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Kindersegen: Vom roten Teppich in den Kreißsaal und zurück

Kinder sind nur ein Klotz am Bein? Nicht in Hollywood, dort ist eine Schwangerschaft so erstrebenswert wie ein Oscar und für beide gilt: je eher, desto besser.

Von Bettina Greve

Kinder sind cool, Schwangerschaften sexy. So scheint das neue Credo in Hollywood zu lauten. Zumindest haben Uma Thurman, 35, Cate Blanchett, 36, und Catherine Zeta Jones, 36, in jüngster Vergangenheit vorgemacht, dass sie Familie und Karriere sehr wohl unter einen Hut bekommen. Neuester Zugang im Kreis der VIP-Mütter: Katie Holmes, 27, und Brooke Shields, 40. Eben noch turnte Holmes als Batman-Liebe über die Leinwand, nun ist sie Mutter einer kleinen Tochter namens Suri, stolzer Vater ist Tom Cruise, 43. Ironischerweise teilt sich seine Tochter den Geburtstag mit Shields Mädchen Grier - nach Shields erster Schwangerschaft hatte Tom Cruise die Schauspielerin öffentlich kritisiert, weil sie ihre Wochenbettdepressionen mit Antidepressiva kuriert hatte.

Eine weitere schöne Schauspieler-Mama ist Gwyneth Paltrow, 33. Paltrow und ihr Mann, der britische Coldplay-Frontman Chris Martin, sind vor wenigen Tagen zum zweiten Mal Eltern geworden. Während die Welt noch darüber feixte, wie das amerikanisch-britische Ehepaar das Geschwisterchen seiner knapp zweijährigen Tochter Apple nennen würde, brachte Paltrow eine Woche vor Ostern in New York einen kleinen Jungen zur Welt. Moses soll er heißen.

Superstars gebären, Deutschland darbt

Moses und Suri könnten sich die Nanny bald mit einer ganzen Schar von Prominentenkindern teilen. Theoretisch wenigstens. Ihre Mütter waren ihren Kolleginnen aus der Film-, Show- oder Musikbranche nämlich nur kurze Zeit voraus.

Während es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt immer weniger Frauen im gebärfähigen Alter gibt und die kaum noch Babys bekommen (Geburtenrate: 1,3), sieht es zwischen New York und Los Angeles besser aus. Die USA sind das einzige Industrieland, in dem sich die Fertilitätsrate auch ohne Familienpolitik seit Jahren bei 2,1 hält. Damit das so bleibt, leisten offenbar auch die Schönen und Reichen ihren Beitrag - fleißiger denn je sogar. Über ihnen müssen im Jahr 2005 besonders fruchtbare Sterne gestanden haben. So viele Schwangerschaften und Geburten wie gegenwärtig hat es bei den Stars selten gegeben.

Muttertag in Hollywood

Dass die US-Pop-Prinzessin Britney Spears vergangenen September als 23-Jährige unter Kaliforniens Sonne ihren Sohn Sean Preston zur Welt gebracht hat, gehört mittlerweile fast zum Allgemeinwissen. "Sexiest Mom of 2005" wurde aber nicht Spears, sondern Denise Richards, 35, Noch-Ehefrau von Charly Sheen.

Auch Michelle Williams, 25, und ihr Verlobter Heath Ledger, 27, dürften seit ihrem Kinoerfolg mit "Brokeback Mountain" hierzulande bekannt sein, bekannt genug wenigstens, um über ihre im Oktober 2005 geborene Tochter Matilda zu berichten. Zwei Monate später schenkte Jennifer Garner, 34, ihrem Gatten Ben Affleck, 33, ein Mädchen namens Violet.

Kinderkriegen als Trend

Allen diesen Müttern scheint der Sprung vom roten Teppich ins Kinderzimmer und zurück problemlos zu gelingen. Natürlich haben sie alle teuer bezahlte Kindermädchen und müssen sich nicht drei Jahre im Voraus um einen Kita-Platz bewerben. Dennoch gab es in Hollywood selten eine solche Selbstverständlichkeit zum Kinderkriegen wie heute. Erfolgreiche Stars auf dem Sprung in die Oberliga scheuen weder Schwangerschaftspausen, noch Mehrbeschäftigung durch Adoptivkinder. Angelina Jolie schleppt sich mit Babybauch, Säugling und Kleinkind durch Uno-Konferenzen und Dritte-Welt-Länder und rundet damit ihr Image als Gewissen der Stars ab.

Und "No Doubt"-Sängerin Gwen Stefani, 36, machte ihren Kinderwunsch sogar zum Thema ihres Soloalbums. Sehnsüchtig sang sie dort von der großen Sangeskarriere und dem Wunsch nach Mutterschaft - inzwischen ziert sie hochschwanger und topmodisch diverse Titelseiten.

Erst das Baby, dann der Oscar

Und noch ein weiterer Trend zeichnet sich ab: Die Promi-Mütter werden immer jünger. Katie Holmes gehört mit 27 zur Altersklasse der nach 1975 geborenen Hollywood-Vertreterinnen, die bereits mit Mitte 20 Mutter werden. So war Kate Winslet gerade 25 Jahre alt, als sie im Oktober 2000 ihre Mia zur Welt brachte, Kate Hudson sogar erst 24, als sie im Januar 2004 mit ihrem Sohn Ryder niederkam, und Reese Witherspoon 23 bei der Geburt ihrer Tochter Ava (1999). Als Witherspoon sich bei der letzten Oscar-Verleihung ihren Applaus für die weibliche Hauptrolle in "Walk The Line" abholte, war sie noch keine 30, aber schon längst zweifache Mutter. Das wäre in den 80er Jahren kaum denkbar gewesen.

In den 90ern undenkbar

Die meisten Frauen der so genannten Babyboomer-Generation dachten mit 30 Jahren an vieles, nur nicht ans Kinderkriegen. Die Pop-Ikone und Leitfigur Madonna, 47, zum Beispiel brachte erst ihre Karriere in Gang und entschied sich spät für eine eigene Familie. Da tickte ihre biologische Uhr bereits laut. Vor gut neun Jahren, mit 38 Jahren, bekam sie Lourdes, erst mit 42 ihren Sohn Rocco.

Kim Basinger, Jahrgang 1953, war sogar erst mit über 40 Jahren Erstgebärende, Emma Thompson, Jahrgang 1959, und Jennifer Beals, Jahrgang 1963, haben sich ebenso lange Zeit gelassen. Eine jedoch hat sie alle übertrumpft: Holly Hunter wurde diesen Januar Mutter von Zwillingen. Da war die Oscar-Preisträgerin ("The Piano") 47 Jahre alt.