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Wrestling-Star zieht vor Gericht: Die Sexakte Hulk Hogan

Der ehemalige Wrestling-Star Hulk Hogan zieht vor Gericht, weil ein Internetportal ein Sextape von ihm veröffentlichte. Dabei prahlt er sonst eigentlich gern über seine Männlichkeit und bevorzugte Sexpraktiken.

Von Andreas Renner, Los Angeles

Hulk Hogan zeigt gerne was er hat: Gegen die Veröffentlichung eines privaten Sextapes hat er jedoch was

Hulk Hogan zeigt gerne was er hat: Gegen die Veröffentlichung eines privaten Sextapes zieht er jetzt jedoch vor Gericht

Dass sich Stars beim Sex filmen oder filmen lassen, ist nicht wirklich neu. Dass die schlüpfrigen Sexfilmchen irgendwann im Internet landen und Millionen von Leuten Spaß daran haben, Prominente beim Liebesakt zu beobachten – alles schon da gewesen. Kim Kardashian, Paris Hilton, Pamela Anderson, Colin Farrell, Kid Rock, ja sogar Verne Troyer, der kleingewachsene "Mini Me" aus den "Austin Powers"-Filmen wurden schon nackig beim Sexspiel gefilmt. Mithilfe von Anwälten erwirkten die liebestollen Promis stets, dass die Filmchen letztlich aus dem Internet verschwanden – auf eine gerichtliche Auseinandersetzung verzichteten sie aber alle. Aus Angst vor weiteren peinlichen Enthüllungen.

Nachrichtenwert vs. Privatsphäre

Weniger schmerzfrei sieht das der einstige Wrestling-Star Hulk Hogan aka Terry Bollea. Der vergnügte sich 2012 mit Heather Clem zwischen den Laken, der Ex-Frau seines guten Freundes "Bubba the Love Sponge", der das Liebesspiel offenbar auch filmte. Das Internetportal "Gawker" veröffentlichte das zumeist unscharfe Sextape, das offenbar ein untreuer Mitarbeiter Hogans in Umlauf brachte. Das Video wurde mehr als 2,5 Millionen Mal geklickt. Zuvor hatten bereits Medien wie die "Huffington Post" über die Existenz des Filmchens berichtet. Der Gründer der Klatschplattform "Gawker", Nick Denton, sieht in der Veröffentlichung daher einen wesentlichen Nachrichtenwert, während Hogan seine Privatsphäre verletzt sieht.

Ruin für das Internetportal

Nun kommt es Anfang Juli zum Gerichtsstreit zwischen den beiden – der erste Sextape-Skandal der von einem Geschworenengericht entschieden werden muss. Es geht um 100 Millionen Dollar, so viel Schadenersatz  fordert Hogan von "Gawker". Der Fall lässt die Medienbranche aufhorchen. Sollte Hogan gewinnen, dürfte er das 2003 gegründete und in Privatbesitz befindliche Portal in den Ruin schicken. "Und es wäre eine laute Botschaft an die gesamte Medienlandschaft, künftig etwas vorsichtiger umzugehen mit der Privatsphäre der Stars", sagt Eri Gardner, Senior Editor des Branchenblatts "The Hollywood Reporter".

Dass der einstige Wrestling-Held den Gerichtssaal als Gewinner verlässt, bezweifeln Anwälte und Rechtsexperten wie Dan Abrams. "Aus rechtlicher Sicht hat 'Gawker' die Trümpfe in der Hand, denn Hogan prahlte bereits in der Vergangenheit sehr offen mit seiner Sexualität. Das Argument, seine Privatsphäre sei in diesem Fall verletzt, während er anderweitig keine Gelegenheit auslässt, sehr freizügig über sein Sexualleben zu plaudern, werden die Anwälte von 'Gawker' mit allen Mitteln versuchen zu entkräften." Hogans Anwalt Charles Harder beruft sich hingegen auf die Verfassung, wonach "private Aktivitäten in einem privaten Umfeld rechtlich geschützt sind".

Schmutzige Details im Gericht

Die Lage ist verzwickt: Experten rechnen damit, dass der Prozess zur Schlammschlacht zwischen den Parteien ausufert: Das Gericht werde sich mit Details aus dem Leben von Hulk Hogan beschäftigen, mit Szenen aus seiner Reality-Show "Hogan Knows Best", bei der er den Produzenten sogar den Schlüssel für sein Haus gab, damit man ihn nachts beim Nacktschlafen filmen konnte. Oder mit seinen Auftritten in der Radiosendung von Howard Stern, wo er sehr explizit von seinem Sexleben mit Ehefrau Linda berichtete, auf welche Körperteile einer Frau er am liebsten ejakuliert und wie er seinen markanten Schnurrbart einsetzt, wenn er eine Frau oral befriedigt.

Die Geschworenen werden wohl auch Hogans Biografie "My Life Outside The Ring" lesen müssen, in der er keine Scheu hatte, über die Größe seines Geschlechtsteils zu berichten. Dem gegenüber steht die Frage, wie der Begriff Nachrichtenwert zu bewerten ist. War es richtig oder falsch von "Gawker", das Sextape zu veröffentlichen? Diente das tatsächlich der Information der Öffentlichkeit – oder einfach nur der Steigerung der Klickzahlen? Am 6. Juli beginnt der Prozess in Florida – am ersten Verhandlungstag wird wahrscheinlich zunächst der Stein des Anstoßes gesichtet, das Sextape von Hulk Hogan.