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Google-Doodle zu Harry Houdinis 137. Geburtstag: Entfesslungskunst und Selbstinszenierung

Legende und Mysterium: Sein Leben inspirierte zahlreiche Bücher und Spielfilme. Seine Kunst fand tausende Nachahmer. Der Entfesslungskünstler Harry Houdini schaffte es nicht nur, die eigenen Grenzen immer wieder zu überwinden. Er wusste auch, sich selbst zu verkaufen.

Früh lernte Houdini die schmale Grenze zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung zu überwinden. Namen waren für ihn ebenso wandelbar wie Orte. Als Vierjähriger kam der junge Erich Weiss mit seiner Familie auf der Flucht vor dem zunehmenden Antisemitismus in Europa nach Wisconsin. In Appleton fand sein Vater Mayer Samuel Weiss, ein ungarischer Rabbiner, eine Anstellung. Doch es gelang ihm nicht sich in der neuen Kultur und der neuen Sprache einzufinden. Nach wenigen Jahren verlor er seine Arbeit und hangelte sich von einem Fließbandjob zum nächsten. Die Familie lebte in Armut, zog von Wisconsin nach Milwaukee, dann weiter nach New York. 13 Jahre nach der Ankunft in der neuen Welt starb Samuel Weiss 1892 an Krebs. Der damals 18-jährige Erich schwor sich, für seine Familie aufzukommen. Zwei Jahre später trat er erstmals mit seinem Bruder unter dem Künstlernamen Harry Houdini auf, ein Name den er später als seinen legalen Namen annehmen würde. Als seine Heimatstadt bezeichnete er Appleton in Wisconsin.

Ein Leben zwischen Überwindung und Selbstdarstellung

Der Wille zu entkommen prägte sein Werk. Ob in einer Zwangsjacke über einem Abgrund baumelnd oder in einem zugenagelten Sarg unter Wasser: Houdini entsann immer neue Szenarien um sein Können zu testen. Mit seiner Entfesslungskunst begeisterte er die Massen. Er verkörperte eine Idee, die vor allem zu Menschen sprach, die in Armut lebten: Die Möglichkeit die Ketten zu sprengen - die eigenen und die, die durch die Umstände auferlegt wurden.

Sein Sinn für Selbstinszenierung förderte seine Legende. Nach einem Zugunglück soll Houdini zum Unfallort gegangen sein und sich zwischen die Trümmer gelegt haben. Am nächsten Morgen titelten die Zeitungen, dass der große Houdini aus dem Zug entkommen sei. Der Ruhm bescherte ihm viele Nachahmer, was ihn zu immer wagemutigeren Situationen antrieb. Höhepunkt seiner Entfesslungskunst war die chinesische Wasserfolter. Kopfüber und in Ketten ließ er sich in einen mit Wasser gefüllten Glascontainer einschließen. Und befreite sich daraus.

Wie starb Houdini?

Es ist dieses Szenario, das viele Menschen mit seinem Tod verbinden. Die wahre Todesursache mutet unspektakulär an: Blinddarmentzündung. Vor allem in den letzten Jahren seiner Karriere verdrängte Houdini körperliche Schmerzen zunehmend. Ein verhängnisvoller Fehler. Auf einer Universitätslesung in Montreal fragte ihn ein Student, ob er den großen Künstler in den Bauch schlagen könne. Houdini ließ sich darauf ein und ignorierte den Schmerz, der von Tag zu Tag schlimmer wurde. Am Ende musste er in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Die Ärzte stellten eine Blinddarmentzündung fest, die von dem Schlag zwar nicht ausgelöst, aber dennoch verschlimmert wurde. An Halloween im Jahr 1926 starb Houdini in einem Krankenhaus in Detroit.

Mysterium Houdini

Nach seinem Tod lebte sein Mysterium fort. Nach dem Tod seiner Mutter hatte Houdini begonnen sich für den aufkeimenden Spiritualismus seiner Zeit zu interessieren. Eine Séance mit dem Sherlock Holmes Autor Arthur Conan Doyle und seiner Frau ließ ihn jedoch ernüchtert zurück. Von da an begann er, die Taschenspielerricks der Spiritisten aufzudecken. Eine Aufgabe, die er mit in seinen Tod nahm und die von seinem Todestag beflügelt wurde. Houdinis Frau gab bekannt, dass ihr Mann ihr eine verschlüsselte Nachricht hinterlassen habe. Noch heute treffen sich Zauberer an Houdinis Todestag, um den Entfesslungskünstler zu feiern.

liri