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Leibwächter fand sie leblos in ihrem Bett: Einsamer Tod der Amy Winehouse

Eine Obduktion soll Aufschluss über die Todesursache von Amy Winehouse geben. Doch schon jetzt ist klar: Sie starb allein in ihrem Bett und litt offenbar unter Liebeskummer.

Von Jens Maier

Es ist Samstagnachmittag um 15.54 Uhr englischer Zeit. Der Bodyguard Andrew Morris betritt im Londoner Stadtteil Camden das Schlafzimmer von Amy Winehouse. Sie hatte sich am Vormittag hingelegt, schläft seit mehreren Stunden. Morris will sie jetzt wecken. Er ist mehr als ihr Leibwächter, er ist ihr Aufpasser. Engagiert von ihrem Management, um Winehouse vor sich selbst zu bewahren. Doch dieses Mal kommt Morris zu spät. Amy Winehouse ist tot. Die 27-Jährige liegt leblos in ihrem Bett.

Vertraute der Sängerin berichteten das Todesdrama der britischen Tageszeitung "The Sun". Seit Bekanntwerden des Todes der britischen Sängerin wird über die Ursache spekuliert. Eine Obduktion soll am Montag Aufschluss über die genauen Gründe geben. In britischen Medien war bereits zu lesen, dass Winehouse nicht an einer Überdosis Drogen, sondern an übermäßigem Alkholkonsum gestorben sein soll. Sie habe sich zu Tode getrunken, heißt es. Doch die Version vom Saufgelage im Haus der Sängerin passt nicht zu der, die Augenzeugen berichten.

Keine Hinweise auf Saufgelage

Ihr PR-Sprecher Chris Goodman sagte der britischen Tageszeitung "The Sun", Amy sei alleine mit ihrem Bodyguard zu Hause gewesen. "Sie war in ihrem Schlafzimmer, nachdem sie erklärt hatte, schlafen zu wollen", sagte Goodman. Dort habe sie der Leibwächter dann am Nachmittag leblos aufgefunden. "Er rief sofort den Notdienst. Er stand schwer unter Schock." Noch wisse niemand, woran Winehouse gestorben sei, erklärte Goodman, aber sie sei alleine in ihrem Bett gestorben.

Auch der Bericht eines Augenzeugen deutet nicht darauf hin, dass zuvor im Haus der Sängerin ein Saufgelage stattgefunden hat. "Es gab keine leeren Flaschen, Spritzen, Crack-Pfeifen oder ähnliches." Offenbar gibt es auch keine Hinweise darauf, dass Winehouse an ihrem Erbrochenem erstickt ist - eine häufige Todesursache bei Alkohol- oder Drogentoten. "Es wird nicht davon ausgegangen, dass sie sich übergeben hat", sagte der Augenzeuge der "Sun". Winehouse sei aber bereits mehrere Stunden tot gewesen sein, als die Notärzte eingetroffen seien. "Die Leichenstarre deutet darauf hin, dass sie mehr als sechs Stunden tot gewesen ist."

Ärzte-Check noch am Freitag

Gerätselt wird deshalb auch darüber, ob Winehouse an den Folgen ihres Lungenemphysems gestorben sein könnte. Die chronische Lungenüberblähung, die den Sauerstoffaustausch behindert und das Atmen erschwert, war Folge des übermaßigen Konsums von Crack und Zigaretten, wie ihr Vater Mitch bereits 2008 erklärt hatte. Winehouse musste sich deshalb regelmäßig von Ärzten behandeln lassen. Zuletzt soll sie am Freitag, keine 24 Stunden vor ihrem Tod, ihren Arzt konsultiert haben. Angeblich ohne Befund.

Mit der Bekanntgabe des Obduktionsberichtes wird frühestens Montagabend gerechnet. Bereits jetzt ist klar, dass Winehouse einen einsamen Tod starb. Weder Vater Mitch, den die Todesnachricht am New Yorker Flughafen erreichte und der umgehend zurück nach London flog, noch Mutter Janis, mit der sich Winehouse noch am Freitag zum Essen getroffen hatte und die sie mit den Worten "I love you, Mom", verabschiedet hatte, konnten bei ihr sein. Immer wieder hatten Vater und Mutter versucht, ihre Tochter vor ihren Drogen- und Alkoholeskapaden zu bewahren - meist vergeblich.

Ex-Mann Blake Fielder-Civil tief bestürzt

Auch der Mann, der wohl am meisten Einfluss auf das tragische Schicksal der Sängerin hatte, war nicht bei ihr: Blake Fielder-Civil. Ihr Ex-Mann sitzt gerade eine 32-monatige Hafstrafe - unter anderem wegen Einbruchs - ab. Er war mitverantwortlich für den Drogensumpf, in den Winehouse immer tiefer hineingeraten war. Aber er war auch der Mann, der die Frau mit der verrückten Bienenkorbfrisur abgöttisch liebte. "Ich werde nie wieder so lieben, wie ich sie geliebt hatte", sagte Fielder-Civil im Gefängnis. "Meine Tränen werden nicht trocknen."

Und auch Reg Traviss, der letzte Mann in Winehouse' Leben, war nicht bei ihr. Der Regisseur hatte verzweifelt versucht, Winehouse vor dem Untergang zu bewahren. "Die Drogen oder ich", lautete sein Ultimatum, nachdem Winehouse beim Auftakt ihrer Europa-Tournee am 18. Juni in Belgrad über die Bühne getorkelt war. Die Entscheidung fiel im vergangenen Monat. Traviss trennte sich von der Sängerin. Am Boden zerstört soll Winehouse deshalb gewesen sein.

Viele ihre Fans machen Traviss jetzt für den Tod von Winehouse mitverantwortlich. Er habe ihr mit der Trennung den Todesstoß versetzt, mutmaßen sie. Sogar wilde Selbstmordtheorien werden aufgestellt. Sie soll sich aus Liebeskummer umgebracht haben. Dabei hat, wie so viele vor ihm, auch er nur versucht, die Sängerin zu retten. Vergeblich. Alkohol und Drogen haben ihr alles genommen. Amy Winehouse' einsamer Tod, er war ein vorhersehbares Schicksal.