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Business-Etikette: Fettnäpfchen im Ausland: Arbeitnehmer berichten von ihren peinlichsten Missverständnissen

Begrüßung mit Handschlag, Verbeugung oder Wangenküsschen? Wie sieht es mit Pausen aus und was sollte man niemals zum Geschäftsessen bestellen? Das Arbeiten im Ausland kann leicht zu Missverständnissen führen, wie eine Studie zeigt.

Begrüßung Geschäftsleute

Händeschütteln oder Verbeugen?

Getty Images

Wer für den Job eine Weile ins Ausland geht, erweitert seinen Horizont, muss sich in der fremden Arbeitskultur aber auch erst mal zurechtfinden. Das fällt einer weltweiten Befragung zufolge in manchen Ländern leichter als in anderen. Für die Expat-Insider-Studie der Münchener Organisation InterNations gaben 18.000 im Ausland lebende und arbeitende Menschen, die aus 178 Ländern stammen, Auskunft über ihre Lebenssituation. Unter anderem wurde abgefragt, wie sie mit der dortigen Business-Kultur zurechtkommen und in welche Fettnäpfchen sie bereits getappt sind.

Am unkompliziertesten fanden die Befragten die Business-Etikette in Singapur, Irland und Estland. Auch in Australien, den USA, Großbritannien und Kanada fanden sich die Expats im Job gut zurecht. Als besonders schwer zugänglich gilt dagegen die Geschäftskultur in Japan, Saudi-Arabien und China. Auch die geschäftlichen Gepflogenheiten in Deutschland gelten eher als "schwer zu verstehen" - Platz 40 von 53.

Umarmung-Wangenkuss-Handschüttel-Spektakel zur Begrüßung

Die Liste potenzieller Fettnäpfchen, in die man vor allem in der Eingewöhnungszeit im Ausland tappen kann, ist lang. Das geht schon mit der richtigen Begrüßung los, wie unter anderem eine in Costa Rica arbeitende US-Amerikanerin berichtet. "Als Amerikanerin möchte ich den Leuten immer die Hand schütteln, und die Hälfte der Zeit liege ich damit auch richtig. Manchmal beugt sich mein Gegenüber aber bereits für einen Wangenkuss zu mir herüber oder streckt einen Arm für eine angedeutete Umarmung aus, während ich versuche, nach der Hand zu greifen", erklärt sie. "Es kommt dann zu einem komischen Umarmung-Wangenkuss-Handschüttel-Spektakel, bei dem jeder verwirrt ist und an seiner anfänglichen Intention zweifelt, und wir entscheiden müssen, was nun angemessen ist.“

Für einen Kanadier, der für den Job nach Katar übersiedelte, wurden nicht die Hände, sondern die Füße zum Problem. "Während eines Geschäftstermins mit einem Lieferanten saß ich ihm gegenüber auf dem Sofa, und meine Schuhsohlen waren unabsichtlich in seine Richtung gedreht", erzählt er. Erst hinterher erfuhr er, dass dies als Beleidigung ausgelegt wird, und musste sich für seine Ignoranz entschuldigen. In einigen islamischen Ländern verstößt es zudem gegen die religiösen und kulturellen Gepflogenheiten, als Mann eine Frau mit Körperkontakt zu begrüßen.

Bier zum Mittagessen?

Selbst im gleichen Sprachraum lauern Fettnäpfchen, zum Beispiel bei geschäftlichen Essensterminen. Bei einem Vorstellungsgespräch in den USA bestellte sich ein Mann, der zuvor in Großbritannien gearbeitet hatte, leichtfertig zum Mittagessen ein Bier. "Erst als die Interviewer sich alle nur einen Eistee bestellten, wurde mir klar, dass ich wieder in den USA bin, wo man in der Regel keinen Alkohol zum Mittagessen trinkt." Glücklicherweise wurde dem Kandidaten dies nicht als Alkoholismus, sondern als Ausdruck von Selbstbewusstsein ausgelegt, sodass er den Job erhielt.

Britische Pünktlichkeit und deutsche Raucherpausen

Auch in Sachen Pünktlichkeit, Pausen und Feierabend herrschen unterschiedliche Gepflogenheiten. So eckte eine Italienerin in Großbritannien mit ihrer etwas flexibleren Auffassung von Arbeitszeit an. "Aufgrund meiner südländischen Herkunft tendierte ich dazu, meine Pausen auch mal etwas zu strecken. In Großbritannien gilt Pünktlichkeit aber als ein wichtiges Merkmal hervorragender Arbeitsleistung."

Auch die deutsche Interpretation von Präsenz-Arbeitszeit ist nicht für jeden einleuchtend. So musste ein US-Amerikaner in Deutschland feststellen, dass seine Kollegen tendenziell später anfingen und länger blieben als er, was ihm unangenehm war. "Es fühlt sich manchmal falsch an, wenn ich schon nachmittags gehe, während alle anderen noch im Büro sind – obwohl wir am Ende ja alle gleich lang arbeiten." Zudem wunderte sich der Amerikaner über die allgemeine Akzeptanz ausgedehnter Raucherpausen.

Den Glücksbringer verputzt

Zu kuriosen interkulturellen Job-Erlebnissen kann es überall kommen – selbst in Singapur, laut Studie das Land, in dem man sich am leichtesten an die Business-Etikette gewöhnt. So freute sich ein Amerikaner nach seiner Ankunft, dass er zum dortigen Neujahrsfest zwei vom Arbeitgeber geschenkte Orangen auf seinem Schreibtisch vorfand und verzehrte eine sogleich genüsslich. Erst danach bemerkte er, dass alle anderen die Früchte nicht anrührten, da sie paarweise als Glücksbringer für künftigen Wohlstand fungierten. "Ich selbst hatte aber nur noch eine Orange übrig und musste jetzt herausfinden, ob ich diese am besten auch noch esse, um alle Beweise zu vernichten, oder ob ich eine zweite Orange kaufen sollte, um so zu tun, als ob ich nicht das Symbol für ein erfolgreiches neues Jahr verspeist hätte!“