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Youtube-Star filmte Suizid-Opfer: Logan Paul postet erstes Video nach Shitstorm. Doch das Problem ist viel größer

Mit einem Video, in dem er schamlos ein Suizid-Opfer zeigt, löste Logan Paul einen Shitstorm aus. Jetzt entschuldigt er sich nochmals öffentlich. Aber reicht es, ihm alleine die Schuld zu geben? 

Logan Paul postet Entschuldigungs-Video

"Ich erwarte keine Vergebung. Ich will nur sagen, dass es mir leid tut": In einem neuen Video entschuldigt sich Logan Paul dafür, ein Suizid-Opfer in Japan gefilmt zu haben. 

Wer auf der Videoplattform Youtube Erfolg haben will, braucht Klicks. Und wer in den letzten 30 Tagen über 300 Millionen Views auf seinen Videos verbuchen konnte, der weiß, wie er eben diese Klicks generiert. Allein im letzten Monat hat "Vlogger" (Videoblogger) über eine Million Abonnenten auf seinem Youtubekanal dazu gewinnen können. Doch nachdem er vor zwei Tagen ein Video hochgeladen hatte, in dem er ein Suizid-Opfer in einem Wald in Japan zeigte, erlebt der 22-Jährige einen Shitstorm, der auch für ihn neu sein dürfte.

Nach einer schriftlichen Entschuldigung folgte nun eine in Video-Form. "Ich erwarte keine Vergebung. Ich will nur sagen, dass es mir leid tut", sagt der Vlogger darin. Er hat Tränen in den Augen, sitzt frontal zur Kamera. Es ist seine bevorzugte Art, mit seinen über 15 Millionen Anhängern zu sprechen. Youtube ist sein Metier, hier wurde er im letzten Jahr zum Multimillionär und seine Fans lieben ihn für seine Authentizität.

Für Klicks und neue Abonnenten tun "Vlogger" fast alles

Aber ist es wirklich Logan, über den man sprechen sollte? Was er getan hat, ist natürlich nicht nur moralisch verwerflich, es ist schlichtweg respektlos, falsch und, zugegeben, ziemlich dumm. Aber es spiegelt auch eines wider: Die Sucht nach Klicks, nach mehr Erfolg auf Social Media, ist heutzutage fast schon eine Epidemie. Um auf erfolgreich zu sein, nützen filmisches Talent weniger als verrückter Inhalt. Immer wieder tauchen neue Stars auf, jüngere, solche, die sich mehr trauen. Erst vor einem Jahr startete Paul seinen Vlog-Kanal, nachdem er auf der Kurzvideo-Plattform "Vine" schon erfolgreich gewesen ist.

Schon im Frühjahr letzten Jahres war der Reality-Star negativ aufgefallen, als er auf der Youtube-Messe "VidCon" 3000 Dollar versteckt hatte – der Streich endete damit, dass ein Mob von Fans über das Gelände rannte und die Situation so eskalierte, dass Sicherheitsangestellte den Youtuber von der Messe entfernen wollten.

Youtube hat eine große Mitschuld

Trotz großer Aufregung dürften die Klicks auf dem Video dem Star keineswegs geschadet haben. Mit Marketingdeals, Merchandising und Kollaborationen verdient Paul Millionen.

Und obwohl das Video, das Paul in Japans sogenanntem "Selbstmord-Wald" filmte die Video-Regeln der Plattform grob verletzte, war es am Ende nicht Youtube, sondern Paul selbst, der es von seinem Kanal entfernte. Damit nicht genug: Der fragwürdige 15 Minuten Clip, der in nur einem Tag über 6,5 Millionen Mal angesehen wurde, lief sogar über Stunden auf der "Trending"-Spalte der Plattform. Kein Wunder, schließlich verdient Youtube 45 Prozent der Werbegelder, die Pauls Videos generieren. Laut "SocialBlade", einer Analyseplattform, die Youtube-Statistiken sammelt, könnte Paul rund 14 Millionen Dollar im Jahr verdienen. Auch für Youtube ist der Filmemacher also eine Goldgrube. Denn er ist nur einer von vielen.

Youtube-Nutzer sind wütend

Nur den Youtube-Star zur Rechenschaft zu ziehen, reicht also kaum aus. Vielmehr sollte sich das soziale Videonetzwerk fragen, inwieweit seine Richtlinien ausreichen und inwiefern es die sogenannten "Creator" dazu anregt, immer skandalöseren Content zu kreieren. Um relevant zu bleiben, reicht ein harmloses Video schließlich nicht aus. Youtube selbst hat ebenfalls eine Entschuldigung veröffentlicht: "Youtube verbietet brutalen oder blutigen Inhalt, der auf schaulustige, respektlose Weise gepostet wird", so die Erklärung. Blödsinn, sagen zahlreiche Nutzer wie auch Videoproduzenten auf Twitter. "Hi Youtube. Diese Entschuldigung ist furchtbar", schreibt Schauspieler Alex Boniello, während Youtuberin Laci Green die Scheinheiligkeit des Netzwerkes aufdeckt. Sie beklagt, dass Youtube einem Video über iranische Studenten bei einer Demonstration die Chance auf Werbeeinnahmen entzieht, indem die Plattform den Clip "entmonetarisiert", während Paul ein Suizid-Opfer ausnutzt, um sechs Millionen Views zu bekommen und damit auf der "Trending"-Spalte landet. 



Dass sich also etwas ändern muss, ist nicht erst seit Logan Paul bekannt. Er ist womöglich nur ein Symptom für ein viel größeres Problem. Und er wird weiter Videos produzieren, die angesehen und geteilt werden. Sein Entschuldigungs-Video ist der erste Schritt zurück in seine persönliche Youtube-Normalität. Und die besteht aus Skandalen – irgendwie müssen die vielen Anhänger ja schließlich angelockt werden.