VG-Wort Pixel

Hummels-Freundin Cathy Fischer Balla Balla aus Brasilien


Sie ist die Freundin von Mats Hummels: Cathy Fischer will mit dem Klischee aufräumen, Spielerfrauen seien dumm. Doch ihre Aufsätze über "Soja-Latte" und Ronaldos "rasierte Beine" sind ein Eigentor.
Von Jens Maier

Erinnern Sie sich noch an Loriots Jodeldiplom? Frau Hoppenstedt ist sehr stolz darauf, jodeln zu können. Denn dann hat sie als Frau "auch was eigenes". Ganz ähnlich ergeht es Cathy Fischer. Die Freundin von Mats Hummels will beweisen, dass Spielerfrauen nicht dumm sind. "Nein, die Klischees, mit denen Spielerfrauen sofort abgestempelt werden, stimmen überhaupt nicht", sagt sie. Und wie könnte sie das überzeugender darlegen, als mit einer Kolumne in der "Bild"-Zeitung. Ganz im Geist der Suffragetten heißt ihre Mission "Cathy geht style". Frau Fischer will der Welt beweisen, wie sie wirklich ist: "liebevoll, stylish - und, ja, intelligent."

Unter Überschriften wie "Cathy knackt die Kokosnuss", "Land unter - aber nicht Schland unter" oder "Soja-Latte schmeckt hier noch besser" berichtet die 26-Jährige täglich aus dem WM-Gastgeberland Brasilien. Über "Land und Leute und bunte Themen", wie sie selbst sagt. Vor allem geht es aber um Cathy selbst. Ganz matthäus-esk schreckt Frau Fischer weder davor zurück, über sich in der dritten Person zu sprechen ("mir ist wichtig, dass Sie auch Cathy Fischer kennenlernen"), noch über trivialste Alltagsgeschehnisse zu berichten ("Dafür war mein Soja-Latte hier noch besser als in Deutschland - und umgerechnet einen Euro billiger").

Cathy, die Intelligenzbestie

Doch im Kampf gegen Spielerfrauen-Klischees zieht Cathy Fischer alle Register. Die Leser erfahren nicht nur, dass sie sich als "TV-Moderatorin und Mode-Kolumnistin ihren Lifestyle selbst finanziert", sondern auch, dass sie eine Intelligenzbestie ist. "Ich habe doch nicht ein Auslandsjahr in den USA absolviert, mein Abitur mit der Note 2,0 und mein BWL-Studium mit der Note 2,3 abgeschlossen, nur um mir einmal pro Woche die Haare für das Stadion hübsch zu machen", sagt sie. Um das zu unterstreichen, widmet sie sich in ihrer neusten Kolumne intellektuellen Problemen: "Ronaldo hat rasiertere Beine als ich." Wow, für diese Erkenntnis braucht es eine Akademikerin.

Das Erschreckende an ihren hanebüchenen Aufsätzen ist aber nicht nur, wie weit Selbst- und Fremdwahrnehmung von Cathy Fischer auseinanderfallen. Sondern vor allem, wie vieler Vorurteile sich die selbsternannte Christabel Pankhurst der Spielerfrauen bedient. Als Amazone im Kampf gegen Klischees weiß Cathy Fischer nämlich zu berichten, dass in Brasilien böse Krankheiten und dreiste Diebe lauern. Kostprobe gefällig? Sie trinkt nur mit Strohhalm, denn "mit Keimen bin ich hier vorsichtig". Auch hat sie vorsichtshalber ihre Armbanduhr zu Hause gelassen - "auch wenn es mir schwerfällt“. Aber sie habe "des Öfteren gehört, dass die Brasilianer, wenn sie etwas sehen, was ihnen gefällt, sich das einfach holen". Wirklich schlimm, diese Südamerikaner.

Spott auf Twitter und Co.

In sozialen Netzwerken machen sich viele User bereits über Cathy Fischer lustig. "Wenn du denkst, unter dem IQ 0 gäb's nichts mehr, kommt von irgendwo noch Cathy Fischer her", spottet einer auf Twitter. Dass Fischers Kolumne als Satire nicht besser hätte erfunden werden können, konstatiert ein anderer: "Mats Hummels Freundin schreibt eine WM-Kolumne für die BILD. Vielleicht war's auch die Titanic. Man weiß es nicht." Oder wie es ein Kommentator auf den Punkt bring: "Mein Name ist Soja! Und der Rest ist Latte."

Fischer in der Favela

Bis ins Hotelzimmer nach Brasilien, aus dem Fischer gerne auf dem Bett liegend über die Probleme des Jetlag philosophiert (Lösung: "ein spannendes Buch lesen"), scheint sich die Kritik noch nicht herumgesprochen zu haben. In einem Interview mit "Welt.de" sagt die Neu-Kolumnistin über die Reaktionen: "Positiv. Die meisten finden es gut, dass ich das mache." Und um auch die letzten Zweifler von sich zu überzeugen, hat sich "die Hummels-Freundin", wie "Bild" sie liebevoll nennt, schon etwas Neues ausgedacht. Sie will eine Favela besuchen. "Ich würde mich vorher informieren, was die Menschen dort brauchen, und es ihnen mitbringen", sagt der gute Mensch von Porto Alegre. So ist sie eben, die Cathy: "liebevoll, stylish - und, ja, intelligent." Holla-dihi-di-dudel-dö.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker