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Marlon Brando: Der Pate und das Pupskissen

Durch seine Rolle als knallharter Mafioso Don Corleone wurde er unsterblich. Wenn jetzt Marlon Brandos Nachlass versteigert wird, kommen auch bislang unbekannte Seiten des Schauspielers zu Tage.

Wenn es um Humor ging, stellte Marlon Brando oft keine großen Ansprüche. Johnny Depp entlockte einst dem Kollegen, der lange als "größter Schauspieler Amerikas" galt, mit einer simplen Pupsmaschine kräftige Lachsalven. "Ich fragte ihn, warum er Furze so lustig findet", erzählt Depp von seinem Schauspielkollegen. Die trockene Antwortet: "Weil sie so unverhohlen anti-sozial sind."

Depps Geschenk für den prominenten "Pupsfreund" ist allerdings nicht dabei, wenn bei Christie´s in New York - rund ein Jahr nach Brandos Tod - hunderte Gegenstände aus dem Haus des Superstars in Los Angeles unter den Hammer kommen. Dafür aber jede Menge anderer Schnickschnack, der den zweifachen Oscar-Gewinner als volkstümlichen Spaßvogel zeigt. Ein blutverschmierter Gummifinger zum Beispiel oder auch ein täuschend echt aussehender Bagel aus Plastik, der Betrachter beim Aufklappen mit einer dicken Kakerlake erschreckt.

Wenig Exquisites, viel Interessantes

In Scharen sind Schaulustige durch die Auktionsräume am Rockefeller Center gezogen, wo die 320 Auktionsposten aus der Brando-Villa an der Promi-Wohnstraße Mulholland Drive ausgestellt waren. Exquisites sei allerdings kaum dabei, nörgelte die "New York Times". Jedenfalls nicht, wenn man an Stücke wie Brandos abgenutzte Möbel oder seine kalifornische Fahrerlaubnis denke.

Tatsächlich scheinen auch Posten wie Brandos Jeansjacke (Größe XXL) oder seine Sammlung von Kimonos beim Internetversteigerer Ebay besser aufgehoben zu sein als beim Kunstauktionshaus Christie’s. Doch immerhin ermöglichen die Alltagsgegenstände einen Einblick in das reale Leben eines der größten Stars der Filmgeschichte, der seine Privatsphäre stets abschottete.

Die Prunkstücke der Auktion, bei der sich etliche Prominente mit Brando-Memorabilien versorgen dürften, sind dabei nicht schnöde Alltagsgegenstände wie Möbel, Teppiche oder Vasen. Viel interessanter ist zum Beispiel das eine oder andere Stück aus seiner Korrespondenz. Dazu gehören Briefe von Jack Kerouac und Martin Luther King Jr.. Mit dabei ist auch ein Schriftstück von Francis Ford Coppola. In dem langen Schreiben, entschuldigt sich der Starregisseur für Probleme beim Dreh für den Vietnamkriegsfilm "Apocalypse Now ", in dem Brando den dämonischen Colonel Kurtz spielte. Auch Mario Puzo, Autor des Mafia-Romans "Der Pate", schrieb dem Schauspieler. In einem sehr kurzen Brief bescheinigter er Brando, dass er den Mafia-Paten Don Vito Corleone überzeugend spiele.

Fundgrube für Filmhistoriker

Eine Fundgrube für Filmhistoriker sind zweifellos die Drehbücher, die Brando mit handschriftlichen Hinweisen zu seinen Rollen versah. Allen voran das in rotes Leder gebundene "Der Pate"-Script, für das Christie’s mit mindestens 4000 Dollar rechnet, vermutlich aber weit mehr einnehmen wird.

Insgesamt schätzt das Auktionshaus, dass die Brando-Auktion eine Million Dollar in die Kassen seiner Hinterbliebenen bringen könnte. Die Summe gilt als bewusstes Understatement. Bei vergleichbaren Versteigerungen des Nachlasses von Hollywood-Größen griffen betuchte Fans stets tief in die Tasche.

Als "Duftmarke" gilt bei Christie’s die Auktion von Kleidung und Schmuck Marilyn Monroes. Dabei wurden 1999 viele Einzelstücke für das Zwanzigfache des Schätzwertes zugeschlagen. Modedesigner Tommy Hilfiger etwa zahlte 35.650 Dollar für drei Paar Jeans der berühmtesten Blondine der Welt.

Erst vor einem Jahr trumpfte Christie’s Konkurrent Sotheby’s mit dem Nachlass von Katherine Hepburn auf. Bewunderer der "Zarin Hollywoods" zahlten teils das Hundertfache des Anfangspreises. So brachte eine Büste des Schauspielers und Hepburn-Liebhabers Spencer Tracy 316.000 Dollar. Geschätzt war sie auf 3000 Dollar.

Thomas Burmeister/DPA / DPA