VG-Wort Pixel

Hochzeit in Luxemburg Traumprinz heiratet graue Maus


Es war als die Traumhochzeit des Jahres angekündigt: Guillaume von Luxemburg hat Stéphanie de Lannoy geheiratet. Doch trotz viel Glanz und Gloria - zu Tränen gerührt hat das Paar nicht.
Von Jens Maier

Bei Kronprinzessin Victoria und ihrem Daniel haben wir vor Glück geweint, mit Prinz William und seiner Catherine vor Freude gejubelt. Auch die Vermählung von Luxemburgs Erbgroßherzog Guillaume und der belgischen Gräfin Stéphanie de Lannoy am Samstag hatte alles, was zu einer Märchenhochzeit dazugehört: einen stattlichen Prinzen, eine schüchterne Prinzessin, eine illustre Hochzeitsgesellschaft und jede Menge euphorische Untertanen. Ähnliche Gefühle wie in Stockholm vor zwei Jahren oder in London 2011 wollten trotzdem nicht aufkommen.

Woran das lag? Am Bräutigam sicher nicht. Zwar war Erbgroßherzog Guillaume selbst Kennern europäischer Adelshäuser bislang weitgehend unbekannt, doch der 30-Jährige galt neben Prinz Harry aus Großbritannien und Prinz Carl Philip von Schweden als einer der begehrtesten Junggesellen des Kontinents. Guillaume ist nicht nur gebildet und intelligent und erbt neben dem Thron seines Vaters ein stattliches Vermögen von mehreren Milliarden Euro, sondern er sieht auch noch gut aus. Groß, dunkelhaarig, breitschultrig mit einem verschmitzten Lächeln. Kurzum: Guillaume ist eine gute Partie.

Pippa hat gefehlt

Auch die Hochzeitszeremonie stand denen im Vereinigten Königreich oder im Königreich Schweden kaum in etwas nach. 1400 Gäste hatten sich in der Kathedrale Notre Dame in Luxemburg versammelt. Darunter gekrönte Häupter wie Königin Beatrix aus den Niederlanden, Königin Silvia von Schweden, König Harald von Norwegen oder Königin Margrethe von Dänemark und viele Königskinder und Thronfolger. Dass die Windsors nicht William und Kate, sondern mit Prinz Edward und Prinzessin Sophie nur die dritte Garde zu den Nassauern entsandten, war zwar schade, tat der feierlichen Stimmung aber keinen Abbruch.

Gefehlt hat da eher eine Brautjungfer vom Schlage einer Pippa Middleton. Als "Hintern der Nation" machte die kleine Schwester von Kate Middleton nach deren Hochzeit im vergangen Jahr Schlagzeilen und stahl der Braut vorübergehend sogar die Schau. Gräfin Stéphanie de Lannoy hingegen hatte die Aufmerksamkeit für sich. Als sie mit ihrem elfenbeinfarbenen Kleid mit der meterlangen Schleppe den Altar entlang schritt waren die Augen nur auf sie gerichtet. Eine zauberhafte Braut - und doch ist Stéphanie keine Märchenprinzessin.

Die 28-Jährige ist intelligent, spricht mehrere Sprachen fließend und lernte in Windeseile Luxemburgisch. Vor acht Jahren hat sie Guillaume kennengelernt. Es war Sympathie auf den ersten Blick. Doch das Paar verlor sich zunächst wieder aus den Augen, sie studierte an der Katholieke Universiteit in Leuven, er in London und im französischen Angers. "Vor drei Jahren begann unsere Geschichte", sagt Stéphanie. Aus Sympathie wurde Liebe und Stéphanie eroberte nicht nur das Herz ihres Erbgroßherzogs, sondern auch das der Luxemburger im Sturm.

Im Vergleich zu ihren Kolleginnen wirkt Stéphanie farblos

Mit dem Rest Europas ist ihr das allerdings nicht gelungen. In Klatschblättern wird lieber über Charlene von Monaco oder Herzogin Catherine aus Großbritannien berichtet. Warum? Vielleicht weil Stéphanie nicht über die gleichen Model-Qualitäten wie ihre Kolleginnen verfügt. Im Vergleich zu Kate wirkt sie wie ein graues Mäuschen. Sie ist eher schüchtern, eher bedächtig als überschwänglich. Dass ihre Hochzeit keine war, die uns zu Tränen rührte, liegt aber nicht nur an der farblosen Braut, sondern vor allem an ihrem Stand.

Stéphanie ist keine Bürgerliche, sondern entstammt belgischem Adel. Damit kann Guillaume auch nicht der heldenhafte Prinz sein, der sich gegen alle Widerstände für die Liebe entscheidet. Ihm stellte sich nicht wie bei Prinzessin Victoria ein wütender Vater entgegen, er musste nicht wie Prinz William seine Großmutter um Erlaubnis fragen. "Wir waren sofort Komplizen", sagt Guillaume über seine erste Begegnung mit der schüchternen Stéphanie. Ihre Hochzeit ist damit eher eine logische Konsequenz. Ihr Kuss auf dem Balkon des großherzoglichen Palais ein Triumph der Vernunft, kein Sturm der Liebe. Dafür gibt es zwar Applaus, aber keine Tränen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker