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Kachelmann und sein mutmaßliches Opfer: "Immer sehr verliebt"

Wer ist die Frau, die Wetterexperte Jörg Kachelmann angeblich vergewaltigt hat? Boulevardblätter wollen die Identität des Opfers geklärt haben.

Von Manuela Pfohl

Als er am Mittwoch nach dem Termin beim Haftrichter in Mannheim in den Gefangentransporter stieg, lächelte Jörg Kachelmann in die Kameras und versicherte noch einmal: "Ich bin unschuldig." Eine Fangemeinde des 51-Jährigen, die auf Facebook immerhin schon rund 200 User zählt, fordert kämpferisch "Free Kachelmann". Für sie steht fest: Die Böse in der ganzen Geschichte ist Kachelmanns Ex-Freundin. Doch wer ist eigentlich die Frau, die behauptet, Kachelmann habe sie im Februar nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen vergewaltigt?

Glaubt man dem Schweizer Boulevardmagazin "Blick", dann handelt es sich um eine 37-jährige Radiomoderatorin aus dem baden-württembergischen Schwetzingen, die der Schweizer Wetterprofi vor rund elf Jahren bei der Benefiz-Gala "Ball der Sterne" im Rosengarten von Mannheim kennenlernte. Sie habe, so "Blick", im Glauben gelebt, irgendwann mal mit ihm zusammen zu ziehen. Das Boulevardblatt nennt sie Petra.

Das Verhältnis blieb nicht unbemerkt

"Blick" schreibt: "In der Schwetzinger Altstadt ließen sich Jörg und Petra oft zusammen blicken." Als Beleg dafür zitiert das Blatt den Wirt eines Schwetzinger Restaurants: "Die beiden aßen oft zusammen in meinem Restaurant. Zuletzt waren sie im Januar bei mir. Die beiden wirkten immer noch sehr verliebt." Die Wirtin ergänzt: "Sie waren in den letzten Jahren oft meine Gäste. Und haben immer sehr verliebt und harmonisch zusammen gewirkt."

In der Kleinstadt sei das langjährige Verhältnis nicht unbemerkt geblieben, meldet das Boulevardblatt. Petras Nachbar Giuseppe Romano zu "Blick": "Ich habe hier öfter ein dunkles Auto mit Schweizer Kennzeichen vor der Tür gesehen. Kachelmann hat in ihrer Garage geparkt und war mal länger und mal kürzer da. Auch vor dem Haus hab ich ihn einige Male gesehen und erkannt." Aufgefallen sei ihm allerdings, dass sich der Schweizer in der letzten Zeit nicht mehr in der Siedlung habe sehen lassen.

Beziehung "mit großem Knall" geendet

Petras Anwalt Thomas Franz habe erklärt, dass die Beziehung mit einem "großen Knall" geendet habe. "Es gab einen Anlass, aufgrund dessen es zu einer Diskussion kam, dann zu Streitigkeiten. Dann folgte die Tat. Völlig spontan, unvermittelt und unvorhersehbar für meine Mandantin", zitiert "Blick" den Anwalt. Und: "Es kam in der Beziehung nie zu irgendwelchen Gewalttaten, nie zu irgendwelchen Ausrastern." Seine Mandantin sei "über das, was dann geschehen ist, sehr schockiert".

In Schwetzingen selbst herrscht seit Montag der Ausnahmezustand. Ein Redakteur eines regionalen Onlinemediums schreibt am Dienstag: "Es ist schon verrückt, was seit gestern über Schwetzingen hereinbrach. Fernsehteams aus ganz Deutschland und der Schweiz waren vor Ort, Reporter aller großen Zeitungen, gleich ob das Berliner Boulevardblatt BZ oder die seriöse Frankfurter Allgemeine Zeitung, ob die öffentlich-rechtlichen Teams vom Hessischen Rundfunk und ZDF oder die Boulevard-Magazine von RTL oder der Nachrichtensender N 24 - alle Fährten des Kachelmann-Falles führten in die Spargelstadt. In der Redaktion stand das Telefon nicht still. Wir hielten uns daran, den uns bekannten Namen des Opfers nicht preiszugeben."

