dem 35-Jährigen Curry in den Hintern blasen. Als Rachakt, weil ihr bei einem Fotoshooting Currysoße über den Kopf gegossen wurde, die sich anschließend in ihren Augen sammelte.

Nächste Woche steigt das große Topmodel-Finale. Christina und Jennifer stehen als erste Teilnehmerinnen fest. Dass ihnen beim abschließenden Vorentscheid kommenden Dienstag Janina nachfolgen wird, gilt als ausgemacht. Mit merklicher Mühe versuchten die ProSieben-Macher die Spannung hochzuhalten. Wie Jogi Löw bei der Nominierung seiner Eurofighter sprach die Jury gestern unentwegt von "Millimeterentscheidungen" und der "tollen Entwicklung" aller Beteiligten.

Es ist Zeit für den letzten Kassensturz, an dessen Ende ein dickes Plus stehen soll. Die Mädchen wurden noch einmal gezielt in Marktposition gebracht und nach Schwächen und Stärken sortiert: Es gibt den Laufstegtyp, das Fotogesicht und die Werbespotmimin. Ab zur Buchung. Und all denjenigen, die kein professionelles Interesse haben, hilft der Soundtrack zur aktuellen Staffel bei der Verarbeitung der emotionalsten Momente, an dem Heidi Klum als Seal-Gattin kräftig mitverdient.

Wanda hat ein Schwitzproblem

Dass Wanda ihren Hut nehmen musste, überraschte nur wenig. Sie denke zu viel nach, hieß es in der Jurybegründung. Eine sehr exklusive Sicht der Dinge. Zu wenig Geschäftstüchtigkeit kann man der ehrgeizigen Hamburgerin jedoch nicht vorwerfen. Bei "TV-Total" präsentierte sie sich als Stewardess im Anflug auf ihre erste eigene Doppelhaushälfte und tapezierte Stefan Raab mit - übrigens ausnehmend scheußlichen - Produkten eines deutsch-amerikanischen Modelabels, dem sie fortan Gesicht und Körper leiht.

Heidi Klums Diagnose, Wanda habe ein Schwitzproblem unter den Achseln, hat der 23-jährigen Möchtegern-Schauspielerin also scheinbar keineswegs geschadet. So wie auch selbst Carolin mit ihrer schon fast herzerweichenden Naivität bestimmt ihr Reklameplätzchen finden wird. Gestern sagte sie beim Casting für den Werbespot eines Handynetzbetreibers den legendären Satz: "Hallo? Ich kann dich nicht verstehen, der Empfang ist so schlecht." Worte haben Macht, aber eigentlich ist auch egal, was geredet wird. Carolin bekam den Job.