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Nachruf auf Peter Alexander: Ein Leben zwischen Traurigkeit und heiler Welt

Peter Alexander hätte ein Weltstar werden können. Das meinen viele seiner Kollegen im Showgeschäft. Doch der österreichische Schauspieler zog Wien der Hollywood-Welt vor.

Peter Alexander 1975: Bei Aufnahmen zur Fernseh-Gala "Treffpunkt Herz"

Peter Alexander 1975: Bei Aufnahmen zur Fernseh-Gala "Treffpunkt Herz"

Zu seinem 80. Geburtstag durfte ein letztes Mal ein Fernsehteam zu Peter Alexander. Sein Haus im vornehmen 19. Wiener Bezirk mochte er damals im Jahr 2006 schon nicht mehr verlassen. Die Aufnahmen zeigten Peter Alexander am Klavier, er sang. Doch der jungenhafte Charme war verschwunden, Peter Alexander schien Überdruss am Leben zu empfinden. Die meisten Menschen aber dürften nun nach seinem Tod einen ganz anderen Peter Alexander in Erinnerung behalten. Den Schauspieler, Sänger und Entertainer der 50er, 60er, 70er und 80er Jahre: Die Mensch gewordene heile Welt, ein für gute Unterhaltung lebender Künstler.

Der Wendepunkt zur Traurigkeit im Leben von Peter Alexander war der Tod seiner Frau Hilde am 30. März 2003, kurz nach der Goldenen Hochzeit. Fortan zog er sich zurück, sein einziger regelmäßiger Spaziergang war der zum Friedhof. Im Jahr 2009 kam ein neuer Schicksalsschlag dazu, als seine Tochter Susanne in Thailand tödlich verunglückte. Sein Sohn Michael und die zwei Enkelkinder konnten den Entertainer über diese Verluste nicht hinweg trösten.

Der Familienmensch

Die Familie war schon immer das Ein und Alles für Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer: Unter diesem Namen wurde er am 30. Juni 1926 geboren. Der Vater, ein Bankkaufmann, und die Mutter hätten gerne gesehen, dass ihr einziges Kind zu den Wiener Sängerknaben geht. Doch er wollte nicht - wegen der häufigen Trennung von den Eltern.

Seine erste große Reise wurde aber gleich eine folgenreiche. 1947, der Vater war gestorben, ging Mutter Berta als Kindermädchen nach London, um so ihrem Sohn ein Studium finanzieren zu können. Peter Alexander sah dort Frank Sinatra. Es habe eingeschlagen, wie ein Blitz, sagten seine Freunde später. Von da an wollte er nur noch wie Sinatra sein.

Peter Alexander ergatterte eine Schauspiel-Ausbildung am berühmten Max-Reinhardt-Seminar in Wien, wo sein Talent fürs Komische entdeckt wurde. Sein Markenzeichen wurde ein von einer Mischung aus Charme und Schüchternheit getragener Auftritt. "Ich nehme an, das Publikum hat das schon längst spitz gekriegt, dass ich einer von ihnen bin", erklärte er sich seinen Erfolg.

Als Sänger brachte er 1951 als erstes die Schallplatte "Das machen nur die Beine von Dolores" heraus, die gleich ein großer Erfolg wurde. Ob "Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere", "Die kleine Kneipe" oder "Der Papa wird's schon richten" - Peter Alexander sang Lieder, die Schlagerklassiker wurden. Seine letzte Platte "Verliebte Jahre" produzierte 1991 Dieter Bohlen.

Über das Singen zum Fernsehen

Mindestens ebenso erfolgreich war er als Schauspieler, wenn auch weitab der schweren Kunst. Reine Unterhaltung sollten seine über 40 Filme wie "Im weißen Rößl", "Die Abenteuer des Grafen Bobby" oder die vollkommen überdrehte Komödie "Charlys Tante" sein.

Die beiden großen Talente zum Singen und zum Darstellen führte Peter Alexander Ende der 60er Jahre im Fernsehen zusammen. Mit seiner von Wolfgang Rademann für das ZDF produzierten "Peter Alexander Show" holte er regelmäßig heute unerreichte Einschaltquoten von über 70 Prozent. Seither gilt er vielen als der beste deutschsprachige Entertainer aller Zeiten.

Für seine seltenen Shows - damit sollte die Spannung der Fans erhöht werden - arbeitete der Wiener hart: Über Wochen lernte er mit einem Hang zur Perfektion beständig Gags und Lieder. 1994, in seiner vorletzten Show, parodierte er die britische Königsfamilie so gelungen, dass sich der Buckingham Palast die Videokassette schicken ließ.

Manche Kollegen sagen, Peter Alexander habe das Zeug zum Weltstar gehabt - doch er wollte nicht. Als seine Frau Verträge für die USA machte, wurde er krank und war glücklich, in Österreich bleiben zu können. Er erfreute sich an seiner heilen Wiener Welt: "Unterhaltung kommt einfach ohne heile Welt nicht aus, ich fühle mich von meinem Wesen her, von meiner Begabung und meiner Mentalität eben mehr zur heilen Welt hingezogen." Der Tod seiner Frau und später der seiner Tochter zerstörten diese und damit Peter Alexander.

Ralf Isermann, AFP / AFP