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Nachwuchs der Stars: Meine Eltern, die Superstars

Shiloh Nouvel Jolie-Pitt ist gerade geboren, Suri Holmes Cruise sechs Wochen alt. Doch schon beherrschen sie die Klatschspalten. Wie wird es sich leben, wenn Mami und Papi bekannt sind wie bunte Hunde?

Von Till Raether

Mag sein, dass in diesem Jahr in Deutschland eine Fußball-WM stattfindet, der Iran sich die Atombombe baut und die Große Koalition vor lauter Langeweile zerfällt. Es ist egal, dies sind Nebengeräusche. Denn 2006 wird uns in Erinnerung bleiben als das Geburtsjahr zweier Babys, die wir (die informierte Öffentlichkeit) vielleicht noch sehnlicher erwartet haben als die werdenden Eltern. Gut, dass Shiloh Nouvel Jolie-Pitt am vergangenen "Sonntag 1.40 Uhr" geboren wurde, wie Namibias Tourismusministerium bekannt geben durfte.

Welches Leben erwartet die Promi-Babys?

Die Eltern des Kindes, Angelina Jolie und Brad Pitt, sind ebenfalls wohlauf. Und gut, dass Katie Holmes ihrem Lebensgefährten, dem "Operierenden Thetan" Thomas Cruise Mapother IV, bereits am 18. April eine Tochter geschenkt hat. Denn mit diesem Doppelschlag haben die öffentlich bis ins letzte Detail auszelebrierten Liebesgeschichten der Paare Holmes/Cruise und Jolie/Pitt endlich ihren dramaturgischen Höhepunkt erreicht. Wie soll es nun weitergehen? Womit sollen wir uns jetzt beschäftigen? Ganz klar: mit der drängenden Frage, welches Leben die beiden Promi-Butzeln erwartet.

Wir wissen nicht viel über die Kinder von "TomKat" und "Brangelina". Zum einen sind da die Namen. Zuletzt hatte es Gerüchte über Beziehungsprobleme im Hause Jolie/Pitt gegeben, möglicherweise haben sie ihre Tochter deshalb nach einem großen Schlachtfeld des amerikanischen Bürgerkrieges benannt. Der Namenszusatz "Nouvel" signalisiert, dass es sich um ein "neues" Kind handelt, also ein Baby; Kinderärzte vermuten, dass dieser Namenszusatz zusammen mit dem Rest der Nabelschnur in etwa acht bis zehn Tagen abgestoßen wird. Das Kind von Cruise/Holmes heißt Suri.

Scientology fordert eine stille Geburt

Das soll "rote Rose" oder "Prinzessin" heißen, teilen Tom und Katie mit. Namensforscher widersprechen. Angeblich bedeutet Suri auf Japanisch "Taschendieb". Es wird weitergeforscht, kann sein, dass Suri auf Sanskrit "Windelvolontariat" bedeutet oder "Rüdiger". Suris Eltern sind Scientologen, das finden viele nicht gut. Angeblich schreibt Scientology eine "stille Zeugung" und eine "stille Geburt" vor, weil in diesen wichtigen Momenten Schmerzensschreie oder Pressekonferenzen das Kind traumatisieren könnten. Die Geburt soll "still" gewesen sein, falls die Zeugung es auch war, wären dies im vergangenen Jahr die einzigen Sekunden gewesen, in denen Tom Cruise die Klappe gehalten hätte. Kritiker halten Scientology für gefährlichen Unfug, die Rede ist von Ausbeuterei und Gehirnwäsche. Angeblich durfte Katie Holmes seit ihrer Liaison mit Tom Cruise ohne Scientology-Assistentin nicht einmal aufs Klo gehen. Scientologen haben mehr Zähne als gewöhnliche Menschen, das sieht man an Tom Cruise, John Travolta und Isaac Hayes. Scientologen glauben, stark vereinfacht, dass in uns die Seelen von Außerirdischen wohnen, welche es mit Hilfe eines kostspieligen Kursprogramms freizusetzen gilt. Das kann man albern finden, man kann aber auch sagen, Scientology ist eine Religion, die sich eine gewisse Kindlichkeit bewahrt hat. Vielleicht hat Suri Spaß an der Sache mit den Außerirdischen, Kinder glauben ja auch, dass Stofftiere leben und Tokio Hotel eine Rockband ist.

