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Königliche Hochzeit: Sie haben es getan

Der britische Thronfolger Prinz Charles hat seine Jugendliebe Camilla Parker Bowles geheiratet. Das Paar, seit über 30 Jahren verbandelt, hatte sich mittags im Rathaus von Windsor im Kreis der engsten Familie und Freunde, das Ja-Wort geben.

Der britische Thronfolger Prinz Charles und seine Freundin Camilla Parker Bowles haben am Samstag in Windsor geheiratet. In einer schlichten Zeremonie wurden sie auf dem Standesamt der Kleinstadt bei London getraut. Trauzeugen waren Prinz William und Tom Parker Bowles, die Erstgeborenen aus ihren ersten Ehen. Der standesamtlichen Trauung bleiben allerdings Königin Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Philip (83) fern. Camilla trug ein weißes Chiffonkleid und darüber einen weißen Seidenmantel mit Fischgrätenmuster. Charles erschien im Frack. Die Zahl der Zuschauer an den Straßen war mit 15.000 eher gering. Durch die Trauung ist Camilla nach dem Hofprotokoll zur zweitwichtigsten Frau der britischen Monarchie aufgestiegen. Sie muss jetzt mit "Königliche Hoheit" angeredet werden und führt sämtliche Titel ihres Mannes. Unter anderem ist sie auch Prinzessin von Wales. In der Praxis will sie diesen Titel aber nicht benutzen, da er eng mit mit Charles erster Frau Prinzessin Diana verbunden ist. Stattdessen will sie sich Herzogin von Cornwall nennen lassen.

Kaiserwetter für eine königliche Hochzeit

Vor der Trauung strahlte am Samstagvormittag die Sonne über Schloss Windsor. Hunderte Schaulustige hatten sich bereits am Vormittag bei Temperaturen um den Gefrierpunkt an der Strecke aufgestellt, auf der das Brautpaar am Mittag in einem Rolls-Royce vom Lieblingsschloss der Queen zum nahe gelegenen Standesamt und zurück chauffiert wurde. "Sie haben jedes Recht der Welt darauf, ein glückliches Ehepaar zu sein", sagte ein Zaungast zur Kritik der vergangenen Wochen an der Hochzeit des Thronfolgers mit seiner langjährigen Geliebten. "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein", war auf einem Transparent zu lesen.

Die Zeremonie in einem kleinen Raum dauerte nur 20 Minuten. Höhepunkt der Hochzeitsfeiern ist der anschließende Gottesdienst in der St George's Chapel von Schloss Windsor. Hier wird der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, dem Paar den Segen der Kirche geben. Zu den 800 geladenen Gästen gehören nur wenige Abgesandte ausländischer Königshäuser. Nach dem Kirchgang lädt dann die Queen zum Empfang in ihrem Lieblingsschloss Windsor. Floristen haben hier 35.000 Osterglocken in den Staatsgemächern arrangiert, wo "kalte und warme Speisen" auf das Brautpaar und die Gäste warten. Neben den gelben Narzissen gehören rosa und cremefarbene Lilien, Kamelien, Hortensien und Rosen zum königlichen Hochzeitsschmuck. Die Flitterwochen verbringen Charles und Camilla in Schottland.

Massives Sicherheitsaufgebot

In Windsor hat die britische Polizei ein massives Sicherheitsaufgebot in Stellung gebracht. Scharfschützen auf Dächern, Zivilpolizisten unter den Schaulustigen und Hundestaffeln in den Straßen um Windsor Castle sollen die Sicherheit des Brautpaares und der prominenten Gäste gewährleisten. Außerhalb des Schlosses sind 550 Polizisten im Einsatz, Scotland Yard hat in Windsor Castle dutzende Beamte mobilisiert, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete.

Forderung nach Thronverzicht

Die für ihre raue Bandagen bekannte britische Presse, machte auch vor dem königlichen Brautpaar nicht halt. Die Reaktionen reichten von Glückwünschen bis hin zu Forderungen auf den Thronverzicht. "Das Allerbeste" wünschte die "Daily Mail" den beiden für ihren großen Tag nach den "Katastrophen" im Vorfeld der Trauung. "Keine Küsschen bitte - ziele auf die Lippen", forderte die "Sun" den Thronfolger zu einem leidenschaftlichen Hochzeitskuss auf. Bislang habe Charles seiner Lebensgefährtin in der Öffentlichkeit immer nur ein diskretes Küsschen auf die Wange gedrückt, hieß es weiter. Freunde hätten das Paar nun aufgefordert, den Eheschluss mit einem richtigen Kuss zu besiegeln. Die Zeitung erinnerte daran, dass Charles bei seiner Hochzeit mit Prinzessin Diana im Jahr 1981 Königin Elizabeth II. auf dem Balkon des Buckingham Palastes gefragt hatte, ob er seiner Braut einen richtigen Kuss geben dürfe - was dann auch geschah.

Paul Burrell hingegen, der ehemalige Butler und Vertraute von Diana, fuhr im "Daily Mirror" schwere Geschütze gegen Prinz Charles auf: "Für die Zukunft der Monarchie muss er auf den Thron verzichten." Die Loyalität des Prinzen gelte Camilla und nicht der Monarchie. Die jetzige Hochzeit bezeichnete Burrell als "Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt". Camilla sei "eine Braut in den Gewändern einer toten Frau". Charles hatte sein Liebesverhältnis zu Camilla auch während seiner Ehe mit der 1997 tödlich verunglückten Diana fortgeführt.

Ein Gemälde für Charles und Camilla

Als offizielles Hochzeitsgeschenk aus Australien erhalten Prinz Charles und Camilla Parker Bowles ein Landschaftsgemälde des australischen Künstlers Fred Williams aus dem Jahr 1962 mit dem Titel "Saplings" (Junge Bäume). In einem Glückwunschschreiben an das Paar wünschte Ministerpräsident John Howard den beiden am Samstag eine lange und glückliche gemeinsame Zukunft. Der britische Thronfolger hat Australien erst Ende Februar und Anfang März besucht. "Die Stärke Ihrer Gefühle für unser Land war während Ihres Besuchs deutlich sichtbar und spiegelte sich in dem herzlichen Empfang, der Ihnen bereitet wurde", erklärte Howard.

AP, DPA, Reuters / AP / DPA / Reuters