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Meghan verklagt "Mail on Sunday": Wie Prinz Harrys Trauma seine Gegenwart prägt

Prinz Harry und seine Frau Meghan verklagen das britische Boulevardblatt "Mail on Sunday". Der Grund für Harrys Wut liegt in seiner Vergangenheit. Aber auch Meghan könnte einige Dinge anders machen.

Prinz Harry und Herzogin Meghan zum Abschluss ihrer Afrikareise in Johannesburg

Prinz Harry und Herzogin Meghan zum Abschluss ihrer Afrikareise in Johannesburg

Getty Images

Das Schwierige an Kindheitstraumata ist, dass sie, wenn nicht therapiert, immer wieder hochkommen und das Verhalten unbewusst beeinflussen, wenn man später im Leben vergleichbaren Situationen ausgesetzt ist - oder es sich vielleicht auch nur einbildet.

Genau das scheint gerade dem Herzog von Sussex passiert zu sein. Prinz Harry war erst zwölf Jahre alt, als seine Mutter Diana, geschiedene Prinzessin von Wales, 1997 bei einem tragischen Autounfall in Paris ums Leben kam. Der Untersuchungsrichter befand schließlich, dass die Unfallursache im Alkohol- und Drogenpegel im Blut des Chauffeurs zu suchen sei, und der Grund für ihre tödlichen Verletzungen darin liege, dass die 37-Jährige nicht angeschnallt gewesen war. Denn, was leicht vergessen wird: Hätte Diana, im Fond einer großen Mercedes-Limousine sitzend, schlicht den Sicherheitsgurt angelegt, hätte sie den Unfall ziemlich sicher überlebt, so wie ihr Bodyguard auf dem Beifahrersitz, auch das hatten Gutachter während des späteren Gerichtsverfahrens bestätigt.

Prinz Harry gibt Paparazzi Schuld am Tod seiner Mutter

Doch dem kleinen Prinzen, der so früh seine Mutter verloren hatte, prägte sich vor allem eine Version der Geschichte ein: Die aufdringlichen Fotografen, die seiner Mutter schon jahrelang das Leben schwer gemacht hatten mit ihrer Jagd auf Schnappschüsse von ihr, hatten sie schließlich zu Tode gehetzt. Dass die Prinzessin von Wales teilweise strategisch geschickt aktiv die Nähe zu den Medien suchte, um die Berichterstattung über sich und Harrys Vater Prinz Charles in ihrem Sinne zu beeinflussen, hat er vielleicht verdrängt. So konstruiert er nun eine Parallele zu den negativen Schlagzeilen, denen er und vor allem auch seine Frau Meghan seit Monaten in digitalen und analogen Medien ausgesetzt sind.

Das reicht von unsäglichen rassistischen Hetztiraden gegen die mütterlicherseits afro-afrikanische Herkunft der Herzogin von Sussex, über Enttäuschungs-Tsunamis von Royal Fans in den Social Media, wenn das neugeborene Kind unter Ausschluss der Öffentlichkeit getauft und auch noch die Namen der Paten verschwiegen werden, bis zu Vorwürfen der Heuchelei, weil das Paar sich einerseits gerne als Klimaaktivisten feiern lässt, andererseits aber auch mal offenbar ohne schlechtes Gewissen für private Kurztrips einen Privatjet besteigt.

Prinz Harry veröffentlicht emotionales Statement

Der wachsende öffentliche Druck der letzten Wochen hat den Herzog wohl nun bewogen, ein hochemotionales Statement  zu veröffentlichen, angeblich komplett selbst formuliert, ohne Rat und Hilfe seiner Pressestelle, in dem er das Verhalten der britischen Presse anprangert und es als Mobbing bezeichnet.

Und damit nicht genug, in einem für die Windsors sehr ungewöhnlichen Schritt verklagt die Herzogin die britische Tageszeitung "Mail on Sunday". Diese hatte vor einiger Zeit einen handschriftlichen Brief Meghans an ihren Vater Thomas Markle abgedruckt, in dem diese versucht hatte, Ansätze für eine Besserung der zerrütteten Vater-Tochter-Beziehung aufzuzeigen. Sollte der Prozess zu ihren Gunsten entschieden werden, will sie das Schmerzensgeld einer Anti-Mobbing-Charity spenden.

Nur ist die Situation von Diana und Meghan wirklich komplett vergleichbar? Richtig ist, dass die Herzogin von Sussex mit einem Vater und Halbgeschwistern geschlagen ist, die seit Bekanntwerden ihrer Beziehung zu einem Mitglied des britischen Königshauses nichts unversucht gelassen haben, auf peinlichste Art und Weise für sich daraus Kapital zu schlagen. Und dass die Medien bei der Jagd nach Bildern und Informationen von den Sussexes oft Grenzen überschreiten.

Herzogin Meghan spannt ihre prominenten Freunde ein

Nicht ganz von der Hand zu weisen ist aber auch, dass Ex-Schauspielerin Meghan dazu neigt, hinter den Kulissen kommunikative Strippen zu ziehen, indem sie prominente Freunde wie George Clooney oder Elton John öffentlich für sich in die Bresche springen lässt.

Das ist definitiv nicht das angemessene Verhalten für eine Schwieger-Enkelin der Queen. Aus Palastkreisen dringen nun immer häufiger Zeichen königlichen Unmuts. Von verschiedenen Seiten wird der Herzogin vorgeworfen, sie verhalte sich weiterhin eher wie ein Hollywood-Promi und nicht wie ein Royal. Überhaupt wirkt das Herzogspaar Sussex nicht besonders konsequent, wenn es einerseits im Übermaß auf Privatsphäre besteht, aber andererseits die Öffentlichkeit sucht und die eigene Prominenz für seine Belange nutzt, wenn es ihm nützlich erscheint.

Ganz anders Harrys Bruder William und seine Frau Kate: Auch der Herzog von Cambridge hat sehr unter dem Tod seiner Mutter gelitten, wie er sogar schon in Interviews zugab. Er war 15 Jahre alt, als sie starb, hat aber aus der schmerzlichen Erfahrung für sich und seine junge Familie eine andere Lehre gezogen. Zwar hegt und pflegt auch er ein tiefsitzendes Misstrauen der Presse gegenüber, weiß aber um die Pflichten, die seine Privilegien als Mitglied des Königshauses und Zweiter in der britischen Thronfolge mit sich bringen, und verhält sich entsprechend.

William und Kate haben auch negative Erfahrungen mit der Presse

Bei öffentlichen Auftritten im Dienste von Königin und Vaterland geben er und seine Frau sich äußerst offen und zugewandt, auch der Presse gegenüber - trotz eigener negativer Erfahrungen in der Vergangenheit. Das Privatleben wird aber konsequent geschützt, außerdem eine gewisse Bescheidenheit und Bodenständigkeit im Lebenswandel geübt, wo möglich. Da hat William die Haltung seiner Großmutter übernommen ."Never explain, never complain!" lautet seit jeher ihr Wahlspruch.

Man kann nur hoffen, dass der Herzog von Sussex, vielleicht mithilfe seines Bruders, bald erkennt, dass die Überzeugungen des kleinen Prinzen Harry vielleicht hier und da einer Neubewertung bedürfen, und die seiner Frau desgleichen. Sonst wird die von ihm monierte kritische Berichterstattung der Medien über ihn und Meghan so schnell nicht aufhören, egal wie das Gerichtsverfahren um den veröffentlichten Brief ausgeht.

  • Catrin Bartenbach
    Catrin Bartenbach