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Hape Kerkeling: "Geistig hervorragend, schriftlich nicht so interessiert"

Ein Gespräch mit dem Moderator Hape Kerkeling und seiner ehemaligen Deutschlehrerin Christa Hupe.

Taugt dieser Mann für eine Rechtschreib-Show? Ein Gespräch mit dem Moderator und seiner ehemaligen Deutschlehrerin Christa Hupe.

Herr Kerkeling, Sie moderieren an diesem Freitag die Show "Der große Deutsch-Test". Was qualifiziert Sie dafür - Ihre brillante Rechtschreibung?

Kerkeling: Um Gottes willen, nein. Wir wollen in spaßiger Form testen: Wie gut beherrschen wir unsere Sprache? Es geht nicht nur um die neue deutsche Rechtschreibung, es geht auch darum, welche Bedeutung einzelne Wörter haben.

Können Sie uns erklären, was ein Dativ ist?

Kerkeling: Also dare, das kommt von "geben", darauf bezieht es sich auch. Dativ ist, wenn ich jemandem etwas gebe. Wie heißt dieser Fall noch mal in Deutsch? Hupe: "Wem"-Fall. Kerkeling: Danke. Ich glaube, die Prominenten, die bei der Show mitmachen...

Hellmuth Karasek, Dirk Bach, Susan Stahnke - sind Sie sicher, dass die die deutsche Sprache beherrschen?

Kerkeling: Ich denke schon. Frau Stahnke hat immerhin mal die "Tagesschau" moderiert. Aber die Chance, dass die Kandidaten sich blamieren, ist groß. Schon weil das Diktat, das sie schreiben müssen, so kompliziert ist. Ich könnte das nicht. Ich schreibe so, wie ich es gelernt habe.

Also altmodisch?

Kerkeling: Ja. Allerdings schreibe ich grundsätzlich alles klein und finde das sehr fortschrittlich. Soweit ich weiß, haben alle unsere Nachbarländer die Kleinschreibung. Nur der Satzanfang und bestimmte Substantive werden groß geschrieben. Dass wir "Es tut mir Leid" nun mit einem großen L schreiben, ist nicht modern, sondern antiquiert.

Frau Hupe, Sie haben Herrn Kerkeling ab der fünften Klasse am Marie-Curie-Gymnasium in Recklinghausen in Deutsch unterrichtet. War er immer schon so bockig?

Hupe: Hans-Peter war der Zeit voraus und hatte damals schon ein ähnlich gestörtes Verhältnis zu dieser Normierung wie die meisten heute nach der Rechtschreibreform auch. Kreativität und Witz waren ihm wichtiger, als auf Groß- oder Kleinschreibung zu achten. Wenn man heute sieht, nach welchen Maßgaben E-Mails oder SMS geschrieben werden, ist das weit entfernt von dem, was ich euch damals beibringen sollte. Wie hast du dich denn in Erinnerung?

Kerkeling: Vielleicht rede ich mir das schön, aber die meisten Fächer haben mir Spaß gemacht. In Deutsch war ich auch ganz gut - bis auf die Schrift und die Zeichensetzung. Kommata gehen mittlerweile, aber ich weiß bis heute nicht, wo ein Semikolon hingehört und wofür das steht.

Hupe: Wenn man die Trennschärfe zwischen zwei Aussagen nicht überbetonen, aber signalisieren will, dass zwei verschiedene Gedanken kombiniert werden, dann steht da ein Semikolon.

Wie waren seine Deutschnoten?

Hupe: Ich habe mal nachgeschaut in meinen alten Unterlagen. Sie lagen im Zweier-Bereich, es gab aber auch mal eine Fünf. Das muss im Diktat gewesen sein. Am Ende der sechsten Klasse schrieb ich über dich: "Sehr vernünftig, geistig hervorragend, schriftlich nicht so interessiert."

Klingt nach einem faulen Hochbegabten.

Hupe: Er war eher querdenkend. Probleme hat er früher gesehen als andere, schneller gelacht hat er auch, wenn irgendwas Witziges passierte. Wenn Axel in der Deutschstunde einfach unter der Bank lag und da seine Englischaufgaben machte, fandst du das genauso komisch wie ich.

Kerkeling: Du hast uns alle in der Klasse sehr geprägt. Unsere Streitlust, die Lust zu diskutieren, die wurde bei dir geboren. Wir haben Günter Wallraff gelesen, sein Buch "Ganz unten", ich erinnere mich an Diskussionen zur RAF-Zeit, wie man den Terror in Deutschland zu bewerten habe. Wir waren elf oder zwölf Jahre alt und haben uns dabei sehr ernst genommen.

Hupe: Es hat Spaß gemacht mit euch. Die Schule war ein Mädchengymnasium - bis ihr kamt, Hans-Peter. Die erste gemischte Klasse - das war ein Klimawechsel...

Kerkeling:...und wir Jungs haben uns natürlich für was Besonderes gehalten. Ich hätte mir keine bessere Schulzeit vorstellen können: Wir waren immer die Ältesten. Und die Mädchen vergötterten uns!

Hupe: Und dann solltet ihr beim Sport nach Männlein und Weiblein getrennt werden...

...und die Idee kam nicht gut an?

Kerkeling: Das muss in der sechsten Klasse gewesen sein. Wir vermuteten dahinter die Unterstellung, dass wir in dem Alter anfangen würden, alle aufeinander scharf zu werden. Das fanden wir absurd. Also schrieben wir direkt ans Kultusministerium.

Hupe: Dann stand überraschenderweise der Schulleiter vor mir und wurde etwas laut: Es gäbe ja auch den Dienstweg, warum ich den mit dieser Klasse nicht eingeschlagen hätte? Der Sportunterricht aber fand gemeinsam statt. Als sportlich habe ich dich allerdings eher beim Sackhüpfen auf Schulfesten in Erinnerung.

Waren Sie damals schon ein wenig, nun ja, pummelig?

Kerkeling: Kann man so sagen. Wenn beim Völkerball die Mannschaften gewählt wurden, war ich immer der Letzte, der noch auf der Bank saß. Ich fand das erniedrigend, dass ich mich wieder und wieder diesem Selektionsverfahren aussetzen musste.

Haben Sie Ihre körperlichen Defizite wettgemacht, indem Sie den Klassenclown gaben?

Kerkeling: Hab ich das?

Hupe: Im Unterricht warst du oft ernster als andere. Ich erinnere aber auch eine Klassenfahrt nach Willingen im Sauerland. Dort hattet ihr euch auf Interviews mit den Eingeborenen kapriziert. Ihr seid auf ältere Damen zugegangen und habt sie gefragt: "Wo findet man hier die bunte Kuh?" - was die Damen sehr befremdete. Daran muss ich heute noch denken, wenn ich im Fernsehen sehe, wie du die Leute auf die Schippe nimmst.

Ulrike von Bülow