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NADDEL: »Zucker vielleicht. Oder Salz?«

Zwölf Jahre stand sie für ihren Dieter am Herd. Was Nadja Abd el Farrag dabei gelernt hat, verewigt sie in einem Kochbuch.

Zu Hause, in ihrer Zweizimmerwohnung in Hamburg-Uhlenhorst, hat sie auch einen Kühlschrank. Milch, Butter, Eier sind da immer drin. Und 20 Dosen Seven-up-Limonade, denn von Wasser kriegt sie die Krise. Sagt sie. Oft werden die Eier alt und müssen in den Müll. Man ist ja so selten zu Hause.

Naddel - in der Tradition von Christian Herzog und Hannelore Kohl

Wenn überraschend Gäste kämen, hätte sie wohl ein kleines Problem. Immerhin gibt sie, Nadja Abd El Farrag, Ex-Peep!-Moderatorin, Ex-Schauspielerin, Ex-»Playboy«-Model, Ex-Dieter-Bohlen-Freundin, demnächst ein Kochbuch heraus. Wer als Autorin in der Tradition einer Christiane Herzog oder Hannelore Kohl steht, sollte eigentlich gewappnet sein für ein Hühnchen oder ein Salätchen aus dem Stegreif. Damit Naddel zeigen kann, was sie draufhat, muss man sie also einladen, einkaufen - und sich von ihr bekochen lassen.

Naddel macht Entenbrust - garantiert silikonfrei

Und das ist dann Erlebnisgastronomie: Wann schmeißt sich die gemeine Hausfrau schon in schwarze Slingpumps, ein hautenges Kleid in zartem Apricot und legt allerlei güldenes Geschmeide an? An Weihnachten? Gut passen zum Fest der Liebe würde es schon: Naddel macht Entenbrust, das Kilo für 40 Mark. Garantiert silikonfrei.

Brust waschen, trockentupfen und mit einer Geheimwürzmischung einreiben. Das rote Pulver zaubert Naddel aus ihrer Handtasche. Könnte Paprika plus Salz sein. »Ein Geheimrezept meines Vaters. Der hat mir viel in der Küche gezeigt.« Das Pulver riecht ausgezeichnet - und ist so praktisch. Mit Ölivenöl anrühren, rauf auf die Entenbrust, rein in den Ofen, 150 Grad, zirka zwei Stunden lang.

Zwiebel unter Wasser - »dann muss man nicht weinen«

Schwieriger wird es beim Arabischen Brotsalat. »Zwiebeln vor dem Schneiden unter Wasser halten«, rät Naddel, »dann muss man nicht weinen.« Zwiebeln schneiden zählt nicht zu ihren Lieblingsdisziplinen. »So zack, zack, zack wie im Fernsehen kann ich das nicht. Da hab ich Angst um meine Finger.« Muss ja auch nicht schnell gehen. Hast schadet, gerade in der Küche. Naddel schneidet Fladenbrot in Würfel. Wie war das denn so, zwölf Jahre lang für Dieter Bohlen die Cheri Cheri Lady am Herd zu geben?

»Ganz normal eben«, sagt Naddel und wirkt ein wenig ungehalten. »Wenn Dieter im Studio war, habe ich eben gekocht. Irgend etwas mussten wir doch essen.«

»Was will man mit 600 Quadratmetern«

Vor sechs Monaten war Schluss mit gemeinsamem Herd. Das junge Fräulein Estefania konnte sicher nicht so gut kochen, den Dieter dafür aber irgendwie anders beglücken. Nadja Abd El Farrag zog aus. »Endgültig, für immer.« Statt 600 Quadratmeter Bohlen-Villa nur noch die 60 Quadratmeter in Uhlenhorst. Ist auch okay: »Was will man mit 600 Quadratmetern? Dieter und ich waren immer nur im Wohnzimmer und in der Küche. Wir haben eine schöne Wohnküche. Ich meine: Wir hatten eine schöne Wohnküche.« Und wer weiß, wie lange es bei den 60 Quadratmetern bleibt, jetzt, wo sie doch ihr Herz an den Schlagerkomponisten Ralph Siegel vergeben hat? Den will sie auch bald bekochen, denn Liebe, sagt sie und lächelt, »geht nun mal durch den Magen«.

Doch zurück zum Herd, zurück zum Brotsalat. Ihr Rezept sieht vor: Tomaten in kochendes Wasser tauchen, häuten und dann entkernen. Naddel blickt auf die Uhr. »Das dauert ja ewig. Ich werde improvisieren.« Heißt: Tomaten waschen, würfeln, fertig. Dann das Feintuning: »Am Dressing fehlt was«, sagt Naddel und legt den Kopf zur Seite, »Zucker vielleicht. Oder Salz? Mit den Gewürzen hab ich es nicht so.« Pfeffer fehlt ganz sicher nicht. Handgestoßene Körner sind in der Soße und Koriander und Kreuzkümmel. Schmeckt schon irgendwie arabisch.

Nur nicht mit Verona vergleichen...

Nein, sie mache Verona Feldbusch nicht alles nach, »totaler Quatsch« das alles. »Ich mache kein Tiefkühl-Kochbuch. Bei mir ist alles frisch! Und ich habe fast alle Gerichte schon selbst gekocht.« Und sie, Naddel, habe die Idee zu dem Buch ganz allein gehabt - und überhaupt seien diese ganzen Verona-Vergleiche allmählich einfach nur lächerlich. »Verona macht bald irgendeine Fernsehshow. Ich nicht. Sehen Sie? Ich mache ihr nichts nach!«

Rührt das Brot, hört die Mailbox ab

Die Entenbrust ist gar, der Salat angerichtet. Naddel röstet Brot in der Pfanne an. Das Kleid sitzt, die Schürze strahlt, das Dekolleté bebt. Das Auge isst mit. Unvermittelt erinnert sich Naddel an ihr Handy. Rührt das Brot, hört die Mailbox ab. Wunderbar, dieses Bild. Moderne Frau kocht modernes Essen und spricht dabei in ein modernes Telefon. Was ist es, das einen ehrfürchtig auf diese Köchin starren lässt? Der Dieter Bohlen in uns allen?

Das Brot brennt leicht an. Naddel legt die Schürze ab. Himmlisch, die Brust.

Tobias Schmitz

»Naddel kocht - verführerisch gut« erscheint am 10. Oktober, Südwest Verlag, 24,90 Mark