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Harald Schmidt spielt Orgelwerke: Dirty Harrys fromme Playlist

Der Entertainer Harald Schmidt versteht es immer wieder, seine Fans auf die Knie zu zwingen und ihn anzuhimmeln. Vielleicht sogar besser denn je. Praktisch, dass er gerade in einer Kirche aufgetreten ist. Ach was, Kirche! Einer wie er erscheint seinen Jüngern natürlich in einem Dom!

Harald Schmidt

Harald Schmidt im Altenberger Dom

ER kann es sich leisten: ER tut nur noch, was ihm Spaß macht. Eine Stunde Programm, keine weite Anreise, keine Leseprobe. Sachen, die einmalig und unwiederholbar sind wie der Mauerfall oder die Wahl von Martin Schulz zum SPD-Chef. Sowas macht ihm Spaß. Sowas macht Harald Schmidt mit Wucht, da zieht er alle Register. Organisten sagen: Da spielt er "volles Werk". Und schon sind wir beim Thema.

"Herrscher der Himmel, erhöre das Lallen"

Gerade präsentierte der 59jährige nämlich im leicht azurblauen Sommeranzug Orgelwerke, die er als junger Hilfsorganist vom Fuß der Schwäbischen Alb gern gespielt hätte. "Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen", hieß sein einmaliger Beitrag zum Lutherjahr. Selten sah man im Altenberger Dom, einem früheren Zisterzienser-Kloster östlich von Köln, so viele evangelische Menschen lachend in den Kirchenbänken zusammenbrechen.

"Wer es nicht direkt ins Showgeschäft schaffte, musste Organist werden" , erläuterte Schmidt zur Begrüßung. Er hatte es an der Musikschule Rothenburg am Neckar zwar bis zur C-Prüfung gebracht, ("Mit mir saßen da zu allem entschiedene schwäbische Hausfrauen und versuchten sich an den schweren Brocken"), aber selbst zu spielen, getraute er sich an diesem Nachmittag nicht. Der Meister steuerte nur lustvoll seine Erinnerungen einer einzigartigen Hilfsorganisten-Karriere bei. Der hauseigene Domorganist spielte Schmidts Greatest Hits auf der vielpfeifigen Klais-Orgel und  - in Ballettschuhen.  "Ja, das ist Protestantismus", jubelte der Late-Night-Papst als er die Schühchen des Kirchenmusikdirektors entdeckte,  "bei uns im Vatikan tragen nur die Priester Ballettschuhe."

Bachs Toccata, Préludes, Choräle, "Take five" und das Weihnachtsoratorium, "passt zwar nicht in die Zeit, aber darauf können wir jetzt keine Rücksicht nehmen. Wir brauchen hier Hit auf Hit."  Dazu gehörte natürlich auch der gefürchtete Sacro-Pop-Kracher "Danke für diesen guten Morgen, danke für meine Arbeitsstelle....". Anweisung an den Organisten: "Wir spielen es mit dem absoluten Abräumer, dieser Halbtonverschiebung."

Der Leib Christi. Und dazu "Je t'aime"

Schmidt erzählte, wie er damals als junger, schwäbischer Organist mit viel Getöse die Toccata übte, um zu übertönen, wie unten der Pfarrer den Kirchenboden bohnerte. Wie er sonntags drei Gottesdienste hintereinander so schlecht spielte, dass "die Gemeinde meine Mutter ansprach" und er trotzig erklärte, "das gehört so, das ist Max Reger zu Ende gedacht". Max Reger, der berühmte Orgel-Komponist. Er mimte, wie sein Diakon die Kommunionkinder in die Kirche führte, während er unabgesprochen "A whiter shade of Pale" spielte. Alle dachten, es sei was Kirchliches.

Für Hochzeiten habe er bereits als 15jähriger dreissig Mark bekommen, so der Wahl-Kölner. "Harald, erscht kommt mei Schwager un fodografiert, dann singt mei Schweschter 'Let it be' un dann wärs subber, wenn du beim Auszug "Eurovision" spiele könnschd".  Oft habe er zur Wandlung ein wuchtiges "Smoke on the Water" intoniert. Oder vor den Gottesdiensten gewettet, dass er "Je t'aime" spielen würde, während die Kommunion ausgeteilt würde. 

Natürlich erzählte er von den "Pietcongs"im Kirchenchor, von Nachmittagen, an denen er sich in der Kathedrale Saint-Sulpice von Paris Saint-Germain herumtrieb, weil er gehört hatte, dass Cathérine Deneuve dort manchmal zum Beten kam. "Sie kam aber nicht, musste ich halt in den Gottesdienst." Schließlich garnierte der Katholik Schmidt seinen Vortrag mit einem würzigen Martin-Luther-Zitat: "Lieber Ratten im Keller als Verwandte im Haus".

Großer Gott, wir loben dich. Und Herr im Himmel, wie schade, dass Harald Schmidt nicht mit seinen Kirchenhits auf Tournee gehen will.


Die Playlist:


J. S. Bach             Toccata d-Moll, BWV 565

1685-1750


J. S. Bach               Wachet auf ruft uns die Stimme, BWV 645


C. Franck               Prélude

1822-1890


Choral   "Lobe den Herren"

Choral    "Großer Gott wir loben Dich"


"Danke"


P. Desmond             "Take five"

1924-1977