Mehr Sorgen sollte einem bereiten, was Suri nach und nach über ihre Eltern herausfinden wird. Wenn Kinder ein wenig älter sind, blättern sie mit großem Wissensdurst in alten Fotoalben, um sich Bilder ihrer Eltern vor und nach der eigenen Geburt anzuschauen, Bilder einer fremden und doch vertrauten, fast verwunschenen Welt, die man nie kennen gelernt hat, von der man aber ein Teil ist. Suri wird eines Tages keine Bilder von Mama und Papa vor dem neuen gebrauchten Astra-Kombi betrachten, sondern Fotos eines entgrenzten Quasi-Irren, der auf Sofas herumspringt. Und immer das gleiche Foto von Mama, die merkwürdig pflanzenartig vor sich hin lächelt, mit leerem Gesichtsausdruck, weil sie sich stark darauf konzentrieren muss, in jede öffentliche Äußerung die Formulierung "Ich bin so aufgeregt!" einzubauen. "Mama", wird das Kind fragen, "was hat Papa dir zur Verlobung geschenkt?" "Einen superteuren Ring und alle seine Filme auf DVD. Ich war so aufgeregt." "Auch "Cocktail"?", wird das Kind fragen. "Ja, auch "Cocktail"", wird die Mutter sagen und pflanzenartig, aber auch leicht gequält lächeln, wie eine Schnittblume.

Man braucht Humor für die Kindererziehung

Wichtig bei der Kindererziehung ist, dass man den Humor nicht verliert. Brad Pitt wirkte in den vergangenen Monaten nicht, als hätte er drei Schritte hinter Angelina Jolie noch viel zu lachen. Dem "schönsten Paar der Welt" nahe stehende Quellen versichern jedoch, er sei zu Hause mit den Kindern "sehr lustig". Zwei seiner Standardnummern sind bekannt: Oh, Papa lässt sich einen zotteligen Bart wachsen! Und noch einen! Und noch einen! Oh, Papa setzt einen albernen Hut auf! Und nimmt ihn nie wieder ab! Kinder kriegen nicht genug von so was.

Moderne Ehen reiben sich oft an der Frage auf, wer welches Kind wann und wie von A nach B bringt. Es ist beeindruckend, wie entschlossen "Brangelina" und "TomKat" dieses logistische Problem angehen. In beiden Beziehungen haben die Haushaltsvorstände (Angelina Jolie und Tom Cruise) einen Pilotenschein und ein eigenes Flugzeug, Brad Pitt lernt Hubschrauberfliegen. "Sind wir bald da?" "Ruhig jetzt, Mama hat noch keine Landeerlaubnis." Oder: "Vertragt euch, sonst setzt Papa Brad euch noch vor Davos auf einem einsamen Berggipfel aus!" Der Hinweis, dass Kindern oft schon auf dem Rücksitz eines Mittelklassewagens schlecht wird, muss jedoch erlaubt sein.

30 mal Babybettwäsche für Suri

Und was ist mit dem häuslichen Umfeld? Viele junge Paare stellen nach der Geburt eines Kindes fest, dass ihre Wohnsituation recht beengt ist. Tom Cruise und Katie Holmes müssen nicht umziehen, sein Anwesen in Beverly Hills hat acht Schlafzimmer. Hier haben bereits Eddie Murphy und Elton John gewohnt (nacheinander). Acht Schlafzimmer müssen reichen, auch wenn womöglich in sieben davon Scientology-Berater wohnen. Suri hat drei Designer-Stubenwagen (für insgesamt mehr als 4000 Dollar) zur Auswahl, dazu hat Katie Holmes 30 Garnituren Designer-Babybettwäsche gekauft (Sind Waschmaschinen out? Ist das nach No-Carb und Kabbalah der nächste Hollywood-Trend?).

Familie Jolie-Pitt hingegen mag sich noch nicht festlegen. Mal heißt es, sie lebten jetzt in Paris, dann dilettiert Brad Pitt als Architekt und baut den Seinen einen Loft in Berlin-Mitte, dann haben sie plötzlich das Château von Yves Saint-Laurent in der Calvados-Region gekauft, aber am Ende wird der Aufenthaltsort sowieso von den Katastrophenmeldungen aus aller Welt diktiert, beziehungsweise von Frau Jolies Tätigkeit als Botschafterin des UN-Flüchtlingswerks (daher auch die merkwürdigen Berlin-Pläne: Alle vernünftigen Menschen fliehen derzeit aus Mitte). Ihr Engagement (Pakistan, Haiti, Kambodscha, Davos usw.) hat Frau Jolie viel Anerkennung gebracht, aber was sollen ihre Kinder davon halten? Jedes Kind muss sich irgendwann von den Eltern abgrenzen, dies findet spätestens in der Pubertät im Rahmen quälender politischer Diskussionen statt. Warum habt ihr nichts unternommen? Ihr mit eurer Gleichgültigkeit sitzt hier in eurem Wohlstand, denkt ihr auch mal an die Ärmsten der Armen in... Damit braucht Shiloh Nouvel gar nicht erst zu kommen. Um sich abzugrenzen, muss das Kind sein ganzes Taschengeld bei Patenonkel George Clooney in seinem "Las Ramblas Casino" in Las Vegas verspielen und immer aufessen, was auf den Tisch kommt, damit nichts für die Kinder in Afrika bleibt. Und Frau Jolie wird volllippig, aber müde lächeln und sagen: "Solange du deine Füße unter die Vordersitze meiner Cirrus SR 22 steckst, schreibst du jeden Abend eine UN-Resolution, sonst zeigt Mama dir ihre Tätowierungen!"

