HOME

Kampf gegen Armut: Shakira schmiedet Allianz der Latino-Stars

Armut, Gewalt und Kindesmißbrauch: Die Liste der Probleme in ihrer Heimat Südamerika ist lang. Gemeinsam wollen die Latino-Stars Shakira, Ricky Martin, Juanes und Kollegen jetzt antreten, um mit einer Reihe von Mega-Konzerten die Not ihrer Landsleute zu lindern.

Von Tobias Käufer

Für Latino-Popkönigin Shakira geht ein ganz persönlicher Traum in Erfüllung: Erstmals haben sich die größten Superstars ihres Kontinents zusammengeschlossen, um gemeinsam den Kampf gegen Armut, Gewalt, Kindesmißbrauch und für sauberes Trinkwasser aufzunehmen. Mit einer Reihe von Mega-Konzerten in allen Teilen ihres Kontinentes wollen die fünf Latino-Idole Shakira, Juanes (beide Kolumbien), Ricky Martin (Puerto Rico), Juan Luis Guerra (Dominikanische Republik) und Alejandro Sanz (Spanien) künftig nicht nur mehrere Millionen Dollar einsammeln, sondern auch auf die dramatische Situation in Süd- und Mittelamerika hinweisen. Die endgültigen Termine und Austragungsorte sind bislang zwar noch nicht bestätigt, aber die lateinamerikanischen Medien rechnen zum Auftakt fest mit zwei großen Konzerten Mitte Mai in Buenos Aires und Mexiko-Stadt.

Das prominente Quintett gab jetzt im Convention-Center in Miami Beach den Startschuss für die Aktion der im Künstler-Bündnis ALAS (Aktion Solidarität für Lateinamerika) zusammengeschlossenen Künstler. Shakira hatte gemeinsam mit ihrem Landsmann und Literatur-Nobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez die Star-Allianz im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, nachdem sie sich über die mangelnde Unterstützung für ihre leidende Heimat beklagt hatte. Über 50 Topstars aus Musik, Kunst und Literatur sind mittlerweile Mitglieder der neuen Stiftung. Verwaltet werden die eingenommen Gelder von der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID), die als Kooperationspartner auch mit der konkreten Umsetzung von verschiedenen Projektarbeiten beauftragt ist.

"Sie leben wie Unsichtbare"

Entsprechend euphorisch präsentierte sich die mehrfache Grammy-Gewinnerin in Florida: "Im Namen der Künstler, die der Bewegung ALAS beigetreten sind, hoffen wir, dass die Zusammenarbeit mit der BID tausenden von armen Kindern neue Möglichkeiten eröffnet", sagte Shakira. Die Liste der prominenten Namen ist lang: Neben den fünf Musikern, die in Miami Beach die ALAS-Projekte vorstellten, gehören weitere Topstars wie das Glamour-Ehepaar Mark Anthony und Jennifer Lopez ebenso zu den Bündnis-Mitgliedern wie aus Europa Eros Ramazotti oder aus den USA die Rockband R.E.M..

Die Musiker übernehmen die Patenschaft jeweils für ein bestimmtes Themenfeld: Ricky Martin will die Rechte der Kinder zu stärken. Der Puerto Ricaner beschrieb in eindringlichen Worten das Schicksal der etwa 8,5 Millionen nicht registrierten Kinder in Lateinamerika und der Karibik: "Sie leben wie Unsichtbare, denen keinerlei soziale Unterstützung zu Teil wird. Wenn sie die Hände von Menschenhändlern fallen, sind sie rechtlos. Sie existieren ja offiziell nicht einmal." Latino-Rockidol Juanes, selbst Gründer einer Stiftung gegen Anti-Personen-Minen, setzt sich für ein Ende des Bürgerkrieges in seinem Land ein: "Ich bin 1972 geboren und ich habe in diesem Land noch keinen Frieden erlebt. Das ist meine Motivation, diese Aktion zu unterstützen." Merenque-König Juan Luis Guerra aus der Dominikanischen Republik kämpft für die Schaffung von Mikrokrediten, damit zumindest einige der Millionen in bitterer Armut lebenden Latinos eine Chance zur Gründung eines kleinen Unternehmens bekommen.

Signalwirkung für den Rest der Welt

Sanz bildet als Spanier die Brücke zu Europa und hofft auf eine Signalwirkung der Aktion im Rest der Welt, so "dass die Kinder in Lateinamerika sehr bald das bekommen, was sie verdienen. Die Anerkennung ihrer Grundrechte", forderte der erfolgreichste Künstler der iberischen Halbinsel.

Für ALAS-Initiatorin Shakira geht mit dem Startschuss für die kontinentale Initiative ein großer Wunsch in Erfüllung. Bislang war die in Sachen Tonträgerverkauf umsatzstärkste lateinamerikanische Künstlerin mit ihrer eigenen Stiftung "pies descalzos" nur im eigenen Land tätig. In den Städten Quibdo und Bogota hat die Kolumbianerin bereits große Schulkomplexe für tausende von Kindern gebaut. In Barranquilla entsteht derzeit eine kleine Schulstadt für etwa 2000 Kinder aus den Armenvierteln der Heimatstadt Shakiras. Auch aus Deutschland wird Shakira Isabel Mebarak Ripoll, wie die 31 Jahre alte heißblütige Südamerikanerin mit vollem Namen heißt, mit Spenden unterstützt. Der Kölner Fernsehsender RTL ließ einen Teil der Einnahmen aus dem Spendenmarathon 2007 der Shakira-Stiftung zu kommen. "Es ist beeindruckend wie in einer solch zierlichen Person ein solch überwältigendes Maß an Menschlichkeit, Wärme und Engagment steckt", sagte RTL-Chartiy-Chef Wolfram Kons stern.de.

Shakira spendet 40 Millionen Dollar

Shakira hatte zu Beginn ihrer Karriere ein Gelübde abgelegt, dass sie stets einen Teil ihrer Einnahmen für wohltätige Zwecke spenden wird. Bereits mit 18 Jahren gründete sie die Stiftung "pies descalzos". Vor fünf Jahren ernannte sie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, zur offiziellen Botschafterin. Im vergangenen Jahr zahlte Shakira 40 Millionen Dollar in das ALAS-Stiftungsvermögen ein. Damit wurde unter anderem als eine der ersten Aktionen den Erdbebenopfern in Peru geholfen.