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James-Bond-Premiere: Ein Quantum Kälte in Berlin

Am Montagabend hat Berlin die Premiere des neuen 007-Abenteuers gefeiert - Promi-Schaulaufen inklusive. Leder war dabei die bessere Wahl, Daniel Craig klammerte sich an seiner Freundin fest, und Oliver Pocher war der Letzte. Vor allem aber war es saukalt.

Von Sophie Albers

Nehmen wir mal an, Sie gehen auf die Premiere des neuen James-Bond-Films "Ein Quantum Trost". Es ist Anfang November, Berliner Kontinentalklima, Nieselregen. Was ziehen Sie an? Und was würden Sie gern anziehen? Rund 250 Meter lang ist der rote Teppich bis zum Eingang des Kinos. Und Sie müssen vorbei an Sicherheitsleuten, PR-Agenten und den gierigen Augen von Fans, Fotografen und Journalisten, die an den Absperrgittern kleben wie Gerhard Schröder einst am Zaun vom Kanzleramt.

Sind Sie eine Frau, wollen Sie vielleicht spielerisch mit dem Thema 007 umgehen. Wer wäre nicht gern mal ein Bond-Girl? Welche deutsche C-Prominenz würde dafür nicht auf jede weitere Teilnahme an Kochsendungen verzichten? An ebendiesem Abend trieb dieser Wunsch mitunter seltsame Blüten. Deshalb sei an Ort und Stelle klargestellt: Ein praller, paillettengerahmter Ausschnitt bis zum Solarplexus macht keine Halle Berry, und Minirockfetzen in Kombination mit blonden Extensions keine Ursula Andress.

Bleibt die klassische Lösung: Abend- oder Cocktailkleid. Das sollten Sie allerdings nur tun, wenn Sie das Zeug dazu haben, mit dem aktuellen Bond-Girl Olga Kurylenko in Konkurrenz zu treten. Die musste in ihrem schwarzen Corsagenkleid neben der Kälte viele Fragen und Fotos ertragen und hatte nicht den Hauch einer Gänsehaut - trotz gefühlten null Grad. Das sah bei anderen Teppich-Tänzerinnen schon anders aus, bis hin zum unkontrollierten Zittern der Haut. Yvonne Catterfeld war schlau oder auch Temperatur-informiert genug, sich einfach einen Anzug anzuziehen und mit ihrem Freund und Kollegen Oliver Wnuk im Partnerlook aufzutauchen.

Denn ja: Männer hatten es an diesem Abend leichter. Anzüge können auch mit Mantel nach britischem Nobelschneider aussehen. Dann vielleicht doch lieber Jeans, Stiefel und dicke Jacke? Haben viele Frauen gemacht, sahen aber aus, als gehörten sie auf die andere Seite der Absperrung.

Die Antwort des Abends war Leder. Schwarzes, enges Leder, das vor allem an Moderatorin Nazan Eckes und Model Nadja Auermann nett anzusehen war. Obwohl Eckes trotzdem gefroren haben muss, denn Komiker Mario Barth legte ihr beim Kurzinterview fürsorglich sein Jackett um die Schultern. Ebenfalls eine Augenweide war die Gattin des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer, die sich derzeit als Filmproduzentin versucht. Sie trug eine gold-grüne Kombination aus Rock und Jacke, wobei Letztere von einer neckischen Glitzerschnalle in Form einer Pistole zusammengehalten wurde. Das überstrahlte fast das eher unwillige Gesicht Fischers, der eigentlich froh hätte sein sollen, dass er einen grauen Mantel anstatt wenig wärmendem Glamour zur Schau tragen konnte.

Gleich nach Kai Pflaume - Lackschuhe und Samtjackett - kommt dann auch schon der neue Bond. Daniel Craig trägt einen wollenen, langen Doppelreiher, während seine schmale Freundin in einer schwarzen Robe dem Berliner Fastwinter trotzt. Und sie bringt sogar noch die Kraft auf, ihren Freund zu beruhigen: Nach vorne souverän - "Ich mache meinen Job" -, sieht es hinter dem Rücken von Craig etwas unentspannter aus. Da knetet er die Finger seiner Freundin, erst mit einer Hand und schließlich sogar mit beiden. Aber vielleicht ist ihr ja auch nur kalt.

Regisseur Marc Foster überzeugt in grauem Glencheck. Dann kommt Oliver Kalkofe in seinem schwarzen Trenchcoat für alle Wetter-Fälle. Bernd Eichinger huscht mit Schal und Frau vorbei, und Oliver Berben, auch in einen Mantel gewickelt, fragt mehrfach: "Alles cool? Alles cool?" Definitiv zu cool. Olga Kurylenko trägt mittlerweile eine Jacke über den betörenden Schultern. Und auch Caroline Beil gibt zu, dass sie friert.

Und dann, als alle schon im warmen Kino verschwunden sind, fangen die verfrorenen Fankörper hinter den Absperrgittern noch mal an zu schreien. Fast verschluckt von einem schwarzen Wildledermantel mit riesigem Fellkragen absolviert Oliver Pocher seinen Auftritt. Und weil er auch noch einen dicken lilafarbenen Schal drunter trägt, lässt er ein paar Journalisten einfach eiskalt abblitzen.