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Paris Hilton will Stuttgart besuchen: Es fährt ein Zug nach nirgendwo

Auf Siegeszug mit Dosenprosecco: Paris Hilton will mit der Bahn nach Stuttgart fahren, um sich dort das Projekt Stuttgart 21 anzuschauen und prickelndem Dosensaft zum Durchbruch zu verhelfen. Doch der Schwabe hat's längst geahnt: "Viel G'schiss um nix."

Von Jens Maier

Viele halten die baden-württembergische Landeshauptstadt für Provinz: Hier gibt die Kehrwoche den Takt an, hier fährt man seinen Mercedes einmal in der Woche aus der Garage, um ihn vor den Augen der Nachbarn auf Hochglanz zu polieren - ansonsten tote Hose. Doch dass tausende Stuttgarter im vergangenen Jahr Woche für Woche auf die Straße gegangen sind, um gegen einen Bahnhof zu demonstrieren, scheint das Langeweiler-Image nachhaltig beschädigt zu haben. Jetzt zieht es sogar schon amerikanische It-Girls ins Ländle. Keine geringere als Paris Hilton hat ihren Besuch angekündigt.

Am Freitag wollte die Hotelerbin mit der Deutschen Bahn von Frankfurt nach Stuttgart fahren. "Paris will unbedingt einmal mit der Bahn fahren - mit der Deutschen Bahn, damit Fans und die Presse sie hautnah erleben dürfen, während sie sich Deutschland aus nächster Nähe ansehen kann", behauptet ihr Management. Und außerdem wolle sich Paris "selbst ein Bild vom Stuttgarter Bahnhof und von den Plänen des Megaprojekts Stuttgart 21 machen".

Dosenprosecco soll den Süden erobern

Die Tour ist offenbar Teil eines mehr oder weniger ausgeklügelten Plans, mit Dosenprosecco den Süden zu erobern. Paris Hilton ist nämlich auf Werbetour für eine österreichische Firma, die den Prickelsaft in Weißblechdosen füllt und das total hip findet. Doch statt das Zeug in der Nobeldisco P1 in München, dem Promi-Treff Soho-House in Berlin oder auf der vom Flaschenverbot gebeutelten Reeperbahn unters Volk zu bringen, fiel die Wahl auf die einzig logische Alternative: Stuttgart.

Mit der schwäb'schen Eisenbahn sollte der Hilton-Tross also am Freitag in der Schwabenmetropole einfallen. Die Anfrage nach Gratistickets in der ersten Klasse soll die Bahn übrigens abgelehnt haben. Dabei passt die blonde Hotelerbin doch als Werbebotschafterin perfekt zu dem deutschen Staatsbetrieb. "Ich genieße mein Leben in vollen Zügen", hatte Hilton schließlich einst zu ihrem Lebensmotto erhoben. Das darf sie jetzt - wenn auch auf eigene Kosten.

Ein Abstieg, wurde sie in Frankfurt doch am Vortag noch im Porsche chauffiert. Da die Mainmetropole ihren Bahnhof ja aber bekanntlich behalten darf, interessierte sich Paris Hilton dort nicht sonderlich für den öffentlichen Nahverkehr. Auf dem Programm stand vielmehr ein Besuch bei der Deutschen Börse. Das Ziel: Die Aktienhändler mit schlagenden Argumenten doch noch von der Aktie der Rich AG zu überzeugen. Angesichts des Kursverlaufs war dem ein oder anderen Börsianer aber sicherlich mehr nach Schnaps, als nach Prosecco zumute. Der Wert der Aktie ist binnen eines Jahres um 90 Prozent auf nur noch 10 Cent gefallen.

Viel Lärm um nichts

Umso überzeugender versuchte sich Hilton mit Argumenten: "Ich identifiziere mich wirklich mit der Firma und dem Getränk", hauchte die 29-Jährige in die Mikrofone, während ihr Manager sich alle Mühe gab, Fragen zu einer Schwangerschaft oder erotische Anspielungen abzuwimmeln. "They're hot", schwor Hilton über die kleinen Döschen. Dumm nur, dass das Chanel-Logo ihrer Handschuhe auffälliger war als das Label des prickelnden Büchsensaftes.

Bis zum Nachmittag war am Stuttgarter Hauptbahnhof von Paris Hilton übrigens keine Spur. Gerüchten zufolge komme sie nun definitiv nicht mit dem ICE, die "Sicherheitslage" ließe das nicht zu, hieß es. Ob sie überhaupt noch nach Stuttgart kommt, bleibt fraglich. Oder wie der Schwabe sagen würde: "Die tut ä ganz schänes G'schiss mache."