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Hollywoods Poker-Königin Molly Bloom: "Ich war die Schlimmste von allen"

Mit ihren legendären Poker-Partys in Hollywood verdiente Molly Bloom Millionen. Über eine Frau, die mit DiCaprio und Co. feierte, alles verlor, und jetzt zurück nach oben will.

Molly Bloom

Molly Bloom hat sich ihre Strafe abgeholt: Die ehemalige Poker-Königin Hollywoods muss 200 Sozialstunden ableisten und ist ein Jahr auf Bewährung.

Es ist fünf Uhr morgens und Hollywoodstar Tobey Maguire ist mit einer halben Million Dollar in den Miesen - bei einem Pokerspiel. Eigentlich wollte Leonardo DiCaprio noch vorbeikommen, der lässt sich aber Zeit. Dafür verpasst ein schwerreicher Geschäftsmann am Tisch gerade den runden Geburtstag seiner Frau, weil er einfach nicht mit dem Spielen aufhören kann. Die Nerven liegen blank. Nur nicht bei der Gastgeberin: Molly Bloom ist jung, hübsch und hat das Spiel im Griff. Das muss sie auch, es ist ihr Leben. Jahrelang veranstaltete sie die exklusivsten Pokerrunden der USA in Los Angeles und New York. Angefangen hat Bloom als Kellnerin im VIP-Club, ihr Chef holte sie zu den Pokerrunden, irgendwann gehörte das Spiel ihr. Sie verdiente dank saftigen Trinkgeldern bis zu vier Millionen Dollar im Jahr, lockte die reichsten und mächtigsten Männer der Welt an ihren Pokertisch. Bis die Blase platze.

2013 stürmten nachts 20 bewaffnete FBI-Männer Blooms Wohnung und nahmen sie fest. Im Nachthemd und in Handschellen wurde die heute 36-Jährige abgeführt. Und schließlich auch wegen Profits an illegalem Poker angeklagt. Ihr Geld wurde beschlagnahmt, ihr drohte Gefängnis. Weil viele Hollywoodstars involviert waren, fand sich der Fall weltweit in den Medien wieder - ein handfester Skandal. Und Bloom hatte plötzlich alles verloren.

Molly Bloom

"Molly's Game" von Molly Bloom ist im Plassen Verlag erschienen. 352 Seiten, 19,99 Euro.

"Ich war immer stolz darauf, dass ich eben nicht spielte und kein Spielsucht hatte - aber im Grunde war ich die Schlimmste von allen", sagt Bloom, als der stern sie telefonisch zuhause in Los Angeles erreicht. Ihre Stimme klingt sanft und jung für ihr Alter, sie lacht häufig, wirkt sehr höflich. Immer tiefer war sie damals in den Sog des Spiels geraten, hatte irgendwann sogar die Mafia am Hals. Jetzt will sich die Amerikanerin ein neues Leben aufbauen. Erster Schritt: Sie veröffentlicht ein Buch über ihre Zeit als Poker-Insiderin. "Molly's Game" heißt es und ist jetzt auch in Deutschland erschienen.

Das wahre Gesicht von Tobey Maguire 

"Ich hab meinen Anwälten und meiner Familie Geld geschuldet, ich hatte nie meine Seite der Geschichte erzählt und ich wollte einen Neustart“, sagt Bloom über ihre Beweggründe. Sie betont jedoch, kein Enthüllungsbuch geschrieben zu haben. "Ich wollte keine Geschichten erzählen, die Familien, Ehefrauen oder Karrieren gefährden könnten. Ich wollte diese Verantwortung nicht auf mich nehmen", sagt sie. Trotzdem nimmt sie ihre Leser mit in eine wahnsinnig kalte, aber auch glamouröse Parallelwelt, in der Geld keine Rolle spielt und wirkliche Kicks nur noch am Pokertisch zu holen sind. Sie nennt Namen, ja, aber bleibt vage. Der einzige, der schlecht wegkommt, ist Hollywoodstar Tobey Maguire. Geizig sei der reiche Spiderman-Darsteller gewesen, und unglaublich berechnend.