In den Vorgärten stehen Gartenzwerge

Während die Regionalmedien sich noch um Zurückhaltung im "Fall Kachelmann" und "seiner geheimnisvollen Geliebten" üben, nennt die Boulevardpresse immer neue Details. "Blick" schreibt: "In einer ruhigen Wohnstrasse mit biederen Reihenhäuschen und Kleinwagen vor der Tür wohnt die Frau, die Kachelmann angezeigt hat. Weil der prominente Wetterexperte sie Anfang Februar hier, in ihrer Wohnung, vergewaltigt haben soll. Sie bewohnt in dem Haus eine kleine Dachwohnung. Die Wohnung gehört ihren Eltern, die direkt gegenüber leben. Die zwei Häuser sind nur durch einen kleinen Gartenweg voneinander getrennt. Petras Eltern können ihrer Tochter ins Schlafzimmer blicken. In den Vorgärten stehen Gartenzwerge, die Jalousien sind heruntergelassen."

Zwar gibt es von der 37-Jährigen kein eigenes Statement. Doch die Mutter spricht mit "Blick" und berichtet angeblich unter Tränen: "Das ganze Leben von Jörg ist eine Lüge. Er hat die ganzen elf Jahre nur gelogen." Während der Beziehung zu ihrer Tochter habe er eine andere Frau geheiratet. Ihrer Tochter gehe es nicht gut. "Sie ist zusammengebrochen. Sie ist in der Klinik."

Opfer oder Täterin?

Die Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht Mannheim glauben der Frau - sie sehen einen dringenden Tatverdacht. "Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Angaben der Frau stimmen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Grossmann, zu "Spiegel Online". Die Frau sei ausführlich vernommen worden. "Sowohl die Polizei als auch das Gericht schätzen ihre Aussage als glaubhaft ein", so der Staatsanwalt.

Die Züricher Gratiszeitung "20 Minuten" schürte indes gestern Zweifel an Petras Glaubwürdigkeit und titelte: "Ist die angeblich Vergewaltigte eine Stalkerin?" Die Frage, die dahinter steht: Ist das "angebliche" Opfer vielmehr der Täter?"

Für Petras Anwalt eine absurde Behauptung: "Er hat sie zum Sex gezwungen. Am nächsten Morgen ging meine Mandantin zur Polizei und zeigte die Vergewaltigung an. Wie man das immer bei solchen Taten macht, sind die Beamten mit ihr in die Gynäkologie der Uniklinik Heidelberg gefahren, um sie zu untersuchen. Die Ergebnisse sind eindeutig", so Thomas Franz.

Eine PR-Aktion?

Offenbar konnte Kachelmann auch die Mannheimer Staatsanwaltschaft noch nicht von seiner Unschuld überzeugen. Nach dem Gesprächstermin am Amtsgericht erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Grossmann, es bestehe nach wie vor dringender Tatverdacht und Fluchtgefahr. Ein weiterer Haftprüfungstermin für den TV-Wetterexperten sei zunächst nicht in Sicht. "Es ist nicht abzusehen, wie lange er in Untersuchungshaft bleiben muss", sagte Grossmann.

Unterdessen scheint es jedoch auch schon geplante strategische Offensiven zur medialen Positionierung beider Parteien und entsprechender Sympathiegewinnung zu geben. Während Petras Mutter in die Kameras weint, gibt sich Kachelmann betont locker und selbstbewusst. War sein "Ich bin unschuldig"- Statement kurz vor dem Abtransport in die Justizvollzugsanstalt eine gezielte PR-Aktion?

Noch am Mittwoch hatte der Berliner Medienanwalt Christian Schertz sich empört darüber gezeigt, dass Kachelmann nach dem Gerichtstermin unter medialer Beobachtung abgeführt wurde. "Mir ist kein Fall in der deutschen Pressegeschichte bekannt, wo es die Justiz ermöglicht hat, dass ein bloßer Beschuldigter vor laufenden Kameras in eine grüne Minna weggeschlossen wurde", kritisierte Schertz.

Doch das Mannheimer Amtsgericht weist den Vorwurf zurück, Jörg Kachelmann nach seiner Vernehmung am Mittwoch öffentlich zur Schau gestellt zu haben. "Das Vorgehen wurde mit Herrn Kachelmann abgestimmt, dem auch Gelegenheit gegeben wurde, sich gegenüber der Presse zu äußern", sagte Gerichtssprecher Volker Schmelcher. Es sei zudem rechtlich unstrittig, dass ein Informationsanspruch der Öffentlichkeit "nicht ohne weiteres beiseite geschoben werden kann". Dieser Anspruch müsse mit dem Persönlichkeitsrecht Kachelmanns abgewogen werden. "Eine solche Abwägung hat das Amtsgericht pflichtgemäß vorgenommen", sagte Schmelcher.