Hochzeit steht als nächstes auf dem Programm

Erst mal aber wollen beide Paare heiraten. Das heißt, Jolie und Pitt haben das möglicherweise bereits getan, gerade eben, in Namibia. Man weiß es nicht, denn die Namibier lassen nur noch Journalisten ins Land, die eine persönliche Einladung von Jolie und Pitt vorlegen können. Die Ausbürgerung aller Namibier, die sich nicht von Jolie und Pitt adoptieren lassen, steht unmittelbar bevor. Tom Cruise und Katie Holmes wollen angeblich am 1. Juli heiraten. Dummerweise will Nicole Kidman ihren Verlobten Keith Urban bereits am 25. Juni zum Ehemann machen und ihrem Ex Tom Cruise so die Show stehlen, es verdichten sich Gerüchte über ein Vorverlegungswettrennen. Dieses können TomKat noch gewinnen, wenn sie am Tag der Kidman-Hochzeit bereits ihre Blitz-Scheidung bekannt geben: Wir bleiben Freunde, ich bin so aufgeregt, usw. Dies würde jedenfalls zur Blitz-Zeugung und zur Blitz-Diät passen, der Katie Holmes sich derzeit unterziehen soll: auf Geheiß von Tom, der sie, wie böse Zungen zitieren, als "perfekte Braut" sehen will. Ein Unterfangen, das Katies Vater mit den Worten kommentiert haben soll: "Ich kann nicht verstehen, was da passiert." Dem ist nichts hinzufügen. Außer einer grundsätzlichen Beobachtung.

Auch Promi-Eltern werden in der Pubertät peinlich

Früher gab es zwei Sorten von prominenten Paaren: die, die eine gewisse Vorbildfunktion hatten, weil sie cool waren oder Stil hatten (Humphrey Bogart und Lauren Bacall); und die, deren Leben märchenhaft jenseits jeder Vorstellungskraft war (Brigitte Bardot und Gunter Sachs). Heute gibt es immer noch zwei Sorten von prominenten Paaren, aber andere: die, die noch spießiger sind als man selbst (Heidi Klum und Seal, die sich zur Karnevalszeit in "Schnappi"-Kostüme werfen; Sarah Connor und Marc Terenzi in ihrer Delmenhorster Möbelhaus-Ausstellungsraum-Hölle); und die, die einfach nur komplett irre sind. Die Mega-Paare "TomKat" und "Brangelina" gehören beide in die zweite Kategorie. Tom Cruise und Katie Holmes qualifizieren sich für die Kategorie "komplett irre" durch das jauchzend zombiehafte ihrer Selbstinszenierung, Angelina Jolie und Brad Pitt durch penetrante Überhöhung all ihrer gemeinsamen Unternehmungen. Wenigstens tun sie noch Gutes dabei, zum Beispiel, die ersten Bilder ihres Kindes für angeblich 3,5 Millionen Dollar an die Fachzeitschrift "People" zu verkaufen - zugunsten von Unicef.

Eines aber ist klar und auch tröstlich: Beide Elternpaare werden ihren Kindern irgendwann peinlich sein. Das ist das Schicksal aller Eltern. Und bei irgendeiner Hollywood-Preisverleihung, bei der Eröffnung eines weiteren George-Clooney-Casinos, bei der Filmpremiere von "Tomb Raider VII", "Mission: Impossible XI" oder "Ocean's Ganz Schön Viele" werden zwei verlegene 13-Jährige zufällig nebeneinander stehen, sie werden beobachten, wie ihre Eltern in Kameras grinsen und die Welt, das Leben und ihre spannenden Projekte erklären, und die Blicke der beiden 13-Jährigen werden sich treffen. Und sie werden mit den Augen rollen, wie das nur 13-Jährige können. Und egal, in welche Welt sie geboren worden sind: In diesem Augenblick werden sie sein wie alle anderen 13-Jährigen auf der Welt.