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Hochzeit von William und Kate: Ein Happy End nach Plan

Zwei Milliarden Fernsehzuschauer in aller Welt haben heute nichts weniger als eine Märchenhochzeit zu sehen bekommen. Schön war sie. Doch richtig ergreifend nicht.

Von Jens Maier

Die Braut dreht sich nochmals zaghaft um. Winkt der jubelnden Menge ein letztes Mal schüchtern vom Balkon des Palastes zu. Fantastisch sieht sie aus. Das champagnerfarbene Brautkleid ist ein wahr gewordener Mädchentraum. Und für sie ist heute nichts weniger als ein Traum wahr geworden: Der Mann an ihrer Seite, der sie nun an die Hand nimmt, ist nicht mehr nur ein Prinz. Er ist jetzt ihr Prinz. Und ein fescher noch dazu: rote Uniform, stolz geschwellte Brust - ein Prinz Charming. Galant sorgt er sich um seine kleine Prinzessin, ehe beide hinter den schweren Vorhängen des mächtigen Schlosses verschwinden. Der letzte Akt einer Märchenhochzeit ist soeben zu Ende gegangen. Und dennoch: Wirklich ergreifend war sie nicht.

Dabei waren alle Zutaten für die ganz großen Emotionen dabei: die Ankunft der Braut in Westminster Abbey, der erste Blick auf das Brautkleid, das Jawort in der Kirche, die Kutschfahrt durch London, der Kuss auf dem Balkon. Und erst die Geschichte drum herum: Acht Jahre hat Kate Middleton auf ihren Traumprinzen gewartet, wurde sogar als "Waity-Katie", wartende Kate, verspottet. Und jetzt hat sie ihn doch bekommen. Der Prinz heiratet eine Bürgerliche, ein Triumph der Liebe. Das ist eigentlich der Stoff, aus dem Hollywood echte Blockbuster macht. Solche, in denen die Zuschauer tief ergriffen in ihre Taschentücher schluchzen und hinterher sagen: Gott, war das schön!

Keine Frage. Schön war sie, diese Hochzeit von Kate und William. Nicht nur wegen des Glanzes in Westminster Abbey, dem Brimborium aus vergoldeten Kutschen und Monster-Hüten, dem fantastisch aussehenden David Beckham oder dem verschmitzt lächelnden Prinz Harry. Sondern vor allem wegen des sympathischen Brautpaars. Man muss sie einfach gerne haben. Ihnen haftet rein gar nichts von der Steifheit an, die den britischen Royals gerne nachgesagt wird. Von dem Mief, der hinter den Palastmauern von Buckingham Palace wabert - wo das Leben vermeintlich nur aus Pflichterfüllung und Etikette besteht. Diese Leichtigkeit, die beide ausstrahlen, hat uns für das Paar eingenommen. Unsere Herzen haben sie allerdings nicht erobert. Nicht heute.

Als Prinzessin Victoria ihren Daniel geheiratet hat, wischte er sich eine dicke Träne unter seiner breiten Hornbrille hervor - und Millionen heulten mit ihm. Als Prinz Haakon seine Mette-Marit geheiratet hat, küsste er sie voller Überschwang auf dem Balkon des Osloer Stadtschlosses - und Millionen fühlten mit ihm. Und als Prinz Frederik von Dänemark seine Braut Mary Donaldson geheiratet hat, flossen seine Tränen wie ein Wasserfall - und Millionen litten mit ihm. Das sind die Momente, nach denen wir uns sehnen. Die ganz großen Gefühle. Solche, die in keinem Protokoll stehen. Oder noch viel besser: Solche, die sich über jedes Protokoll hinwegsetzen.

Sie sind der Beweis dafür, dass Liebe alles darf - und alles kann. Die ganz großen Gefühle - in London war heute leider kein Platz für sie. Alles lief nach Plan und damit genau so, wie es das Zeremoniell vorschrieb. Die Queen wird hoch zufrieden sein. Schade. Doch eines tröstet uns. Auch ohne Beweis wissen wir, dass diese Heirat das Ergebnis einer ganz großen Liebe ist. Der Mann, der heute vor den Traualtar getreten ist, wird seine Frau auf Händen tragen. Schööön.