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Prinz Philip: Briten feiern ihren "König der Fettnäpfchen"

Der Gemahl von Königin Elizabeth II. neigt dazu, in jedes erdenkliche Fettnäpfchen zu treten. Die Briten lieben ihren "Fauxpas"-Prinzen dafür. Pünktlich zu seinem 85. Geburtstag ist nun ein Buch mit all seinen Fehltritten erschienen.

Fast 85 und kein bisschen leise. Rechtzeitig vor seinem Geburtstag am 10. Juni hat Prinz Philip - von Beruf Gemahl der britischen Königin Elizabeth II. - seine Landsleute wieder mit einer originellen Idee zum Lachen gebracht. Der "Firlefanz" der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele, so schlug der Herzog von Edinburgh vor, sollte 2012 in London gestrichen werden: "Worum geht es bei so einer Olympiade - um Wettkämpfe oder um Zeremonien?"

Die Fauxpas des Prinz Philip

Das jüngste Bonmot des "Fauxpas"-Prinzen kam passend zur Veröffentlichung eines Buches, das so umfangreich wie nie zuvor Fettnäpfchen auflistet, in die Philip nur allzu bereitwillig getreten ist. Begonnen hatte das schon nach der Verlobung mit der damaligen Thronfolgerin Prinzessin Elizabeth. Als der Herzog sich 1947 bei einem Bahnarbeiter nach dessen Aufstiegschancen erkundigte, bekam er zu hören: "Ach, da müsste schon mein Boss sterben." Philips Antwort: "Genau wie bei mir."

Nachdem im April der 80. Geburtstag der Königin ebenso würde- und weihevoll wie langweilig über die Bühne ging, nehmen die Briten nun den 85. ihres Gemahls zum Anlass, sich unverblümt über seine legendären "politischen Inkorrektheiten" zu amüsieren. Hilfestellung leisten die beiden Hofreporter-Veteranen Phil Dampier und Ashley Walton mit ihrer "Ausrutscher"-Sammlung in Buchform.

Kohl als "Reichskanzler" bezeichnet

In "Duke of Hazard" (etwa: Herzog des Risikos) dokumentieren sie in geballter Form, wie der Herzog von Edinburgh nie davor zurückschreckte, mit einer zotigen Bemerkung außen- wie innenpolitischen Ärger zu riskieren. Legendär ist seine Warnung bei einem Staatsbesuch in Peking 1986 an britische Studenten: "Wenn ihr noch länger hier bleibt, bekommt ihr auch Schlitzaugen."

Natürlich kommt auch wieder hoch, dass Philip Bundeskanzler Helmut Kohl mit "Herr Reichskanzler" anredete und wie er ausgerechnet den Ungarn bescheinigte, sie hätten alle Bierbäuche. Oft war in der Protokollabteilung des Hofes Haareraufen angesagt, wenn der Prinz mit Leistungen wie dieser glänzte: Briten, die den pazifischen Inselstaat Papua-Neuguinea durchwandert hatten, gratulierte er 1998 so: "Sie haben es geschafft, nicht gegessen zu werden."

Diskussion auf Stammtisch-Niveau

Der Gedanke, geschmacklos zu wirken, schien ihn nie zu stören. Als dem Prinzen bei einem Musikfestival in Cardiff eine Gruppe gehörloser Jugendlicher unweit einer lautstark aufspielenden Karibik-Band vorgestellt wurde, fiel dem Prinzen dieser Kommentar ein: "Taub? Ist hier ja wohl auch kein Wunder, dass ihr taub seid."

Dass Prinz Philip Skepsis gegenüber Menschen aus fernen Ländern manchmal auf Stammtisch-Niveau artikulierte, scheinen britische Medien nicht bedenklich zu finden. Eher genüsslich wird daran erinnert, wie er in Australien Ureinwohner fragte: "Bewerft ihr euch immer noch gegenseitig mit Speeren?" Als er bei einer Werksbesichtigung in England einen wackeligen Sicherungskasten entdeckte, befand der Königin-Gemahl: "Den wird wohl ein Inder angebracht haben."

Untergeordnete Rolle Schuld an seinen Zynismus

Psychologen wie die Britin Dorothy Rowe führen Philips Hang zum Zynismus auf seine seit fast sechs Jahrzehnten untergeordnete Rolle als Gemahl Elizabeths zurück. Stets wird erwartet, dass er bei offiziellen Anlässen ein paar Schritte hinter ihr zurückbleibt. "Wenn Menschen verletzende Bemerkungen machen", sagt Rowe, "dann versuchen sie oft, angestaute Aggressionen loszuwerden".

Manchmal findet der Prinz aber auch einen Meister, was den Trockenheitsgrad seines Humors betrifft. Einmal fragte er bei einer Party einen neben ihn stehenden Mann dunkler Hautfarbe: "Und aus welchem exotischen Teil der Welt kommen Sie, mein Freund?" Der Angesprochene erwiderte: "Aus Birmingham, Sir, der zweitgrößten Stadt Englands." Philip hatte es mit Lord Taylor of Warwick zu tun, dem höchstrangigen Schwarzen unter den Politikern der Konservativen Partei Großbritanniens.

DPA / DPA