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Poker der Großklubs Ronaldo, Mbappé, Messi: Wie der Transfersommer plötzlich spektakulär wird

Cristiano Ronaldo (l.), Kylian Mbappé, Lionel Messi
Cristiano Ronaldo (l.), Kylian Mbappé, Lionel Messi
© Andrea Bressanutti / Arnaud Journois / Laurent Zabulo / DPA / Picture Alliance
Ronaldo und Mbappé werden wohl zu anderen Klubs wechseln, Messi hat es schon getan: Zum Ende des Transfersommer wird es auf einmal ziemlich spektakulär – vorherzusehen war das nicht.

Zuletzt haben sich die Meldungen überschlagen. Erst bot Real Madrid 160 Millionen Euro für Kylian Mbappé, um den 22-jährigen Ausnahmestürmer von Paris Saint-Germain in die spanische Hauptstadt zu locken, und legte schließlich noch was drauf. Nach Medienberichten beträgt das Angebot nun zwischen 170 und 180 Millionen Euro. Die Großklubs pokern also nach allen Regeln der Kunst, doch es sieht so aus, als wenn der Deal zustande käme.

Ein Grund ist: Der französische Wunderstürmer will unbedingt weg – und zwar in diesem Sommer, und nicht erst in einem Jahr, wenn sein Vertrag ausläuft. Er will zu seinem Traumverein wechseln. Wie Real Madrid die exorbitante Summe stemmen will, gehört dabei zu den betriebswirtschaftlichen Mysterien des Weltfußballs. Vor Kurzem noch jammerte Präsident Florentino Perez, das Ende sei nahe und Real bald am Ende. Dennoch scheinen sich die Königlichen Mbappé leisten zu können.

PSG kann sich Abgang von Mbappé leisten

Dass PSG überhaupt verhandelt, hängt wiederum damit zusammen, dass Messi verpflichtet wurde. PSG kann sich deshalb einen Abgang Mbappés sportlich leisten. Wäre Messi nicht gekommen, sähe die Situation mit großer Wahrscheinlichkeit anders aus. Allerdings steckte dahinter kein strategischer Plan, sondern blanker Zufall – das ist die besondere Pointe an dieser Transfer-Rochade. Aus Barcelona hieß es lange Zeit, dass der Argentinier bleibe. Er wollte sogar auf die Hälfte seines Gehalts verzichten, um dem hochverschuldeten Verein finanziell entgegenzukommen. Allein das nutzte nichts. Die Katalanen, die sich mit rund 1,35 Milliarden Bruttoschulden herumplagen, stellten nach einem Kassensturz fest, dass sie andere Spieler nicht hätten bezahlen können, wenn Messi geblieben wäre.

Die Trennung war unvermeidlich und PSG griff zu. Für die Pariser ist das ein besonderer Coup: Messi und Neymar sollen endlich den Champions-League-Titel für PSG holen – eine Aufgabe, an der der Klub seit Jahren trotz gewaltiger Investitionen regelmäßig scheitert. Mit diesen beiden gewann auch der FC Barcelona 2015 bislang seinen letzten Titel in der Königsklasse. Für Katar als Klubbesitzer wäre das im Jahr der WM, die Ende des Jahres in dem Land stattfindet, ein maximaler Erfolg.

In Manchester ist ein Plätzchen für Ronaldo frei

Genau wie Messis überraschender Abgang aus Barcelona kommt nun Ronaldos Ende bei Juventus Turin, der den Verein mit großer Wahrscheinlichkeit Richtung Manchester verlassen wird. Es gab zwar schon den ganzen Sommer über Gerüchte über mögliche Wechsel, doch am Ende hat niemand mit dieser Dynamik gerechnet, die zuletzt entstand. Zunächst hieß es, der unzufriedene Portugiese wolle zurück zu seinem Herzensklub Real Madrid, dann wurde er mit Paris Saint-Germain in Verbindung gebracht, um eine Art galaktischen Supersturm mit Lionel Messi und Neymar zu bilden. Zuletzt hatte sein Trainer bei Juventus Turin, Massimiliano Allegri, einen Transfer ausgeschlossen ("Cristiano hat mir gesagt, dass er bleibt"). Doch mittlerweile deutet alles daraufhin, dass Ronaldo nach Manchester geht. Bei Man City ist ein Plätzchen frei, weil Wunschstürmer Harry Kane absagte. Dann stieg United in den Poker ein, denn ein Wechsel des ursprünglich United-eigenen Wunderkindes in Richtung Stadtrivale City, das wäre für United nur schwer zu verkraften.

Nun verhandeln die Vereine, es geht um die vergleichsweise lächerliche Summe von rund 25 Millionen Euro Ablöse. Vor drei Jahren legte Juventus Turin noch 100 Millionen für ihn auf den Tisch. Um überhaut noch einen Cent für den Torjäger zu erhalten, muss Turin den Star ziehen lassen, weil sein Vertrag in einem Jahr ausläuft. Ronaldo soll bereits seinen Spind geräumt haben. Er habe akzeptiert, dass er in England "nur" rund 15 Millionen per Anno kassieren wird.

Die sich abzeichnenden Wechsel von Mbappé und Ronaldo würden den Transfersommer spektakulär abschließen. Vorherzusehen war das nicht.

Quellen: "Kicker", "Süddeutsche Zeitung", "spox.com"


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