Besonders eine Szene im Buch lässt Maguire eiskalt wirken: Nach einer Pech-behafteten Zockernacht verlangte er von Bloom, dass sie auf den Tisch steige und wie ein Seehund belle. "Was ist los mit Ihnen? Haben Sie hier schon so viel verdient? Dass Sie sich nicht mal mehr dazu herablassen, für 1000 Dollar zu bellen?", soll er sie vor der versammelten Pokerrunde gefragt und die Schikane immer weiter getrieben haben. "Ich hab wirklich hin- und her überlegt, ob ich diese Geschichte über Tobey schreiben soll. Aber die Botschaft war mir wichtig: Wir - besonders wir Frauen - müssen lernen, dass es Grenzen gibt. Man lässt sich nicht einfach die Würde nehmen, egal, von wem. Auch nicht, wenn man dann vielleicht seinen Job verliert. Weil das ein Stück deiner Seele kostet", sagt Bloom, die damals nicht auf Kommando bellte - obwohl sie glaubte, vom guten Willen Maguires abhängig zu sein. Immerhin hatte er einige der vermögendsten Pokerspieler in ihre Runde gebracht.

Geld, Macht, Promis - Bloom hatte alles

Es ist eine der wenigen Grenzen, die Bloom gezogen hat. Jahrelang war sie angefixt vom Spiel, von den Unsummen an Geld, den Promis und ihrer eigenen Macht als Gastgeberin der begehrten Runden. Bloom weiß noch genau, wie es war, als sie das erste Mal "Titanic"-Star Leonardo DiCaprio traf. "Er kam rein und es war im ersten Moment ein Schock. Ich war Anfang 20 und hatte ihn in all seinen Filmen gesehen. Dann hab ich schnell gemerkt, dass er auch ein normaler Typ ist – nur mit unglaublich viel Geld. Je länger ich im Business war, desto besser wusste ich, dass Promis fette Spieler anziehen. Als dann später Ben Affleck auftauchte, war ich schon übersättigt. Na klar, noch ein gutaussehender Filmstar! Mir war nur wichtig, dass er andere Spieler anlockt.“

Während sie sich früher die Nächte mit schwerreichen Promis in Luxushotels um die Ohren schlug, muss sie nun täglich Sozialstunden ableisten. 200, um genau zu sein, und ein Jahr auf Bewährung ist sie auch - das sind ihre Auflagen nach dem Gerichtsprozess. Nach ihrer Verhaftung hatte sie sich einige Zeit zurück zu ihren Eltern aufs Land nach Colorado verzogen, mittlerweile lebt sie wieder in Los Angeles. "Heute bin ich jeden Abend um halb zehn im Bett. Und das gefällt mir", sagt Bloom. Doch ganz unglamourös ist auch ihr neues Leben nicht. Nach der Sozialarbeit trifft sie sich mit Oscargewinner Aaron Sorkin. Er schreibt das Drehbuch zu ihrer Geschichte – das Buch soll verfilmt werden. Bloom ist beratend tätig und produziert den Streifen auch mit. Außerdem träumt sie davon, eine Art Stiftung für Unternehmerinnen ins Leben zu rufen. Wie man ein erfolgreiches Geschäft aufbaut, weiß sie schließlich aus eigener Erfahrung.

"Ich habe viel von der Zeit gelernt. Von Tobey Maguire zum Beispiel, wie man viele Schritte vorausdenkt. Ich habe Fehler gemacht, aber ich bin jetzt selbstsicherer und bescheidener. Ich weiß, was wirklich zählt und dass Geld – so platt es auch klingt – nicht allein glücklich macht. Es muss etwas mit Bedeutung dahinterstehen", sagt Molly Bloom.

Von Tobey Maguire hat sie nie mehr etwas gehört.

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